Sonntag , April 22 2018
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Kunst im Le Meridien: Geheimagent mit neuer Mission

Eine ziemlich ungewöhnliche und spannende Ausstellung lockte einige Münchner am Montagabend ins Münchner Hotel „Le Méridien“ am Hauptbahnhof. Erstmals zeigt man die Werke eines ehemaligen DDR-Geheimagenten: ‚Meier/Miserre – Aus dem Schutzraum der Öffentlichkeit‘. So lautet der Titel der Ausstellung, die das lang verborgene Werk des ehemaligen DDR-Geheimagenten Horst Meier in den Mittelpunkt rückt.

Kunst als Tarnung für einen Geheimagenten. Fotocredit: Marian Wilhelm
Kunst als Tarnung für einen Geheimagenten. Fotocredit: Marian Wilhelm

Erst nach dem Tod Meiers im Herbst 2016 durften die Plastiken des Künstlers auf seinen Wunsch hin enthüllt werden. Hotel-Direktor Frank Beiler holte die Werke nun im Rahmen einer Wanderausstellung ins Luxus-Hotel in der Bayerstraße, wo sie bis zum 29. April erstmals in München bewundert werden können.

Möglich gemacht hatte die Ausstellung Kurator Günter Rothe, der Verwalter des Meier/Miserre-Vermächtnisses. Er wurde noch zu Lebzeiten des Künstlers von diesem beauftragt, dessen Werk zu Ende zu führen und die Skulpturen nach seinen Vorstellungen umzusetzen. Rothe ließ die Werke, die bis dato nur in Gipsform existierten, in Bronze gießen: ‚Ich war auf Anhieb von der Bildsprache der Werke fasziniert. Einfach einzigartig.‘ Nach Leipzig, Dresden und Berlin brachte er die Werke nun nach München: ‚Ich zeige sie gerne in Hotels, denn Hotels sind immer Orte der Kommunikation.‘

Kurator im Le Meridien Hotel. Fotocredit: Marian Wilhelm
Kurator ist auch Verwalter des Meier/Miserre-Vermächtnisses. Fotocredit: Marian Wilhelm

Hotels sind Ort der Kommunikation

Er gab den Gästen vor Ort eine Einführung in das spannende Werk und auch das Leben des Künstlers. Und er ‚zerlegte‘ dann vor den Augen der Gäste auch eine der Werke. Die Besonderheit einiger Kunststücke sind die demontierbaren Einzelteile der Skulpturen, die sich zu einem vielschichtigen Ganzen zusammenfügen.

Wer ist Horst Meier, der unter dem Decknamen Erwin Miserre agierte? Die Bildhauerei war zunächst eine Tarnung für die falsche Identität Meiers in Brüssel und für seine Tätigkeit als Geheimagent der DDR. Später dann wurde sie zu seiner Berufung, auch wenn er sie zu Lebzeiten nie öffentlich machte. Nach seinem Abzug in Brüssel kehrte Meier, der zudem auch als Publizist war, nicht mehr in seinen ursprünglichen Beruf als Elektriker zurück, sondern blieb der Kunst treu.

Hotel-Direktor Frank Beiler freute sich über die vielen Gäste: ‚Unser Haus ist für sein progressives Kunstprogramm bekannt. Diese Ausstellung passt daher perfekt zu uns. Denn sie zeigt Werke eines Künstlers der Zeitlebens nur im Verborgenen seine Leidenschaft ausleben durfte. Ein Künstler, welcher sicherlich ein spannendes und polarisierendes Doppelleben geführt hat‘.

Unlock Art des Le Meridien

Präsentiert wird die Ausstellung im Rahmen des Kunstprogramms ‚Unlock Art‘ des Le Méridien, mit dem man Kunst für die Besucher „entschlüsseln“ möchte.

Text: Andrea Vodermayr

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