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FC Bayern DFB Pokal K. o.: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

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Am 9. Mai 2018 empfing Bayerns Ministerpräsident Dr. Söder den Rekordmeister in der Staatskanzlei. Fotocredit: SchneiderPress, TU
Am 9. Mai 2018 empfing Bayerns Ministerpräsident Dr. Söder den Rekordmeister in der Staatskanzlei. Fotocredit: SchneiderPress, TU

Im Oktober 2017 veröffentlichte ich bei Exklusiv München eine Kolumne, in der ich nicht nur fragte, weshalb es sich Jupp Heynckes antut, aus der Normalität des menschlichen Lebens im Alter zurück auf die Fußballbühne zu kehren, und was wohl geschieht, wenn er das begehrte Tripple (Deutsche Meisterschaft, Pokal, Champions League) nicht holt. Heiter gestimmt riet ich ihm, mit seinen Mannen mehr trippeln zu üben. Offenbar kam dieses Wortspiel nicht gut an, denn es kam weder zum Tripple, noch nicht einmal zu Double, sondern „nur“ zur Deutschen Meisterschaft, das allerdings mit 21 Punkten Vorsprung. 2018 fährt der FC Bayern ohne DFB Pokal zurück nach München.

FC Bayern und seine Trainer

Vor Jupp Heynckes verneigten sich alle, er wetzte die Fehler seiner Vorgänger Guardiola und Ancelotti aus und wurde auf und neben dem Platz ge- und verehrt. Was also ist schief gelaufen beim FC Bayern? Weshalb haben die Spieler um Kapitän Manuel Neuer die begehrten Trophäen nicht geholt? Worin liegt der tiefere Grund für diese Misere, die ja nun schon einige Jahre lange anhält?

Zur Erinnerung: In beiden Halbfinals der Champion League war der FC Bayern dem Gegner Real Madrid überlegen – dennoch schied man aus. Beim Pokalendspiel gegen Eintracht Frankfurt machte man zu wenig aus den Chancen, die sich boten – und verlor. Frustriert verschwand man in der Kabine, anstatt die Siegerehrung mitzumachen und als Verlierer dem Gewinner zu gratulieren. Aber zu solchen Gesten sind die Jungmillionäre vermutlich nicht fähig. Es ist ihnen schlichtweg egal. Warum sollten sie auch Fairplay hochhalten, wenn ihnen die ganze Welt, einschließlich des amerikanischen Präsidenten vormacht, dass es auch anders geht?

FC BAYERN FIRST!

FC Bayern first! Das hätten auch Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gerne. Aber sie schaffen es mit ihren Spielern immer wieder, kurz vor dem Ziel in die schon überwunden geglaubten, alten Untugenden des pomadigen Spiels, der Selbstüberschätzung und der Hybris zurückzufallen – da kann ein Jupp Heynckes machen, was er will. Diesen Charakterzug des FC Bayern kann kaum einer auszumerzen.

Oder vermag es Niko Kovac, Heynckes‘ Nachfolger? Inmerhin kennt er den Verein, mit dem er schon den Weltpokal holte, Deutscher Meister und DFB Pokalsieger wurde. Das letzte Spiel von Jupp Heynckes, das seine Mannschaft ausgerechnet gegen ihren künftigen Trainer bestreiten musste und 3:1 verlor, bestätigte auf erstaunliche Weise das siebente paradoxe Gebot des amerikanischen Denkers Kent M.Keith, welches besagt, dass die Menschen den Benachteiligten zwar ihre Sympathie schenken, doch nur den Gewinnern folgen.

Eintracht Frankfurt, der „Underdog“ hatte zwar die Sympathien der Zuschauer im Berliner Olympiastadion und bei der TV-Übertragung, doch ginge es um mehr als einen Pokal, würden sie dem FC Bayern und seinen Werten folgen. Gleichzeitig hat Niko Kovac etwas bewerkstelligt, das so archetypisch ist kaum etwas anderes: Wie wir alle wissen, gibt es im Tierreich nicht nur Kämpfe um Territorien, sondern auch um die Hierarchie.

Wer kann sich Jürgen Klopp als Bayern-Trainer vorstellen?

Meistens tritt ein jüngerer Löwe, Gorilla etc. auf die Bühne und macht dem alten Anführer die Herde streitig, will ihn vertreiben und sich selbst an deren Spitze setzen. Erlebten wir beim Pokalendspiel in Berlin nicht genau dasselbe? Der junge Niko fordert den alten Jupp heraus, besiegt ihn und wird Anführer von dessen alter Horde. So gesehen hätte man das Spiel gar nicht anpfeifen müssen, denn es war ohnedies von vornherein klar, wie es ausgehen würde – falsche oder richtige Schiedsrichterentscheidungen hin oder her. Erwartung triumphiert über Erfahrung – eine Wahrheit, der sich auch ältere Herren stellen sollten, wenn sie meinen, unbedingt eine wesentlich jüngere Partnerin haben zu müssen. In den meisten Fällen geht das nur für kurze Zeit, eine glückliche Zukunft sieht anders aus.

WIE GEHT ES WEITER?

Und die Zukunft des FC Bayern? Ich kann mir zwei Szenarien vorstellen:

  1. Niko Kovac schafft es tatsächlich, aus den Jungmillionären mit ihren „Spielerfrauen“ (auch ein schöner Beruf) eine schlagfähige Truppe zu formen, die in der Lage ist, die Champions League mindestens zwei Mal hintereinander zu gewinnen; Platz 1 bei der Deutschen Meisterschaft ist ohnedies selbstverständlich, DFB Pokal auch. Gelingt dies, kann er bleiben.
  2. Schafft er es nicht, wird er nach Weihnachten entlassen und Jupp Heynckes kehrt zurück. Nein, natürlich nicht, ich glaube, er hat nun wirklich genug. Aber ein anderer könnte kommen: Jürgen Klopp. Ihm, dem Hoffnungs- und Werbeträger der Autobauer aus Rüsselsheim, könnte der Brexit gelingen, wenn er den FC Liverpool, den er seit 2015 trainiert, Richtung München verlässt.

Ob das geschehen wird? Wer weiß. Oder wie ein großer Fußballphilosoph einmal sagte: „Schau mer mal.“ Auf jeden Fall wünsche ich im Namen des gesamten Teams von „Exklusiv München“ Jupp Heynckes einen sonnigen Ruhestand und Niko Kovac ein gutes Händchen im Umgang mit seinen verwöhnten Stars.

Und da nach einer alten Fußballweisheit „Nach dem Spiel vor dem Spiel ist“ und nach einer anderen Fußballweisheit „Das Runde ins Eckige muss“ hoffen wir, dass auch die dritte dieser Weisheiten bei der kommenden Fußballweltmeisterschaft in Russland zählen wird. Sie stammt von dem englischen Stürmer Gary Lineker, der vor 28 Jahren sagte: „Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Leute laufen 90 Minuten lang einem Ball hinterher, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Das würde sicherlich nicht nur Jogi Löw freuen …

Herzlich, Ihr Dr.Hans Christian Meiser.
Herzlich,
Ihr
Dr.Hans Christian Meiser.

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