Ein Traditionsabend mit eigener Handschrift
Was für München der Nockherberg ist, hat am Tegernsee seine eigene, deutlich intimere Bühne: das Starkbierfest im Herzoglichen Bräustüberl. Gerade in einer Zeit, in der sich beinahe alles jederzeit konsumieren lässt, ist das Tegernseer Starkbierfest schon fast wie ein Ritual. Die Starkbierzeit markiert in Bayern bis heute einen besonderen Abschnitt der Fastenzeit. Bereits zum 15. Mal luden Peter und Caterina Hubert zahlreiche prominente Gäste an den Tegernsee. Wer das Starkbierfest selbst erleben möchte, kann Karten direkt im oder über das Bräustüberl erwerben.

Zwischen Schloss, Brauerei und gelebter Fastenzeit
Besonders spannend wird der Abend durch seinen Ort. Das Herzogliche Bräustüberl ist kein beliebiges Wirtshaus, sondern Teil eines Ensembles, das eng mit Schloss Tegernsee und der Herzoglichen Brauerei verbunden ist. Dadurch erhält das Starkbierfest eine zusätzliche Tiefe: Es ist nicht nur ein stimmungsvoller Termin, sondern auch Ausdruck einer Tradition, die am Tegernsee bis heute sichtbar gelebt wird.
Wenn Anna Herzogin in Bayern mit ihrem Mann Andreas Freiherr von Maltzan an diesem Abend zugegen sind, unterstreicht das genau diese Verbindung von Haus, Geschichte und Gastgeberkultur. Für Leser von außerhalb liegt darin ein echter Mehrwert: Man erlebt hier nicht einfach ein Fest, sondern ein Stück bayerischer Kultur, das über viele Jahre gewachsen ist und bis heute mit großer Selbstverständlichkeit fortgeführt wird.

Warum das Ritual bis heute seinen Reiz behält
Heute lässt sich fast alles jederzeit kaufen, bestellen oder konsumieren. Umso reizvoller wirken Anlässe, die noch immer an einen bestimmten Moment im Jahr gebunden sind. Starkbier ist daher längst mehr als ein Produkt – es ist Teil eines Rituals, das nur in einem bestimmten kulturellen Zusammenhang seine volle Wirkung entfaltet.
Im Herzoglichen Bräustüberl zeigt sich das besonders schön. Hier wird Tradition nicht folkloristisch ausgestellt, sondern glaubwürdig gelebt. Fastenzeit, Wirtshauskultur, prominente Gäste und regionale Verankerung fügen sich zu einem Abend, der weit mehr ist als ein gesellschaftlicher Pflichttermin.
Zur Fastenpredigt
Nach dem Hauptgang – Tegernseer Saibling oder Schweinebraten mit Knödel und Krautsalat – kam dann die langersehnte Fastenpredigt, in diesem Jahr inklusive kurzem 1-Mann-Singspiel. Zwei Stunden dauerte die Rede, denn es gab wieder viel zu erzählen. Rund drei Monate lang hatte Fastenprediger Nico Schifferer an seiner Rede getüftelt. Keine leichte Aufgabe: „Und in diesem Jahr war es besonders zaach, da das Weltgeschehen so unlustig ist.“
Er selbst bezeichnete die Fastenpredigt als „verbalen Faschingszug“. Seine Mission dabei: „Der Fastenprediger bringt die Themen der Straße ins Wirtshaus. Und die diesjährigen Themen waren unter anderem die Kommunalwahl und auch das Dauerthema Schwimmbad, das immer noch nicht realisiert wurde. „Die Schmalgeldbeuteltouristen und Einheimischen sollen ausgerottet werden“, meinte er. Immerhin haben betuchte Wahl-Tegernseer ihr eigenes Schwimmbad daheim 🙂
Text: Andrea Vodermayer/ExklusivMünchen


