Wer sein Heim renoviert, hört schnell den Rat, möglichst viel zu erneuern. Doch was, wenn gerade die vorhandenen Böden, Fliesen oder Möbel einem Zuhause seinen Charakter geben? Sahar Essmann hat diese Erfahrung bei ihrem eigenen Haus gemacht – und wurde wenig später CEO von Sophia Lauton 360° Crafted. Anlässlich der Eröffnung im Münchner Ludwigpalais sprachen wir mit ihr darüber, was Räume persönlich macht, worauf es bei der Materialwahl ankommt und welche Entscheidung man beim Renovieren besser nicht aufschieben sollte.

Warum bei einer Sanierung nicht alles neu sein muss
Als Sahar Essmann 2025 mit ihrer Familie von Hamburg ins Münchner Umland zog, musste das neue Heim renoviert werden. Ein Architekt hatte dafür eine klare Empfehlung: „Raus, raus, raus.“
Essmann war nicht überzeugt. Warum gut erhaltene Materialien entfernen, nur weil ein Haus ein neues Wohnkonzept bekommen soll? Durch Zufall lernte sie Sophia und Daniel Lauton kennen, beide gelernte Raumausstatter, die das Familienunternehmen in dritter Generation führen.
Als Daniel Lauton empfahl, die vorhandenen Fliesen aufzuarbeiten, statt sie zu ersetzen, wurde Essmann klar, dass Nachhaltigkeit hier nicht nur ein Schlagwort, sondern Teil der gestalterischen Haltung ist. „Daniel hat es wirklich geschafft, die Geschichte des alten Zuhauses mit der Vision für das neue zu verbinden“, erinnert sie sich.

Was sie damals als Kundin erlebte, ist heute Teil ihrer Arbeit. Sophia Lauton 360° Crafted verbindet Raumausstattung und Interior Design mit einem Netzwerk spezialisierter Handwerker. Dadurch können auch größere Veränderungen aus einer Hand geplant und umgesetzt werden – vom Boden bis zur Wandgestaltung.
Dabei muss es nicht immer die Komplettsanierung sein. Das Unternehmen spricht bewusst von einem „Facelift“: Manchmal reichen gezielte Veränderungen – ein neuer Bezug, eine andere Wandfarbe oder ein besonderer Teppich –, um einem Zuhause eine neue Wirkung zu geben.
Von der Kundin zur CEO
Dass Essmann heute selbst an der Spitze des Unternehmens steht, war nicht geplant. Anfang März 2025 wollte sie einen Arbeitsvertrag bei einem Unternehmen in Salzburg unterschreiben. Doch dann kam ein Anruf von Sophia Lauton.
Essmann entschied sich um. Sie begann zunächst im Personalbereich, lernte das Unternehmen und seine Kunden kennen und übernahm wenige Monate später die operative Führung. Was sie damals sah, bezeichnet sie heute als „Rohdiamant“.
Das handwerkliche Fundament des Familienunternehmens liegt in den Werkstätten in Markt Schwaben. Dort arbeiten mittlerweile mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der neue Showroom im Ludwigpalais soll erlebbar machen, wie Stoffe, Farben, Möbel, Böden und handwerklich gefertigte Einzelstücke zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfinden.
Ein teures Sofa macht noch kein Zuhause
Eine Begegnung mit einer Kundin ist Essmann besonders in Erinnerung geblieben. Die erfolgreiche Frau hatte ihr Zuhause mit hochwertigen Möbeln bekannter Designmarken eingerichtet. Trotzdem fühlte sie sich darin nicht wohl. Für die Kundin wirkte die Einrichtung eher wie eine Ausstellungsfläche als wie ihr persönliches Zuhause.
Essmann bringt das Problem auf den Punkt: „Es ist nicht das Kissen oder das teure Sofa, was fehlt. Es ist das Persönliche, was total übersehen wird. Ein Raum kann perfekt gestaltet sein und trotzdem wenig über die Menschen erzählen, die darin leben.“
Exklusiv München: Wie wichtig sind Wohntrends für Ihre Arbeit?
Sahar Essmann: „Gar nicht.“
Natürlich beschäftigt sie sich mit neuen Kollektionen und internationalem Design. Doch daraus soll kein Stil entstehen, der jedem Kunden gleichermaßen vorgegeben wird.
„Wir wollen unseren Kunden nicht eine bestimmte Handschrift überstülpen, sondern herausfinden: Wer bist du? Was sind deine Farben? Wo fühlst du dich wohl?“
Das gilt auch für Inspirationen von Instagram. Ein Wohnzimmer, das auf einem Foto großartig aussieht, kann zu Hause ganz anders wirken. Raumhöhe, Architektur und Tageslicht verändern Farben und Materialien. Deshalb bekommen Kunden bei Sophia Lauton beispielsweise Muster mit nach Hause, um sie morgens, abends und bei unterschiedlichem Lichteinfall zu betrachten.
Ein einfacher Tipp, der teure Fehlentscheidungen verhindern kann: Wandfarben und Stoffe nicht nur im Showroom auswählen, sondern dort prüfen, wo sie später tatsächlich eingesetzt werden.

Materialien wählen, Handwerk bewahren
Wer renoviert, entscheidet nicht nur über die Optik seiner Räume. Wandfarben, Böden und Oberflächen bleiben oft viele Jahre im Haus. Deshalb gehört für Essmann auch die Wohngesundheit zur Planung: Welche Materialien werden verarbeitet? Welche Eigenschaften haben sie? Wie langlebig sind sie? Bei Sophia Lauton kommen beispielsweise auch Lehmfarben zum Einsatz.
Langlebigkeit beginnt allerdings nicht erst beim Kauf eines neuen Produkts. In den Werkstätten in Markt Schwaben werden auch alte Polstermöbel aufgearbeitet. Traditionelle Techniken sollen dokumentiert und an die nächste Generation weitergegeben werden. „Wir leben vom Handwerk“, sagt Essmann.
Ein alter Sessel mit neuem Bezug kann einem Raum mehr Persönlichkeit geben als ein weiteres Möbelstück aus einer aktuellen Kollektion. Und manchmal ist das Weiterverwenden auch die gestalterisch interessantere Entscheidung.
Exklusiv München: Was sollte man beim Renovieren keinesfalls auf später verschieben?
Für Essmann ist das der Boden. Ein Sofa lässt sich austauschen, ein Teppich entfernen. Einen Boden zu erneuern, wenn ein Haus bereits vollständig eingerichtet ist, bedeutet dagegen erheblichen Aufwand.
Hinzu kommt: Der Boden prägt die Wirkung aller Räume, die er miteinander verbindet. Gerade bei Holz lohnt es sich deshalb, auf Verarbeitung und Langlebigkeit zu achten. „Ein Holzboden sollte so gut verarbeitet sein, dass er so lange bleiben kann, wie der Rohstoff gebraucht hat, um zu wachsen.“
Münchens neue Interior-Adresse im Ludwigpalais
Am 27. Oktober eröffnet Sophia Lauton 360° Crafted im Münchner Ludwigpalais. Der neue Standort löst die bisherige Adresse am Wiener Platz ab.
Zu entdecken gibt es dort unter anderem einen besonderen Tisch von Walter Knoll, der bereits in Mailand für Aufmerksamkeit sorgte. Außerdem sind Materialien und Oberflächen zu sehen, die zeigen, wie sich traditionelle Raumausstattung mit zeitgenössischem Design verbinden lässt.
Stoffe, Farben, Holz und andere Materialien können vor Ort betrachtet und miteinander kombiniert werden – ein Unterschied zur schnellen Entscheidung anhand eines Bildschirmfotos.
Essmann möchte den Ort nicht allein als Showroom verstanden wissen. Auch Kunst und sogenannte Architekten-Tables – Arbeitsplätze und Treffpunkte für junge Architektinnen und Architekten – gehören zu ihren Plänen. Und wer einfach neugierig ist, soll auf einen Cappuccino hereinkommen können.
Vielleicht ist genau das ein guter Anfang für die nächste Veränderung zu Hause: erst einmal schauen, was schon da ist – und dann entscheiden, was wirklich fehlt.
Sophia Lauton 360° Crafted im Ludwigpalais im denkmalgerecht sanierten Lichthof, Ludwigstraße 10, 80539 München