Normalerweise funktionieren Kooperationen in der Möbelbranche nach einem strikten Muster: Eine Marke gibt ein Korsett vor, der Designer füllt es aus. Doch als der Münchner Design-Rebell KARE auf den New Yorker Pop-Art-Star Karim Rashid traf, lief alles anders. Das Ergebnis ist keine einfache Kollektion, sondern ein Beweis dafür, was passiert, wenn man Kontrolle abgibt.

Der „Matchmaker“-Moment
Es brauchte keine Agenturen und keine langwierigen Pitch-Phasen. Tatsächlich war es der klassische „Münchner Weg“: Ein gemeinsamer Freund brachte Peter Schönhofen (KARE) und Karim Rashid zusammen. Was als Handschlag begann, entwickelte sich zu einem der spannendsten Experimente der jüngeren Firmengeschichte.
Ein radikaler Vertrauensvorschuss
Rashid, bekannt für seine organischen Formen und seinen fast schon philosophischen Einsatz von Farbe („Pink is the new Black“), zeigte sich in Gesprächen überrascht von einer Sache: der Freiheit. Während andere Firmen oft versuchen, seine Exzentrik zu zähmen, gaben ihm Jürgen Reiter und Peter Schönhofen praktisch einen „kreativen Blankoscheck“.
Für Rashid war das wie er selbst sagt – „erfrischend“. Es gibt kaum Player in der konservativen Möbelbranche, die das Risiko eingehen, Designern wirklich freie Hand zu lassen. Doch genau hier trafen sich zwei Philosophien: KAREs DNA („Spaß am Wohnen“, Mut zum Bruch) und Rashids Vision einer demokratischen, organischen Designsprache. Die Zusammenarbeit mit den beiden KARE Inhabern Reiter und Schönhofen beschrieb Rashid später nicht als Arbeit, sondern als „Perfect Match“ – ein blindes Verständnis für das Endprodukt.

Mehr als nur Möbel
Was als Experiment begann, ist heute auf über 100 Produkte angewachsen. Es ist eine Kollektion, die laut ist, die fließt und die Kanten vermeidet – typisch Rashid, aber durch die KARE-Brille kuratiert.
Wer verstehen will, warum diese Kollaboration funktioniert, muss nicht in Kataloge schauen, sondern in die Drygalski Allee fahren. Im KARE Kraftwerk, dieser industriellen Kathedrale im Münchner Süden, entfalten die organischen Formen ihre volle Wucht. Es zeigt sich: Wenn man den Mut hat, Designern die Zügel schießen zu lassen, entstehen keine Kompromisse, sondern Ikonen.



