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Bitte ‚Coffee to go‘ ab sofort in der Porzellantasse!

MEISER’S MORE

Dr. Hans Christian Meiser, Kolumnist bei Exklusiv München, ist Philosoph, Psychologe, Publizist und Programmdirektor von Radio 39. Denken und Sport sind seine Leidenschaft.
Dr. Hans Christian Meiser, Kolumnist bei Exklusiv München, ist Philosoph, Psychologe, Publizist und Programmdirektor von Radio 39. Denken und Sport sind seine Leidenschaft.

‚Sag zum Abfall lautlos ‚Servus‘!

Zum ersten Mal fiel es mir vor etwa 15 Jahren in London auf: Gehetze Zeitgenossen eilten am Morgen mit dem Handy in der linken Hand und einem Pappbecher voller Kaffee zur U-Bahn. Sonderbar dachte ich, kann denn Arbeit so enorm wichtig sein, dass man auf Lebensqualität verzichtet? Oder ist es schick, seinen morgendlichen Aufputschdrink aus einem Styroporgefäß anstatt einer Tasse Wedgwood-Porzellan zu trinken? Was damals nur trendy war, ist mittlerweile aus dem Straßenbild moderner Groß- und Mittelstädte nicht mehr wegzudenken – Tendenz steigend. Es scheint einen inneren Zusammenhang zu geben: Je schneller wir leben, umso mehr vergessen wir, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, sein Dasein zu gestalten. In München sind es sage und schreibe 190.000 Pappbecher, die täglich fortgeworfen werden. Das ergibt – auf ein ganzes Jahr gerechnet – fast 70 Millionen dieser morgendlichen Wegbegleiter. Weltweit sind das dann … nein, hier streikt der Taschenrechner. Aber man kann es sich in etwa ausmalen.

KLEINER PAPPBECHER, GROßES PROBLEM

Allein für die Herstellung aller in Deutschland verwendeten Pappbecher (das sind 2,8 Milliarden!), so rechnet der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) vor, werden 43.000 Bäume gefällt, 1,5 Milliarden Liter Wasser verbraucht, 320 Millionen KWh Strom benötigt, 3.000 Tonnen Rohöl verarbeitet, 11.000 Tonnen CO2 in die Luft gepustet, und am Ende 40.000 Tonnen Müll produziert. Malen Sie sich jetzt bitte selbst aus, wieviel davon auf München (im wahrsten Sinn des Wortes) abfallen. Und wer die Kosten dafür trägt, das können Sie sich ebenfalls denken.

Vielen Mitbürgern ist das womöglich egal, und ich selbst hatte bislang auch nicht darüber nachgedacht. Mich ärgerten eher all die Fastfood-Umverpackungen, die ich in Schwabing, wo ich lebe, täglich an den unmöglichsten Orten fand. Und da ich kein großer Coffee to go Fan bin, lenkte ich meine Aufmerksamkeit bisher auch nicht dorthin. Erst durch den fünf Meter hohen Symbolbecher, den ich kürzlich am Marienplatz aufgestellt sah, um die Bürger auf den Papp-Missstand aufmerksam zu machen, wurde mir klar, dass der Becherwahn nicht gerade dem entspricht, was man heute unter Umweltschutz versteht, zumal die Gefäße nicht recyclebar sind.  Ich stellte mir dann sogar Umweltaktivisten vor, die sich auf dem Weg zu ihrer Aktion mit Coffee to go aufputschen und den Becher dann mangels besserer Gelegenheit dort entsorgen, wo es niemand sieht… Der Mensch ist eben ein widersprüchliches Wesen, das in Extremen lebt.

NÜTZLICHE TIPPS ZUR MÜLLREDUZIERUNG

Was kann man nun konkret gegen den To-go-Wahn tun? Der Münchner Abfallwirtschaftsbetrieb rät: „Einfach seinen eigenen Becher mitbringen. In vielen Cafés in München ist das inzwischen explizit erwünscht. Und oft gibt es dafür sogar einen kleinen Rabatt. Oder an einem Mehrwegsystem teilnehmen. In München gibt es RECUP mit mittlerweile 200 ‚Pfandstationen‘ im gesamten Stadtgebiet. Und seien wir mal ehrlich, 5 Minuten für einen Kaffee in der Porzellantasse, ob im Stehen oder Sitzen, hat man eigentlich fast immer.“

Ob das langt? Ich befürchte: Nein. Denn der wahre Grund ist ja, dass wir immer weniger Zeit haben; und ganz praktisch betrachtet: Wo sollen wir denn einen mitgenommenen Becher säubern und verstauen? Natürlich machen dies mittlerweile einige Menschen, aber viel mehr noch haben auf dem Weg zur Arbeit weder die Möglichkeit der Aufbewahrung noch die zur Unterwegswäsche zwecks Neubefüllung.

MCDONALD’S LÄSST BALD PLASTIK WEG

Es ist ausgerechnet die Firma McDonald’s, die hier eine Vorreiterrolle übernehmen will: Ab 2019 soll es statt Plastik- oder Styroporumverpackungen – man glaubt es kaum – Porzellan geben! Natürlich macht das weltweit agierende Unternehmen dies nicht nur aus Imagegründen, sondern auch aus monetären. Denn man hat herausgefunden, dass das Herstellen und Entsorgen von Plastikumverpackungen weitaus teurer ist als wiederverwendbares Porzellan. Der Zweck heiligt eben die Mittel. Und das ist – zumindest in diesem Fall – gut so.

Insgesamt produzieren die Münchner ca. 500.000 Tonnen Müll im Jahr. Vieles wird mittlerweile wiederverwertet, recycelt, umgeformt, einer neuen Bestimmung zugeführt. Dennoch ist die oben genannte Zahl viel zu hoch, vor allem, wen man bedenkt, dass die grüne Bewegung samt der dazugehörenden Partei doch eigentlich in den letzten 30 Jahren ein Bewusstsein dafür schaffen konnte, dass wir demnächst in Müll ersticken, wenn wir nicht handeln. Steht also trotz aller guten Ansätze der Suizid der Überflussgesellschaft bevor? Irgendwie könnte man es meinen, selbst wenn braune, blaue und schwarze Tonnen, Tafeln und moralische Appelle vom Gegenteil künden.

WIE KANN MÜNCHEN WIEDER SAUBER WERDEN?

408 Kilo Müll produziert jeder Münchner durchschnittlich im Jahr. Das sind jeden Tag 1,11 Kilogramm – ohne Sperrmüll. Können wir das ändern? Wenn ja, wie? Sicher, es gibt kein Allheilmittel. Und jeder muss bei sich selbst beginnen. Ein guter Anfang wäre, ein paar Minuten früher aufzustehen, um seinen Kaffee zu Hause zu trinken anstatt auf dem Weg zur Arbeit. Auf keinen Fall aber sollte man es machen wie ein offenbar des Englischen nicht mächtigen Pärchen, das ich kürzlich in einem Coffee-Shop in der Innenstadt erlebte. Es bestellte nämlich „Zwei Mal Coffee-to-go, aber bitte zum Mitnehmen!“

Welches sind IHRE Ideen zur Müllvemeidung? Schreiben Sie uns. Jeder, der mitmacht, erhält – nein, keinen ‚Coffee to go‘-Becher, dafür aber etwas sehr Nachhaltiges: eine kostenlose dreimonatige Clubmitgliedschaft beim neuen, spannenden Münchner Internetportal RADIO 39, das sich mit Philosophie, Psychologie, Gesundheit, Reise und Lebenskunst (dazu gehört auch gesundes Essen) beschäftigt.

Senden Sie uns also bitte Ihre Meinung an: meisersmore@exklusiv-muenchen.de

Ihr Dr. Hans Christian Meiser

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