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Im München-Interview: Focus Herausgeber Helmut Markwort

Erst vor ein paar Tagen wurde der Bayerische Printmedienpreis als einer der vier Staatspreise für die Medienbranche vergeben. Helmut Markwort, Herausgeber des Focus-Magazins und zusammen mit Hubert Burda selbst Preisträger aus dem Jahr 2000, vergab als Laudator den Unternehmerpreis. Wir trafen ihn vor der Verleihung, um mit ihm über München als Medien- und Verlagsstandort zu sprechen und um mehr über seine Beziehung zur bayerischen Metropole zu erfahren. 

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Christiane Wolff mit Helmut Markwort in seinem Büro in der Arabellastrasse.

1. Beim Bayerischen Printmedienpreis haben Sie den Unternehmerpreis übergeben und eine Laudatio gehalten. Was macht einen guten Unternehmer in der Verlagsbranche aus?

Helmut Markwort: ‚Ein Unternehmer braucht Leidenschaft und Mut. Er muss an die Sache glauben, von ihr überzeugt sein, die für die Leser, die Zuschauer interessant ist. Das ist ganz wichtig, denn heute sagen viele: Ach, das Publikum merkt das nicht. Ich glaube das aber schon! Der Leser oder der Zuschauer merkt sehr wohl, wenn man ihn nicht ernst nimmt. Und ja, jeder Unternehmer ist anders. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung bin ich großer Anhänger des persönlichen Verlegers. Ich bin Fan von Henri Nannen und John Jahr, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Und natürlich seit vielen Jahrzehnten von Hubert Burda. Es gibt dann auch Verleger wie Dirk Ippen. Diese Menschen sind mir näher und sympathischer als Investmentgesellschaften. Diese Art des Investierens ist mir weniger sympathischer als die eines Menschen, der sein Leben mit seinem Unternehmen verbunden hat!‘

2. Behält München seine Vormachtstellung als guter Verlags-Standort?

Helmut Markwort: ‚München ist in sehr vieler Hinsicht als Medien und Verlags-Standort wichtig. Und im elektronischen Bereich spielen auch Ismaning und Unterföhring eine große Rolle. Zum Medienstandort gehören aber auch Buchverlage. Es gibt nirgendwo außer in New York so viele Buchverlage wie in München. Die haben aber keine solche Gemeinschaft wie beispielweise der Fränkische Wein. Da fehlt es ein bisschen an guter PR und Marketing!‘

3. Politisch sind Sie persönlich sehr engagiert. Wenn Sie OB in München wären, welche 3 Dinge würden Sie umsetzen?

Helmut Markwort: ‚Ach, Du lieber Gott! Da würde ich erst einmal alleine mit mir selbst eine Woche in Klausur gehen und über die Beantwortung der Frage nachdenken. Als Autofahrer bin ich natürlich völlig subjektiv und leide unter der Rot-Grün-Schaltung. Ich würde den Autoverkehr fließender machen. Auch im Bereich Wohnung würde ich etwas tun. Die Mietpreisbremse halte ich ja weitgehend für sinnlos, weil die Mieten nur sinken können, wenn Wohnungen gebaut werden können! Und ich würde sofort die Regelung aufheben, die vom früheren OB Kronawitter per Volksabstimmung eingeführt wurde, dass man nicht ein paar Stockwerke höher bauen darf. Das halte ich für eine Bremse und für eine kleinkarierte Regel, die meiner Meinung nach gar keine rechtliche Gültigkeit hat.‘

4. Eins Ihrer Steckenpferde ist das Theater, wo sie auch auf der Bühne stehen. Wo trifft man Helmut Markwort kulturell in München?

Helmut Markwort: ‚Ich bin ein leidenschaftlicher Theaterbesucher, genauer: ein Schauspielbesucher. Ich gehe nur ab und zu in die Oper. Ich habe Abonnements in den Kammerspielen, im Residenztheater, ich gehe viel ins Volkstheater und auch in kleine Bühnen. Natürlich gehe ich auch in die Komödie im Bayrischen Hof, wo ich auch selber gespielt habe. Das Theater von Frau Böhnisch hält sich tapfer auch ohne Subventionen! Das finde ich klasse und unterstütze ich sehr!‘

 5. Spielen Sie noch aktiv Theater? 

Helmut Markwort: ‚Ich musste selber leider gerade zwei Rollen absagen, da sie mit meinen anderen Lebensplänen nicht übereinstimmen. Mein Sonntagsstammtisch jeden Sonntag um 11 Uhr im Fernsehen, der mir sehr viel Spaß macht, ging mit den Anfragen nicht überein. Es laufen aber immer einzelne Projekte – auch fürs Fernsehen! Im Sommer werde ich wieder in Darmstadt spielen: im Datterich!‘

6. Haben Sie einen Lieblingsort in München?

Helmut Markwort: ‚Ich habe viele Lieblingsorte! Das ist so eine schöne Stadt. Ich habe ganz viele Orte, an denen ich mich wohl fühle. Um Freunde, die nach München kommen, kümmere ich mich immer individuell und suche die Plätze je nach Interesse aus. Das kann der Viktualienmarkt sein, eine Theateraufführung, die Allianz Arena oder ein Spaziergang in der Innenstadt.‘

7. Wohin gehen Sie gerne Essen – mit Freunden und mit Geschäftspartnern?

Helmut Markwort: ‚Das ist ja klar, dass ich jetzt keine Lokale nenne! In dem Moment, in dem ich eines nenne, sind Hundert andere beleidigt. Ich gehe in viele unterschiedliche Lokale – einmal in der Gegend, in der man wohnt und auch gerne Bayrisch, Italienisch oder Asiatisch. Sushi mag ich gar nicht. Es gibt ein Problem in München: Sonntagabend haben viele Restaurants leider zu!‘

8. Als gebürtiger Hesse sind Sie ja mit ‚grüner‘ Soße und Äppler aufgewachsen – wie fällt hier Ihr Vergleich zu Schweinebratensoße und Weißbier aus?

Helmut Markwort: ‚Ich esse gerne einen Schweinsbraten, in Frankfurt habe ich jetzt wieder Grüne Soße gegessen. Es gibt ja einen großen Trend unter den Gourmets und auch den Gastrokritikern, das ist die Regionale Küche. Bedeutet, das zu empfehlen und zu essen, was regional wächst. Und dem Tipp folge ich gerne!‘

9. Vermissen Sie die Heimat oder fühlen Sie sich jetzt als Münchner?

Helmut Markwort: ‚Ich lebe jetzt ja seit über 50 Jahren in Bayern. Ich bin auch gerne in Darmstadt, dazu habe ich auch immer noch eine Beziehung. Ich bin dort an einer lokalen Zeitung beteiligt, spiele Theater und unterstütze natürlich den SV Darmstadt 98. Aber ich bin in München so gut zu Hause, verbandelt und vernetzt. Hier bleibe ich. Es ist einfach eine tolle Stadt!‘

10. Für welchen Münchner würden Sie gern eine Laudatio vorbereiten und warum?

Helmut Markwort: ‚Fragen Sie mich bitte nicht nach Laudationen! Ich übe gerade ’nein‘ sagen. Ich bin ein viel zu gutmütiger Mensch und sage laufend etwas zu und hinterher spüre ich die Last. Ich bereite gerade eine Laudatio auf Roman Herzog vor. Das liegt mir auf der Seele. Und wenn Du das gut machst, habe ich mir gesagt, dann machst Du ein Jahr Pause!‘

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