Tagsüber fällt der Blick aufs Meer, abends auf das eigene Zuhause. Wie unterschiedlich ein Raum dabei wirken kann, zeigt die Villa Quantum auf Mallorca. Das Münchner Unternehmen Occhio hat hier gemeinsam mit Estudio Cano Arquitectura ein Lichtkonzept umgesetzt, das Sichtbeton, Holz und große Glasflächen zusammenbringt. Was daran auch für die Planung weniger spektakulärer Häuser interessant ist.

Ein Haus mit großen Fenstern kann tagsüber von seiner Aussicht leben. Sobald es draußen dunkel wird, verändert sich die Wahrnehmung: Der Blick richtet sich stärker nach innen. Dann entscheidet die Beleuchtung mit darüber, ob ein Raum einladend wirkt, wo man sich gern aufhält und welche Materialien zur Geltung kommen.
In der Villa Quantum auf Mallorca lässt sich dieser Wechsel besonders gut beobachten. Das 2026 realisierte Haus liegt hoch über dem Meer. Seine Architektur folgt dem Gelände, große Glasflächen öffnen die Wohnräume zur Küste. Sichtbeton prägt Wände und Decken, Holz bringt eine weitere Materialität ins Haus. Architektur und Licht wurden bereits früh in der Planung zusammen gedacht.
Ein großer Raum, unterschiedliche Lichtbedürfnisse
Kochen, essen, lesen oder mit Gästen zusammensitzen: In einem offenen Wohnbereich findet vieles nebeneinander statt. Eine gleichmäßige Beleuchtung allein erzählt noch wenig darüber, wie die einzelnen Bereiche genutzt werden.
In der Villa Quantum setzt eine Pendelleuchte der Serie Coro moon einen Schwerpunkt über dem Esstisch. Eine weitere Ausführung greift die Gestaltung über der Kücheninsel auf. Die Bereiche bleiben miteinander verbunden und bekommen dennoch jeweils ihren eigenen Mittelpunkt.
Für die eigene Planung steckt darin eine hilfreiche Frage: Wo wird tatsächlich Licht gebraucht – und wofür? Die Antwort beginnt bei der Nutzung eines Raums, lange bevor eine bestimmte Leuchte ausgewählt wird.
29 Pendelleuchten verbinden die Etagen
Die auffälligste Installation des Hauses besteht aus 29 einzeln abgependelten Coro-moon-Leuchten. Sie hängen auf unterschiedlichen Höhen im offenen Luftraum und verbinden die Ebenen optisch miteinander. Die Leuchten wurden exakt in die Holzlamellen innerhalb der Betonkassetten eingebaut. Ihre Anordnung folgt damit der Architektur. Eine solche Installation lässt sich kaum nebenbei ergänzen, wenn Decken und Anschlüsse bereits fertig sind. Das Beispiel zeigt im großen Maßstab, weshalb Licht früh auf den Plan gehört: Positionen, Höhen und die Wirkung im Raum müssen zusammenpassen.
Was Beton wohnlich macht
Die Villa versteckt ihren Sichtbeton nicht. Seine Struktur bleibt an Wänden und Decken ablesbar. Licht hebt einzelne Flächen hervor, zeichnet Konturen nach und bringt zugleich die Holzoberflächen zur Geltung.
Architekt Alberto Cano beschreibt in den Projektunterlagen, wie wichtig ihm die Atmosphäre nach Sonnenuntergang war. Gemeinsam mit Occhio sollten Materialien und Architektur so inszeniert werden, dass auch ein Haus aus Sichtbeton Behaglichkeit vermittelt.
Interessant ist dabei das Zusammenspiel: Man sieht die massive Konstruktion – und zugleich die warm beleuchteten Bereiche, in denen gewohnt wird. Die Architektur behält ihren Charakter, während sich ihre Wirkung mit dem Licht verändert.

Im Schlafzimmer zählt der Rückzug
Im Schlafzimmer fällt die Beleuchtung zurückhaltender aus. Leuchten der Serie Luna sitzen innerhalb des Deckenrasters und geben ihr Licht an die Decke ab. Die Anordnung setzt sich bis in die angrenzende Ankleide fort. Tischleuchten ergänzen einzelne Lichtpunkte am Bett und neben dem Sessel.
Hier geht es um andere Bedürfnisse als am Esstisch oder in der Küche. Wer abends noch lesen möchte, braucht Licht an einer bestimmten Stelle. Wer zur Ruhe kommen will, möchte möglicherweise nur einen kleinen Teil des Raums beleuchten.
Auch Anne-Katrin Heger von ‚Heger – Die Häusermanufaktur‘ hat uns im Gespräch auf diesen Punkt aufmerksam gemacht: Lesen, Anziehen und Entspannen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Beleuchtung eines Schlafzimmers. Lichtplanung zählt für sie deshalb zu den unterschätzten Gewerken beim Bauen.
Lichtplanung: die Verbindung nach München
Die Häusermanufaktur arbeitet dafür mit Occhio zusammen. Wie Anne-Katrin Heger uns erzählte, bietet das Unternehmen am Wiener Platz in München auch Lichtplanung für Bauherren an. Der Blick auf die Villa Quantum macht verständlich, weshalb sich diese Planung nicht auf die Auswahl schöner Leuchten beschränkt. Es geht ebenso um Materialien, Blickrichtungen und die Frage, wie ein Raum im Alltag genutzt wird.
Welche Rolle diese Überlegungen beim Hauskauf spielen und wo Käufer eigene Wünsche einbringen können, erklärt Anne-Katrin Heger am Beispiel zweier neuer Häuser in Pullach:
→ Hauskauf in Pullach: Warum der Grundriss allein wenig verrät

Neu für draußen: Mito largo outdoor ab Frühjahr 2027
Auch auf der Terrasse setzt sich die Lichtgestaltung fort. Mit Mito largo outdoor kündigt Occhio für Frühjahr 2027 eine Außenvariante seiner Bogenleuchte an.
Auf den Projektbildern überspannt ihr ringförmiger Leuchtenkopf einen niedrigen Tisch neben dem Sofa. Das Licht gibt dem Sitzbereich einen eigenen Mittelpunkt – ein Gedanke, der sich vom Essplatz im Haus bis zum Wohnbereich unter freiem Himmel zieht.
Die Villa Quantum im Überblick
Realisierungsjahr: 2026
Architektur: Estudio Cano Arquitectura
Lichtgestaltung: Occhio
Leuchten: Coro moon, Coro, Luna, Mito, io und Sito
Fotos: Mark Seelen


