Ein Duft kann an eine Landschaft erinnern, einen Abend begleiten oder ein Gefühl von Zuhause vermitteln. Der Münchner Start-up-Gründer Sebastian Burgmeier entwickelt für seine Marke Cygnus Atratus Duftkerzen gemeinsam mit zwei Parfümeuren aus Frankreich. Wir trafen ihn im Münchner Kammer Concept Store und sprachen über seine Leidenschaft, das Handwerk hinter den Kompositionen und die Frage, welcher Duft zu welchem Moment passt.

Wer Freunde zum Dinner einlädt, macht sich Gedanken über das Essen, den Wein und vielleicht die Musik. Wie der Raum riechen soll, steht vermutlich seltener auf der Liste. Der Münchner Sebastian Burgmeier beschäftigte sich genau mit dieser Frage. Für ihn gehört der Duft zur Stimmung eines Moments – ähnlich wie ein Parfüm, das man je nach Anlass auswählt.
Zum Start der Marke in diesem Sommer entstanden die ersten drei Duftkompositionen. Die Vorstellungen dafür brachte er selbst mit: einen klaren Duft, einen warmen, schweren und einen frischen, sommerlichen. Die Parfümeure Caroline Casagrande und Rémi Barbier aus dem französischen Grasse übersetzten seine Ideen in Duftkompositionen. Ihre Namen stehen auch auf den Kerzen.
Die Kunst, einem Moment einen Duft zu geben
„Alpes du Sud“ verbindet Pinienholz und Rosmarin. Burgmeier beschreibt ihn als „alpine Klarheit“. Für Menschen, die sich den Bergen verbunden fühlen, liegt darin auch die Idee eines kleinen Stücks Heimat im Raum. Ein Duft fürs Dinner – und für ihn ebenso einer zum Arbeiten. Der Ausflug in die Alpen muss dann eben bis zum Wochenende warten.
Für einen Abend zu zweit empfiehlt er „Lumière et Ombre“: Tabak und Honig, dazu die im Interview erwähnte Rumnote. Ein warmer, schwerer Duft, den er sich zu einem Glas Rotwein an einem dunkler werdenden Herbstabend vorstellt. Ob das Date gelingt, hängt selbstverständlich noch von ein paar anderen Zutaten ab.
„Taormina“ mit Zitrone und Verbene steht für seine Vorstellung eines frischen Sommerdufts. Ein wenig Mittelmeer für die eigenen vier Wände, auch wenn das Wetter vor dem Fenster gerade andere Pläne hat.
Burgmeier versteht diese Zuordnungen als persönliche Empfehlungen. Welche Erinnerungen ein Duft weckt und wann man ihn angenehm findet, lässt sich kaum verallgemeinern. Deshalb empfiehlt er, die Kerzen selbst zu riechen. Eine Möglichkeit dafür bietet der Kammer Concept Store, wo wir ihn zum Gespräch trafen.
Die Menschen hinter den Düften
Caroline Casagrande komponierte „Alpes du Sud“ und „Lumière et Ombre“, Rémi Barbier entwickelte „Taormina“. Beide wurden an der Parfümschule ISIPCA in Versailles ausgebildet. Casagrande wuchs in Grasse auf und arbeitet heute bei Only Fragrances in Südfrankreich. Barbier kam über ein Chemiestudium zur Parfümerie und lernte bei Jean-Claude Ellena.
Burgmeier bezeichnet Parfümeure als „olfaktorische Künstler“. Ihre Namen auf seinen Kerzen zu nennen, ist für ihn eine Form, ihre Arbeit wertzuschätzen und sichtbar zu machen. Hinter den drei Duftkompositionen stehen Menschen, die Rohstoffe auswählen, miteinander verbinden und aufeinander abstimmen.
Für den Jungunternehmer zählt dabei vor allem das richtige Maß: Der Duft soll im Raum wahrnehmbar sein, ohne ihn zu beherrschen. Und auch bei längerem Brennen angenehm bleiben. Im Interview erzählt er, dass ihn bei manchen Duftkerzen eine zunehmend seifige Note störe.
Seine eigenen Kompositionen beschreibt er mit Kopf-, Herz- und Basisnoten, wie man sie aus der Parfümerie kennt. Ihn interessiert, wie sich ein Duft entwickelt und welche Nuancen nach und nach hervortreten. Genau dort wird seine Begeisterung im Gespräch greifbar: bei den Details, die man einem mattschwarzen Kerzenglas zunächst nicht ansieht.
Eine Kerze als Ruheanker
Dass er heute Duftkerzen verkauft, war nicht sein ursprünglicher Geschäftsplan. Der BWL-Absolvent der LMU arbeitet für ein US-Technologieunternehmen und wollte zunächst einen KI-Copiloten für den Vertrieb entwickeln.
Der Gründungsversuch scheiterte nach seiner Schilderung an unterschiedlicher Risikobereitschaft. Die intensive Arbeit neben seinem anspruchsvollen Job hatte ihn erschöpft. Hinzu kam der Frust darüber, dass sich manches anders entwickelt hatte als erhofft. In dieser Phase brachten seine Eltern ihm aus einem Wellnessurlaub eine Duftkerze mit. Sie wurde für ihn zu einem „Ruheanker“.
Seine Leidenschaft für Düfte war schon länger da. Nun wollte er selbst eine Kerze entwickeln. Er schrieb Hersteller an, ließ sich Muster schicken und suchte nach Partnern in Europa. Aus der persönlichen Begeisterung wurde nach und nach ein eigenes Unternehmen.
Der Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen
Seit seinem 14. Lebensjahr wollte Burgmeier Unternehmer werden. Ihn reizte die Möglichkeit, neue Dinge zu schaffen und selbst zu gestalten. Es gab mehrere Anläufe, bevor aus diesem Wunsch Cygnus Atratus wurde.
Für den Aufbau der Marke verkaufte Burgmeier nach eigenen Angaben sämtliche Einzelaktien, die er besaß. Bis auf einen kleinen Notpuffer setzte er sein verfügbares Kapital ein. Für den Aufbau der Marke verkaufte Burgmeier sämtliche Einzelaktien, die er besaß. Bis auf einen kleinen Notpuffer setzte er sein verfügbares Kapital ein.
Seinen Vollzeitjob behält er. Das gebe ihm die Freiheit, Partner sorgfältig auszuwählen und langfristig zu denken. An seiner eigenen Marke arbeitet er nebenher – auch dann, wenn der eigentliche Arbeitstag längst vorbei ist.
Sein Anspruch ist hoch, aber im Gespräch räumt er selbst ein: „Das perfekte Produkt gibt es nicht.“ Danach streben könne man trotzdem.
Was steckt hinter einer Cygnus-Atratus-Kerze?
Mit den Inhaltsstoffen hat sich Burgmeier auch aus persönlichen Gründen intensiv beschäftigt: Er hat selbst Asthma und Neurodermitis. Im Gespräch betont er, dass „natürlich“ für ihn nicht automatisch besser verträglich bedeutet. Entscheidend sei die Auswahl der einzelnen Duftstoffe. Für seine Kerzen wählte er eine Wachsmischung ohne Paraffin und Palmöl.
Die Kerzen werden in Grasse gegossen und die Dochte von Hand gesetzt. Das Wachs besteht aus Kokos-, Soja- und Bienenwachs, der Duftanteil liegt bei zehn Prozent. Das mattschwarze Glas stammt vom französischen Hersteller ARC.
Burgmeier begründet den Preis vor allem mit der Entwicklung der Duftkompositionen. Einen Duft so abzustimmen, dass er auch bei längerem Brennen angenehm wahrnehmbar bleibt, ohne den Raum zu dominieren, sei anspruchsvoll.
Die erste Edition umfasst 999 Kerzen, jeweils 333 pro Duft.

Ein schwarzer Schwan und eine zufällige Begegnung
Die Inspiration für den Markennamen fand Burgmeier in Nassim Nicholas Talebs Buch „The Black Swan“. Cygnus atratus ist der wissenschaftliche Name des schwarzen Schwans. Burgmeier reizt daran die Idee des Unerwarteten: etwas, das überrascht und in Erinnerung bleibt. Diesen Gedanken möchte er auf seine Düfte übertragen.
Die Zusammenarbeit mit dem Kammer Concept Store begann ebenfalls ohne ausgefeilten Plan. Burgmeier sah sich mit seiner Freundin verschiedene Geschäfte an, um herauszufinden, wo seine Kerzen passen könnten. Im Kammer kamen sie mit Ina ins Gespräch. Sie nahm die Kerzen zum Ausprobieren mit nach Hause – die Düfte überzeugten sie, daraus entstand die Zusammenarbeit.
Weitere Kompositionen kann sich Burgmeier bereits vorstellen. Im Interview spricht er davon, künftig noch außergewöhnlichere Duftnoten auszuprobieren. Vorerst sind es drei Vorschläge dafür, wie ein Moment riechen könnte: nach alpiner Klarheit, nach einem warmen Herbstabend oder nach Sommer am Mittelmeer. Welche Geschichte daraus wird, bringen die Menschen mit, die die Kerze anzünden.
Kleine Kerzenklinik: Damit der Duft lange Freude macht
Beim ersten Anzünden Zeit mitbringen. Die Kerze möglichst so lange brennen lassen, bis die Wachsoberfläche gleichmäßig bis zum Rand geschmolzen ist. Das hilft, einen tiefen Wachstunnel um den Docht zu vermeiden. Dabei die maximale Brenndauer des Herstellers einhalten – sie hat Vorrang.
Den Docht regelmäßig kürzen. Vor dem erneuten Anzünden den vollständig abgekühlten Docht nach Herstellerangabe zurückschneiden und lose Dochtreste entfernen. Ein zu langer Docht kann eine große, unruhige Flamme und Ruß begünstigen.
Einen ruhigen Platz wählen. Die Kerze auf eine hitzebeständige Fläche stellen, Abstand zu brennbaren Gegenständen halten und vor Zugluft schützen. Brennende Kerzen stets im Blick behalten.
Die drei Düfte auf einen Blick
- Alpes du Sud: Pinienholz und Rosmarin. Komponiert von Caroline Casagrande.
- Lumière et Ombre: Tabak und Honig, zusätzlich eine Rumnote. Komponiert von Caroline Casagrande.
- Taormina: Zitrone und Verbene. Komponiert von Rémi Barbier.
Preis und Bezug: Jeweils 75 Euro für 180 Gramm. Erhältlich im Münchner Kammer Concept Store und online unter cygnusatratus.com.