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32. Bayerische Filmpreis: Alle Preisträger, alle Jury-Begründungen

Im Rahmen einer glanzvollen Fernseh-Gala im Münchner Prinzregententheater verlieh Ministerpräsident Horst Seehofer am Freitag, 14. Januar 2011, vor den Gästen aus der deutschen Film- und Fernsehbranche den 32. Bayerischen Filmpreis. Seehofer: ‚Filme und gerade Kinofilme leisten einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben eines Landes. Sie erzählen Geschichten, ziehen die Menschen in ihren Bann und halten oftmals unserer Gesellschaft den Spiegel vor. Deswegen zeichnen wir heute die herausragenden Leistungen des Filmjahres 2010 mit dem Bayerischen Filmpreis 2010 aus und verneigen uns zugleich vor der großartigen Arbeit unserer Filmschaffenden.‘ Alle Presiträger und die jeweiligen Begründungen der Jury!

Die feierliche Verleihung des 32. Bayerischen Filmpreises findet 2011 auch wieder im Münchner Prinzregententheater statt.

Der Produzentenpreis geht mit 200.000 Euro an Uli Aselmann für die Produktion des Films ‚Das Blaue vom Himmel‘.

Begründung der Jury:

Mit der Produktion ‚Das Blaue vom Himmel‘, aufwändig gedreht in München, Wuppertal, Heiligendamm, Berlin und Riga, hat Produzent Uli Aselmann einen ganz außergewöhnlichen Film realisiert. Unter der einfühlsamen Regie von Hans Steinbichler und mit einem herausragenden Schauspielerensemble ist eine dichte filmische Erzählung entstanden. Sie führt die Protagonisten und mit ihnen die Zuschauer tief in die Vergangenheit und enthüllt in eindrucksvollen Bildern ein Familiendrama, das über Jahrzehnte im Verborgenen schlummerte, aber das Leben aller Beteiligten geprägt und belastet hat. Uli Aselmann ist es gelungen, einen ebenso faszinierenden wie in jedem Detail stimmigen Film zu produzieren, der nicht nur höchsten künstlerischen Ansprüchen gerecht wird, sondern auch das Publikum in seinen Bann zu ziehen vermag.

Der Regiepreis (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Tom Tykwer für seinen Film ‚Drei‘.

Begründung der Jury:

In seinem Film ‚Drei‘ philosophiert Tom Tykwer in einer kunstvoll-künstlichen Versuchsanordnung über die Frage, wie Liebe in bindungsfreieren Zeiten noch funktioniert. Seine unkonventionelle Lösung des Liebesproblems dreier Menschen, Hanna, Simon und Adam, findet ihre Entsprechung in Bildern mit durchaus vertrauten Stadtlandschaften, Wohnungen und Milieus, die aber durch gekonnte Stilisierung etwas Allgemeingültiges bekommen. Tom Tykwers Schauspielführung ist bei alledem so elegant, dass der Zuschauer auch die heikelsten Situationen als natürlich und selbstverständlich erlebt, was dem Film eine wunderbare Leichtigkeit gibt.

Der Preis für die beste Darstellerin (dotiert mit 10.000 Euro) wird verliehen an Sophie Rois für ihre Rolle in ‚Drei‘.

Begründung der Jury:

Sophie Rois ist eine eigenwillige, faszinierende Schauspielerin. In der Beziehungs-Utopie „Drei“ von Tom Tykwer verkörpert sie mit heiterer Leichtigkeit, Wachheit und großer Präzision Hanna, eine erfolgreiche, intelligente Frau, die sich zur gleichen Zeit wie ihr langjähriger Lebens-partner Simon in denselben Mann verliebt. Die in jedem Moment glaubwürdige Darstellung von Sophie Rois ist fern von Klischees. In der Rolle der „Hanna“ verkörpert sie einen Menschen, der zugleich keusch und sinnlich, spröde und zart, sperrig und weich sein kann. Ihr Gesicht zeigt jeden Gedanken, jedes Gefühl. Ihr Blick ist neugierig, verwundert, fragend, so dass man meint, durch die Augen in ihre Seele schauen zu können. Der Zuschauer kann geradezu beobachten, wie ihre Gedanken entstehen und die Worte sich finden, die dann aus ihr heraussprudeln. Souverän meistert sie die delikaten Situationen in der Handlung des Films. Die Wahrhaftigkeit und Vielschichtigkeit ihres Spiels machen ihre Darstellung zu einer großartigen Leistung.

Den Preis für den besten Darsteller (dotiert mit 10.000 Euro) erhält Edgar Selge für seine Rolle in ‚Poll‘.

Begründung der Jury:

Leichen zu mögen – ja geradezu eine morbide Phantasie für das Böse im Menschen zu entwickeln, ist nicht jedermanns Sache. Aber in Chris Kraus‘ Film ‚Poll‘ dürfen wir Edgar Selge als baltischem Gutsherrn Ebbo von Siering bei seiner Lust am Sezieren, Zerlegen und Einlegen so schonungslos zuschauen, dass wir zwischen Entsetzen und Faszination hin- und hergerissen sind. Denn Edgar Selge spielt diese Figur nicht nur mit perfekten handwerklichen Mitteln. Er durchdringt diesen Ebbo von Siering bis hinein in die Tiefenschichten eines Menschen im Extremen. Dabei begegnet uns stets auch ein Verzweifelter: vor Eifersucht, Ehrgeiz und Einsamkeit. Und in all dieser Anti-Kraft blitzen immer wieder Momente von Zärtlichkeit und Liebe für seine Tochter Oda auf. Das alles ist grandiose Schauspielkunst!

Den Drehbuchpreis (dotiert mit 10.000 Euro) erhält Florian David Fitz für den Film ‚Vincent will meer‘.

Begründung der Jury:

Es klingt wie ein Filmtraum: Ein junger Schauspieler wird mit seiner Story-Idee in die Münchner Drehbuchwerkstatt aufgenommen. Dort entwickelt er den Stoff über ein Jahr lang zu einem Script, das er dann an eine Münchner Produktion verkauft. Die engagiert mit Ralf Huettner einen der renommiertesten deutschen Komödienregisseure und es entsteht eine der besten und erfolgreichsten deutschen Filmproduktionen des vergangenen Jahres. Der Drehbuchautor hat daran mindestens so viel Anteil wie der Hauptdarsteller. Und das ist bei dem Film ‚Vincent will meer‘ ein und dieselbe Person: Florian David Fitz. In der Rolle des am Tourette-Syndrom erkrankten Vincent brilliert Fitz neben Karoline Herfurth und Johannes Allmayer und gewinnt mit seinem schrägen Road-Movie voller Tiefgang und Zärtlichkeit die Herzen der Zuschauer.

Den Preis für die Bildgestaltung (dotiert mit 10.000 Euro) bekommt Matthias Fleischer für den Film ‚Das Lied in mir‘.

Begründung der Jury:

Beeindruckende Totalen und dann wieder ganz nah, Bilder von be-stechender Klarheit und im nächsten Moment wieder mitten im rasanten Leben von Buenos Aires: So erzählt die Kamera von Matthias Fleischer in Florian Cossens Film „Das Lied in mir“ die Geschichte der 31-jährigen Maria, gespielt von Jessica Schwarz, die auf dem Zwischenstopp einer Reise in Buenos Aires plötzlich – ohne ein Wort Spanisch zu können – ein fremdes Kinderlied wiedererkennt und sich auf die Suche nach ihrer wahren Identität begibt. Matthias Fleischer gelingt es, stets stilsicher das passende Bild zu finden. Gleichzeitig überrascht er mit ungewöhnlichen Bildausschnitten und versteht es, den Motivreichtum der argentinischen Metropole effektiv zu nutzen. So entsteht eine Bilderwelt, die sich nie in den Vordergrund drängt, jedoch dem Film einen klaren Stempel aufdrückt.

Der Dokumentarfilmpreis (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Jens Schanze für seinen Film ‚Plug & Pray‘.

Begründung der Jury:

Werden die Grenzen zwischen Mensch und Maschine eines Tages ver-schwinden? Und wird dies dann ein besseres Leben sein? Der Dokumentarfilm ‚Plug and Pray‘ stellt grundlegende Fragen nach der Zu-kunft des Menschseins. Regisseur und Produzent Jens Schanze gelingt es, Koryphäen der Robotertechnologie, künstlichen Intelligenz, Neurowissenschaft und Biologie in einen filmischen Dialog zu bringen, der auch für den Laien spannend und verständlich ist. Ausgangs- und Schlusspunkt des Films ist Joseph Weizenbaum, der 1966 den ersten sprechenden Computer erfand und sich bis kurz vor seinem Tod 2008 als einer der schärfsten Kritiker technologischer Allmachtsfantasien zu Wort meldete. Der Dokumentarfilm steht klar auf seiner Seite und ist ein Plädoyer für die Ehrfurcht vor dem natürlichen Mysterium von Leben und Tod. Doch nimmt er auch die Technologiebegeisterung der zu Wort kommenden Forscher aus aller Welt ernst und regt so zum Nachdenken darüber an, ob tatsächlich jede technische Chance ein Fortschritt für den Menschen ist.

Der Preis für die beste Nachwuchsdarstellerin (dotiert mit 5.000 Euro) wird verliehen an Paula Beer für ihre Rolle in dem Film ‚Poll‘.

Begründung der Jury:

Paula Beer ist mit ihrer ersten Rolle in ‚Poll‘ von Chris Kraus die Ent-deckung dieses Kinojahrs. Mit großer Ernsthaftigkeit, Natürlichkeit, Leiden-schaft und einer wunderbaren Ausstrahlung spielt sie die Schriftstellerin Oda Schaefer als 14jähriges Mädchen. Auf dem Gut ihres Vaters im Baltikum versteckt und pflegt sie einen verwundeten estnischen An-archisten und lernt von ihm die Grundzüge literarischen Erzählens. Die eindringliche Darstellung ihrer zarten Gefühle zu diesem Mann, ihres kindlichen Sehnens nach Abenteuer und Gefahr, nach Leidenschaft und Romantik verzaubern den Zuschauer und machen neugierig auf die schauspielerische Entwicklung von Paula Beer.

Den Preis für den besten Nachwuchsdarsteller (dotiert mit je 5.000 Euro) bekommen Jacob Matschenz und Burak Yigit für ihre Rollen in dem Film ‚Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung‘.

Begründung der Jury:

Der eindringliche Debütfilm ‚Bis aufs Blut‘ von Oliver Kienle überzeugt mit dem Kernthema ‚Freundschaft‘ und seinen beiden Hauptprotagonisten Jacob Matschenz und Burak Yigit. Beide spielen ihre Rollen so, als hätte man sie direkt als Tommy und Sule von der Straße weg gecastet. Die ver-zweifelten Versuche von Sule, doch noch irgendwie die Kurve zu kriegen und ein Stück vom normalen Leben abzubekommen, lassen ihn jegliche Haltung, aber auch das Gefühl für den Umgang mit dem besten Freund verlieren. Und dass es Tommy dann gelingt, in fast auswegloser Situation nicht zum selben Verräter zu werden, sondern um seine ganz persönliche Würde zu kämpfen, gehört zum Besten, was das deutsche Kino im ver-gangenen Jahr gezeigt hat. „Bis aufs Blut“ ist schonungslos, radikal und appelliert trotzdem in der Situation tiefster Not an die Haltung eines jeden Einzelnen. Dass dies gelingt, verdanken wir dem intensiven und in jedem Augenblick authentischen Spiel von Jacob Matschenz und Burak Yigit.

Der Nachwuchsregiepreis (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Sebastian Stern für seinen Film ‚Die Hummel‘.

Begründung der Jury:

Nur selten treffen Filme vom Anfang bis zum Schluss den richtigen Ton. In seinem tragisch-komischen Debütfilm ‚Die Hummel‘ gelingt Nachwuchsregisseur Sebastian Stern genau das. Charaktere, Handlung und Umgebung – gedreht wurde im niederbayerischen Deggendorf – kommen lebensnah, wahrhaftig und gänzlich unverstellt daher. Sein Anti-Held, der Kosmetikvertreter Pit, versucht alte Jugendfreundinnen für seine Produkte zu gewinnen. Als Wohnung, Auto und Geld weg sind und seine Jugendliebe Christiane sich enttäuscht abwendet, wird ihm klar, dass er vor allem sich selbst gegenüber ehrlich werden muss, um die Weichen in seinem Leben neu zu stellen. All das erzählt Sebastian Stern mit atmosphärischer Genauigkeit und augenzwinkernder Melancholie. Für eine gute Geschichte muss man nicht immer weit gehen, sie liegt oft im unmittelbaren Umfeld. Sebastian Stern ist auf bezaubernde Weise fündig geworden.

Den Preis für den besten Kinderfilm (dotiert mit 10.000 Euro) erhalten Holger Tappe und Reinhard Klooss für ‚Konferenz der Tiere‘.

Begründung der Jury:

Erich Kästner, der 1947 seine parabelhafte Kindererzählung ‚Die Konferenz der Tiere‘ schrieb, wäre stolz auf diesen Weiterdreh, der den Bogen vom Pazifismus der Nachkriegszeit zum heutigen Kampf für eine intakte Umwelt spannt: Der 3D-Animationsfilm von Holger Tappe und Reinhard Klooss überzeugt durch Aktualität, perfekte Technik und ist so auf Augenhöhe mit den großen amerikanischen Studio-Produktionen. Auch die Gefahr der Über-Pädagogik eines Betroffenheits- oder Guter-Wille-Films wurde mit viel Witz und liebenswerten Figuren umgangen, obwohl elegant fantastisch viele Aspekte unserer Gegenwart eingebaut sind. So muss ein Kinderfilm sein, der nicht nur den kleinen, sondern auch den großen Zuschauern Spaß macht.

Den Preis für das beste Szenenbild (dotiert mit 5.000 Euro) bekommt Silke Buhr für ihre Rolle in ‚Poll‘.

Begründung der Jury:

Silke Buhr ist nicht nur eine begnadete Gestalterin von Orten, Räumen und Bildern, sondern eine Virtuosin zwischen dem Denkbaren, Möglichen und Wirklichen. Das Gut Poll, das sie für den gleichnamigen Film von Chris Kraus in Estland entworfen und gebaut hat, verbindet historisch gelebte Räume mit Phantasieorten, die fast zeitlos und ein wenig aus der Welt gefallen wirken. Das „Haus im Meer“ drückt auf anmutig-melancholische Weise die Schönheit und zugleich Vergänglichkeit der untergegangenen Epoche vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs aus. Dafür hat Silke Buhr Materialien aus aller Welt zusammengetragen und damit eine ganz eigene Atmosphäre – verstärkt durch Farben und spezielle Formen – für uns, die Zuschauer, erschaffen. Dass unser Hier und Jetzt schon morgen nur noch als Erinnerung in uns lebt, dafür haben Silke Buhr und ihr Team nie da gewesene Orte für das Kino neu entdeckt.

Der Preis der Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrecht an Filmwerken (VGF), dotiert mit 60.000 Euro wird verliehen an Ralf Westhoff für den Film ‚Der letzte schöne Herbsttag‘.

Begründung der Jury:

Mit ‚Der letzte schöne Herbsttag‘, welcher heiter-melancholischen Geschichte eines jungen Paares auf der Suche nach dem dauerhaften Glück in einer modernen Zweierbeziehung, bringt Ralf Westhoff seinen zweiten Langfilm ins Kino, für den er als Produzent, Drehbuchautor und Regisseur und damit ebenso unternehmerisch wie künstlerisch verantwortlich ist. Wie schon bei seinem erfolgreichen Debüt ‚Shoppen‘ setzt Westhoff dabei ganz auf die Tradition deutscher Filmemacher, indem er seine Geschichten nicht nur entwickelt, schreibt und inszeniert, sondern sie auch selbst produziert. Dabei gelingt ihm, was nicht jedem Filmemacher gelingt: ‚Der letzte schöne Herbsttag‘ ist ein Film, der formal und künstlerisch überzeugt, gleichzeitig aber auch mit einem hohen Unterhaltungswert das Publikum zu begeistern vermag – und das alles mit einem knapp kalkulierten Budget.

In Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen als Schauspielerin für den bayerischen und deutschen Film erhält Hannelore Elsner den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten. Begründung der Jury!


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