Der Oide Wiesn Bürgerball ist weit mehr als ein traditionsreicher Tanzabend – er ist ein gesellschaftlicher Seismograph dafür, wie München sein Erbe pflegt und seine Zukunft feiert. Wenn die roten Theatersessel dem Tanzparkett weichen, wenn Dirndl auf Smoking trifft und echte Schäffler den Takt angeben – dann beginnt in München die Ball- und Faschings-Saison. Bereits zum 11. Mal verwandelte sich am 23. Januar das Deutsche Theater in ein prachtvolles Parkett für Tradition und Tanz!

Der Oide Wiesn Bürgerball, längst ein fester Fixpunkt im Münchner Veranstaltungskalender, setzte auch in diesem Jahr ein glamouröses Ausrufezeichen zum Start der Ballsaison.
Tanz mit Anspruch: Die Sternpolka in Perfektion
Was diesen Ball so besonders macht? Der hohe Anspruch – nicht nur an Stil, sondern auch an Präzision. Die 32 Repräsentantenpaare des Bayerischen Trachtenverbands – so viele wie nie zuvor – kamen erst am Nachmittag zum ersten Mal zusammen, hatten nur 45 Minuten Zeit für die Choreographie und führten dann die legendäre Sternpolka auf. Ein Volkstanz, der 1972 für die Olympischen Spiele entwickelt wurde – mit Drehungen, Plattlern und tänzerischer Finesse.
Der Abend bewies eindrucksvoll, dass gelebte Tradition und Eleganz kein Widerspruch sein müssen, sondern sich zu etwas Erlesenem verbinden: einer Ballnacht, die Emotionen weckt und Werte zelebriert.
Eine Ehrung mit Herz: Karl-Heinz Knoll im Mittelpunkt

Ein Ball lebt von seinen Menschen. In diesem Fall von einem ganz besonderen: Karl-Heinz Knoll (2.n.l.), Präsident des Festring München, wurde für 25 Jahre Engagement im Dienst der Münchner Volkskultur geehrt.
Im Beisein von Thomas Linsmayer (Deutsches Theater), Helmut Pfundstein (Festring) und Max Bertl (Bayerischer Trachtenverband) wurde ihm eine handgeschnitzte Sonderanfertigung des Münchner Stadtwappens überreicht – ein Moment voller Emotion und Anerkennung.
Musikalische Vielfalt trifft Münchner Lebensgefühl
Die musikalische Begleitung kam nicht von irgendwo: Wolfgang Grünbauer und seine Oktoberfestmusikanten, Cagey Strings, Beratzhauser Musikanten und Out of Minga sorgten für ein Programm, das von Walzer bis Boarischem keine Wünsche offen ließ. Bis tief in die Nacht wurde getanzt.
Fasching in München: Dezent, aber exklusiv
Zugegeben: München wird nicht als Faschingshochburg gefeiert. Doch gerade darin liegt sein Reiz. Kein Pappnarr, kein Kamelle-Getöse – sondern eine stille Eleganz, die sich in prachtvollen Ballsälen, edlen Stoffen und kunstvoll choreografierten Nächten zeigt. Das ist zwar ein wenig anders beim Faschingsumzug oder beim Tanz der Marktweiber (Am 8. Februar 2026 bringt der 19. Faschingsumzug der Damischen Ritter ab 13:13 Uhr wieder Farbe und Humor in die Münchner Innenstadt – Start ist traditionell am Sendlinger Tor. Ein weiteres charmantes Highlight: der legendäre Tanz der Marktweiber am Faschingsdienstag, 17. Februar, auf dem Viktualienmarkt – ein Stück Münchner Lebensfreude mit Tradition.)
Fasching in München – ein kurzer Blick zurück
Obwohl München nicht als klassische Faschingshochburg gilt, reichen die Wurzeln des hiesigen Karnevals weit zurück: Bereits im 14. Jahrhundert fanden erste Umzüge und Maskenbälle statt – organisiert von Handwerkszünften und Patriziern. Im 18. Jahrhundert unter Kurfürst Karl Theodor erreichte der Fasching eine aristokratische Blüte: Komödien, Maskeraden und höfische Tanzveranstaltungen prägten das Bild.
Doch München blieb seiner Linie treu: Mehr Ballsaal als Büttenrede. Der heutige Fasching setzt auf Stil statt Spektakel – und feiert seine schönsten Momente im Takt von Walzer und Volkskultur, im Glanz historischer Häuser wie dem Deutschen Theater. Der Oide Wiesn Bürgerball ist nicht nur ein Tanz in die Saison – er ist eine Liebeserklärung an München, wie es leibt, lebt und feiert: traditionsbewusst, kultiviert, einzigartig.


