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Sterneköchinnen in München: Drei Frauen, die den Ton angeben

Deutschlands Spitzengastronomie gilt als exzellent – aber bis heute ist ihre Spitze überwiegend männlich besetzt. Während international nur ein kleiner Prozentsatz der Michelin‑geführten Küchen von Frauen geleitet wird, zeichnet sich in München ein erfreulicher Ausnahmefall ab: Gleich drei Sterneköchinnen zählen hier zur kulinarischen Avantgarde. Für eine Großstadt ist das mehr als ungewöhnlich – es ist ein Hinweis darauf, dass die Metropole nicht nur gastronomisch auf höchstem Niveau kocht, sondern auch neue Wege in Sachen Vielfalt und Perspektiven geht.

Drei Sterneköchinnen, drei Handschriften:
Münchens weibliche Spitze der Haute Cuisine

Auch Münchens Spitzengastronomie war über Jahre hinweg fest in männlicher Hand. Umso bemerkenswerter ist der Blick auf die Gegenwart: Drei herausragende Sterneköchinnen setzen heute kulinarische Maßstäbe – jede mit eigener Handschrift, starker Haltung und einem Führungsstil, der den Begriff Exzellenz neu interpretiert.

Mit gerade einmal 33 Jahren gehört Rosina Ostler bereits zu den spannendsten Persönlichkeiten der deutschen Spitzengastronomie.
Mit gerade einmal 33 Jahren gehört Rosina Ostler bereits zu den spannendsten Persönlichkeiten der deutschen Spitzengastronomie. Fotocredit: Steffen Sinzinger

Rosina Ostler – ‚Alois – Dallmayr Fine Dining‘, München-Altstadt

Seit Dezember 2023 prägt sie als Küchenchefin das „Alois – Dallmayr Fine Dining“ mit eigener Handschrift – und bestätigte bereits im darauffolgenden Jahr souverän die zwei Michelin-Sterne ihres Vorgängers, die das Haus bis heute hält.

Ihr Weg an die Spitze war alles andere als linear – und gerade deshalb bemerkenswert: Von ihren Anfängen mit dem Food-Blog „Kochherz“, über den TV-Auftritt bei „The Taste“, bis hin zu Stationen in der „Schwarzwaldstube“, dem Berliner „einsunternull“ und dem skandinavisch geprägten Drei-Sterne-Restaurant „Maaemo“ in Oslo – Ostler bringt eine seltene Mischung aus mediennaher Offenheit und klassischer Handwerksdisziplin mit.

Ihre Küche ist konzentriert, kraftvoll und eigenwillig klar. Unkonventionelle Kombinationen – wie etwa Maibock mit Weinbergpfirsich und Tahin – spiegeln ihre Lust am Aromenspiel wider, getragen von präziser Technik und einem hohen Maß an Selbstsicherheit. Für diesen mutigen Stil wurde sie vom Falstaff Restaurantguide 2025 zur „Köchin des Jahres“ gekürt – als eine der wenigen Frauen, die sich mit Leichtigkeit zwischen klassischer Präzision und kreativer Freiheit bewegen. Öffnungszeiten und Menüs im Sternerestaurant Alois direkt über die Website von Dallmayr !

Nathalie Leblond – ‚Les Deux‘, München Altstadt

Sterneköchin München
Nathalie Leblond – moderne französische Küche auch mitten im Herzen der Münchner Altstadt. Fotocredit: Konstantin Volkmer

Seit 2021 steht Nathalie Leblond an der Spitze des Gourmetrestaurants Les Deux im Münchner Schäfflerhof – und verteidigt seither souverän den Michelin-Stern des Hauses. Mit Anfang 30 gehört sie zu den jungen Protagonistinnen der Münchner Spitzengastronomie, die französische Klassik modern denken und technisch brillant umsetzen.

Ihre Kompositionen spielen mit Kontrasten: klassische Aromenbilder, getragen von französischer Technik, kombiniert mit subtilen Brüchen und überraschenden Akzenten. Was bei ihr vertraut wirkt, ist nie vorhersehbar – und genau darin liegt der Reiz. Leblond arbeitet mit feiner Aromatik, visueller Klarheit und einem ausgeprägten Gespür für Balance.

Auch ihr Führungsstil ist bemerkenswert: präzise, teamorientiert und empathisch. Für sie gilt: Sterneküche darf fordern, aber nicht distanzieren. Diese Haltung spiegelt sich nicht nur auf dem Teller, sondern im gesamten Erlebnis wider, das sie im Les Deux schafft – konzentriert, stilvoll und selbstbewusst. Mehr Informationen zum Münchner Gourmet-Restaurant und Buchung!

Werneckhof Sigi Schelling, München-Schwabing

STerneköching Siggi Schelling
2020 übernahm Sterneköchin Sigi Schelling den Werneckhof in München – ihr erstes eigenes Restaurant. Fotocredit: Steffen Sinzinger

Beim Betreten des Werneckhofs in Schwabing wird sofort deutlich, dass Sigi Schellings Küche mehr ist als reine Spitzengastronomie. Ihre Küche entzieht sich bewusst jeder Effekthascherei – reduziert, hochpräzise und kompromisslos produktfokussiert.

Ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern seit 2021, verbindet Schelling klassische französische Techniken mit einer japanisch anmutenden Klarheit. Ihre Gerichte wirken ruhig, fast meditativ – und entfalten gerade dadurch Tiefe und Intensität.

Schellings Führungsstil ist sachlich, konzentriert und von hoher Professionalität geprägt. Der Werneckhof gilt nicht ohne Grund als eine der verlässlichsten Fine-Dining-Adressen Münchens – leise, aber auf konstant hohem Niveau. Zu den Öffnungszeiten des Restaurants und den Menüs!

Alle drei Frauen beweisen: Münchens Sterneküche ist heute vielfältiger, weiblicher – und inhaltlich stärker denn je.

Pro & Contra: Warum Sterneköchinnen in Deutschland noch immer in der Unterzahl sind

PRO – Warum weibliche Sterneköchinnen besondere Akzente setzen

1. Führung mit Teamfokus
Viele Sterneköchinnen stehen für flachere Hierarchien, mehr Kommunikation und langfristige Mitarbeiterbindung. Das wirkt sich positiv auf Qualität und Konstanz aus.

2. Präzision statt Inszenierung
Sterneköchinnen setzen oft auf Produkt, Handwerk und Klarheit, weniger auf Ego und Show. Das Ergebnis: ruhige, konzentrierte Küchen mit eigener Handschrift.

3. Neue Narrative in der Spitzengastronomie
Weibliche Küchenchefinnen bringen andere Perspektiven ein – kulinarisch wie organisatorisch. Das belebt eine Szene, die lange sehr homogen war.

CONTRA -Warum Frauen es schwerer haben, an die Spitze zu kommen

1. Strukturelle Hürden
Die klassische Sternegastronomie ist geprägt von:

  • extremen Arbeitszeiten

  • hoher physischer Belastung

  • geringer Planbarkeit

Modelle, die Karriere und Familie vereinbaren, sind selten strukturell vorgesehen.

2. Männlich geprägte Netzwerke
Viele Spitzenpositionen entstehen über langjährige, informelle Netzwerke, die historisch männlich dominiert sind – ein Nachteil für Frauen beim Aufstieg.

3. Hohe Erwartungshaltung, geringe Fehlertoleranz
Sterneköchinnen stehen oft unter stärkerer Beobachtung: Fehler werden schneller zugeschrieben, Erfolge langsamer als „Normalität“ akzeptiert.

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