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Restaurant Malva in Haidhausen: Kochnomadin Antje de Vries bringt die Welt auf den Teller

Antje de Vries ist bekennende Kochnomadin. Ob bei einer Masterclass mit Sterneköchen, beim Kochen mit Frauen in Sierra Leone oder mit jungen Köchen in Kolumbien – von ihren Reisen bringt sie Geschichten und besondere Geschmacksideen mit. Im Restaurant Malva in München-Haidhausen hat sie gemeinsam mit dem Team ein außergewöhnlich gutes veganes Menü entwickelt. Es steht im Mittelpunkt eines politischen Oktobers mit dem Münchner Verein Küche ohne Grenzen e. V., dessen Präsidentin sie ist. Wir waren beim Auftakt dabei.

Antje de Vries serviert selbst den ersten Gang: Tomatenessenz mit Masa-Nocken. Rechts hinter ihr Jörg Linke – ebenfalls vom Münchner Verein Küche ohne Grenzen e. V. – der die Weinbegleitung zum Menü zusammengestellt hat.

Wer Antje de Vries fragt, was ihr unterwegs fehlt, bekommt eine überraschend kurze Antwort: manchmal eine Couch. Die Köchin reist durch die Welt und fühlt sich an vielen Orten zu Hause. Am 5. Oktober stand sie im Restaurant Malva in Haidhausen mit in der Küche. Im Menü finden sich ihre Reiseerfahrungen wieder: in der Birnen-Ceviche und im Kürbisspieß mit Palmfruchtöl.

Das Malva in der Steinstraße 42 hat sich dafür mit dem Münchner Verein Küche ohne Grenzen e. V. zusammengetan. Gemeinsam gestalten das Haidhauser Restaurant und der Verein einen politischen Oktober. Antje de Vries ist dessen Präsidentin. Beim Auftakt kochte sie mit dem Malva-Team sechs vegane Gänge zum Teilen. Den ganzen Monat können Gäste ein gemeinsam entwickeltes veganes Menü bestellen und damit Projekte des Vereins unterstützen.

Das Essen ist außergewöhnlich gut. Schon beim Lesen der Karte möchte man wissen, wie das zusammengeht: Waldpilze und Vogelbeeren, fermentierte Knollen mit Rose und Quitte, Kürbis mit Melone und Palmfruchtöl.

Unterwegs und doch zu Hause

Kurz vor dem Abend war de Vries aus Sierra Leone zurückgekehrt. Dort hat sie mit Frauen am offenen Feuer gekocht. In Montenegro, erzählt sie uns, hat sie nach Algen getaucht. Lebensmittel führen sie zu Orten und Menschen, die sie sonst vielleicht nie kennenlernen würde.

Ihre Begeisterung für Geschmack begann früh. Als Kind probierte sie auch unreife Äpfel – mit entsprechendem Bauchweh. Später verliebte sie sich in Texas ins Kochen und machte eine Kochausbildung. Was für einen Schlüssel sie damit in der Hand hielt, habe sie damals noch gar nicht gewusst, erzählt sie.

Für Familie und Freunde plant sie bewusst Zeit ein. Kulinarisch liegt ihr Zuhause irgendwo zwischen der Erbsensuppe ihrer Oma und der indonesischen Küche.

Birnen-Ceviche mit Gurke, Rettich, Spirulina und frischen Kräutern im Restaurant Malva in München.
Birnen-Ceviche mit Gurke, Rettich und Spirulina – einer der ungewöhnlichen Gänge des veganen Menüs im Malva.

Eine Birne erzählt von Kolumbien

Besonders viel von ihren Reisen erzählen für Antje de Vries zwei Gerichte des Auftaktmenüs: die Birnen-Ceviche mit Gurke, Rettich und Spirulina sowie der Kürbisspieß mit Süßzwiebel, Melone und Palmfruchtöl.

Die Ceviche verbindet sie mit Tumaco an der kolumbianischen Pazifikküste. Dort hat sie ein Jugendzentrum besucht, in dem junge Menschen neben Tanz, Theater und anderen Angeboten auch einen Zugang zur Gastronomie finden. Im Piqueteadero, einem kleinen Kiosk, stellen sie Empanadas her. Eine Kochausbildung kann dort eine berufliche Perspektive eröffnen.

De Vries erzählt von einem jungen Mann, der sich um seine kleine Schwester kümmert, bei seiner Oma lebt und trotz schwieriger familiärer Umstände seine Kochausbildung geschafft hat. Inzwischen bildet er selbst junge Menschen aus. Man merkt ihrer Schilderung an, wie viel sie von ihm hält.

So bekommt das Gespräch über eine Ceviche plötzlich eine andere Richtung. Es geht um das, was eine Küche ermöglichen kann: einen Beruf, eine Aufgabe, eine Perspektive.

Kürbisspieß mit Süßzwiebel, Melone und Palmfruchtöl im Restaurant Malva in München.
Viel Malva-Küche, dazu Inspirationen von ihren Reisen: Beim Kürbisspieß mit Süßzwiebel, Melone und Palmfruchtöl bringt Antje de Vries beides zusammen.

Kürbis, Zwiebel und Palmfruchtöl

Eine Zwiebel kann weit herumkommen, zumindest im Gespräch mit Antje de Vries. Viele Gerichte beginnen mit einer Zwiebel, erklärt sie. Auch in Bayern. Deshalb hat das Malva-Team der Zwiebel in diesem Gang bewusst Raum gegeben.

Das Palmfruchtöl hat de Vries mitgebracht. Die Beschäftigung damit habe auch ihren eigenen Blick auf die Zutat verändert, erzählt sie nach dem Essen. Solche Erfahrungen möchte sie weitergeben: neugierig bleiben, nachfragen, die eigene Sicht gelegentlich überprüfen.

Zum Auftakt wurden sechs Gänge serviert: Auf die Tomatenessenz mit Masa-Nocken folgen die Birnen-Ceviche, gebackene Waldpilze mit Wildkräutern und Vogelbeersalsa sowie fermentierte Knollen mit Rose und Quitte. Nach dem Kürbisspieß endet das Premierenmenü mit Amazakesorbet, pochierten Pflaumen und Shiso. Wie wir im Gespräch erfahren haben, entstand auch diese Dessertkombination eigens für die Zusammenarbeit.

Bei uns steht dazu ein Holunder Oxy im Glas. Auch bei den Getränken macht die Karte neugierig: Malve, Verjus oder Feigenblatt tauchen dort auf. Zum Menü lässt sich neben einer Weinbegleitung auch eine alkoholfreie Begleitung bestellen.

Amazake-Sorbet mit pochierten Pflaumen und Shiso im Restaurant Malva in München.
Zum Abschluss: Amazake-Sorbet mit pochierten Pflaumen und Shiso – auch diese Kombination entstand eigens für die Zusammenarbeit von Malva und Antje de Vries.

Ein politischer Oktober, der am Tisch beginnt

„Kochen ist Politik“ lautet der Leitgedanke hinter dem Aktionsmonat. Für das Malva beginnt das bei alltäglichen Entscheidungen: beim Einkauf, beim Umgang mit Mitarbeitenden und bei der Frage, welche Rolle ein Restaurant als Ort der Begegnung spielen kann.

Küche ohne Grenzen e. V. wurde 2022 in Deutschland gegründet und arbeitet eng mit der Schweizer Organisation Cuisine sans Frontières zusammen. Jörg Linke, Münchner Weinhändler und Vorstandsmitglied des Vereins, hat die Verbindung zum Malva mit aufgebaut und begleitet die Kooperation mit passenden Weinen. Nach Angaben des Vereins ist es seine erste intensive Zusammenarbeit dieser Art mit einem Restaurant.

Antje de Vries beschreibt die Küche als einen sicheren Ort. Dort wird zusammen gearbeitet, jemand wird versorgt, Essen wird geteilt. Dabei entstehen Gespräche, die anderswo vielleicht gar nicht zustande kämen.

Hier geht es für sie auch ums Zuhören und Lernen. Sie möchte sichtbar machen, von wem ihre Inspirationen stammen und wie diese Menschen von der Zusammenarbeit profitieren können.

Im Oktober können Gäste im Malva daran teilhaben. Beim Menü, beim Empanada-Workshop oder beim gemeinsamen Zubereiten von Fufu mit Robert und Joël Ahiagba. Wer das Restaurant bisher nicht kennt, hat damit gleich mehrere Anlässe, in der Steinstraße vorbeizuschauen.

Politischer Oktober im Malva: Menü und Termine

Das Oktober-Menü umfasst vier Gänge und kostet 79 Euro, davon zehn Euro als direkte Spende. Weinbegleitung oder alkoholfreie Begleitung: jeweils vier Gläser à 0,1 Liter für 45 Euro, inklusive fünf Euro Spende.

24. Oktober – Empanada-Workshop: Antje de Vries stellt das Projekt in Kolumbien vor. Gemeinsam werden Empanadas zubereitet und gegessen. 15 bis 19 Uhr im Malva. Solidarische Preise: 22, 44 oder 66 Euro, je nach finanzieller Möglichkeit.

25. Oktober – Sozialcafé Mama Rosi: Das Malva beteiligt sich am Sonntagsbrunch von Küche ohne Grenzen e. V. und der Familie Senkaya. 10 bis 13 Uhr im Café Regenbogen der Münchner Aids-Hilfe, Lindwurmstraße 71. Ohne Reservierung; jeder gibt nach seinen Möglichkeiten.

28. Oktober – Winzerabend mit Foradori: Emilio Zierock-Foradori stellt vier Weine aus dem Trentino vor. Dazu serviert die Malva-Küche drei Gänge italienischer Landküche. Mit Jörg Linke wird über Wein zwischen Kulturgut, Gesundheitsbewusstsein und Luxus diskutiert. Weinprobe und Menü: 98 Euro, davon zehn Euro als direkte Spende.

31. Oktober – Fufu und das Togo-Projekt: Robert und Joël Ahiagba sind im Malva zu Gast. Gemeinsam mit dem Team bereiten sie Fufu zu und stellen das Safe-House-Projekt des Vereins in Togo vor. Laut Veranstaltungsankündigung von 15 bis 19 Uhr. Solidarische Preise: 22, 44 oder 66 Euro.

Restaurant Malva: Steinstraße 42, 81667 München. Reservierung und Veranstaltungsinformationen: Telefon +49 89 94428279, malvamuenchen.de.

Küche ohne Grenzen e. V.: www.kuecheohnegrenzen.org

Transparenz: Wir waren zum Auftakt am 5. Oktober 2026 eingeladen.

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