Mit 58 wagte Gina Drewalowski einen beruflichen Neustart, an ihrem 60. Geburtstag lief sie in Paris über den Catwalk. Nun zeichnete Michaela Aschberger sie mit dem Belladonna Award in München aus. Ihre Geschichte erzählt auch davon, was möglich wird, wenn eine Familie einander neue Wege zutraut.

Die persönlichsten Worte des Abends kamen von Helena Drewalowski. Im Münchner Bankhaus Donner & Reuschel hielt sie die Laudatio auf ihre Mutter, die den Preis laut Veranstaltungsbericht unter Tränen entgegennahm. Helena kennt Ginas Weg aus nächster Nähe: Als ihre Managerin gestaltet sie ihn mit.
Heute ist Gina 61, nach Angaben der Veranstalter folgen ihr mehr als 1,1 Millionen Menschen auf Instagram. Seit ihrem Start als Content Creatorin hat sich auch beruflich innerhalb der Familie einiges verändert. Während Helena das Management übernimmt, bringt Ehemann Wolfgang seine Erfahrung als früherer Brax-Chef ein. Gina, die lange selbst im Marketing tätig war, steht inzwischen vor der Kamera. Zu den Höhepunkten ihrer neuen Karriere gehört die L’Oréal-Show in Paris, bei der sie an ihrem 60. Geburtstag über den Laufsteg ging.
Michaela Aschberger macht Frauen sichtbar
Solche Lebenswege bekommen durch Michaela Aschberger eine Bühne. Mit ihrem 2018 gegründeten Frauennetzwerk Belladonna bringt sie Frauen zusammen, fördert den Austausch und unterstützt Unternehmerinnen beim Aufbau ihres Geschäfts.
Der Award schafft dafür einen öffentlichen Anlass. Nach Uschi Glas, Jutta Speidel, Annette Weber und Tijen Onaran ehrte Aschberger am 21. Oktober 2026 Gina Drewalowski. Sie würdigte deren Mut zur Neuerfindung und die Sichtbarkeit, die sie sich als Frau jenseits der 50 erarbeitet hat.
Besonders gefalle ihr auch die Zusammenarbeit zwischen Gina und ihrer Tochter, erklärte Aschberger. Dass Helena das Management ihrer Mutter übernimmt, kehrt eine vertraute Konstellation um: Hier begleitet die jüngere Generation die neue Karriere der älteren.

Neu anfangen heißt nicht, bei null anzufangen
Gina Drewalowski brachte jahrzehntelange Erfahrung aus Marketing und Mode mit, als sie sich selbst vor die Kamera stellte. Markenkommunikation war ihr vertraut. Neu war, mit der eigenen Persönlichkeit im Mittelpunkt zu stehen.
Dieser Hintergrund gehört zu ihrer Erfolgsgeschichte. Ihr Neustart verbindet vorhandenes Wissen mit einer neuen Aufgabe. Hinzu kommen Menschen, die Fähigkeiten beisteuern, Verantwortung übernehmen und ihr die Freiheit geben, sich auf ihren öffentlichen Auftritt zu konzentrieren.
Im Gespräch mit Michaela Aschberger erinnerte Gina daran, wie leicht sie mit 58 Gründe hätte finden können, den Schritt bleiben zu lassen. Ihr Rat an andere Frauen: „Fangen Sie klein an, aber fangen Sie an.“ Und: Menschen suchen, die an einen glauben.
Früher war er ihr Chef – heute unterstützt er ihr Geschäft
Zu diesen Menschen gehört ihr Ehemann Wolfgang Drewalowski. Er arbeitete 50 Jahre bei Brax, davon 35 als Geschäftsführer, und verließ das Modeunternehmen Ende 2015. Seine Laufbahn hatte dort bereits mit der kaufmännischen Ausbildung begonnen.
Gina war bei Brax im Marketing tätig. Heute unterstützt Wolfgang ihr Geschäft bei organisatorischen und kaufmännischen Aufgaben, wie BILD berichtet. Damit haben sich auch ihre beruflichen Rollen verändert: Nun steht Ginas Karriere im Mittelpunkt.
Tochter Helena beschreibt diese Zusammenarbeit ebenfalls öffentlich. In einem LinkedIn-Beitrag hebt sie hervor, dass ihr Vater Wolfgang seine Erfahrung und seinen geschäftlichen Instinkt in das Familienunternehmen einbringt.
So bekommt Ginas Geschichte eine weitere Dimension: Ihr Neuanfang eröffnet auch ihrem Mann eine neue Aufgabe. Erfahrung aus einem etablierten Modeunternehmen fließt in ein Geschäft ein, dessen Öffentlichkeit heute vor allem auf dem Smartphone stattfindet.
Wenn die Tochter die Verhandlungen übernimmt
Helena verantwortet das Management ihrer Mutter. Gina schätzt ihr Gespür für Marken, Menschen und Möglichkeiten – und ihre Konsequenz.
„Bei Management und Verhandlungen ist Helena der Boss, und da vertraue ich ihr hundertprozentig“, erzählte sie beim Belladonna Award.
Dass beide immer einer Meinung wären, behauptet sie nicht. Sie hätten ihren eigenen Kopf, diskutierten und entschieden gemeinsam über die Richtung. Manchmal komme dabei auch „die Mama“ durch, räumte Gina ein.
Gerade darin liegt eine Herausforderung dieser Zusammenarbeit: Die persönliche Nähe bleibt, während beruflich klare Zuständigkeiten nötig sind. Die Mutter muss Entscheidungen abgeben können. Die Tochter muss ihre Position vertreten, auch wenn sie von der ihrer Mutter abweicht.
Selbstvertrauen, das weitergegeben wird
Bei der Annahme des Preises dachte Gina auch an ihre eigenen Eltern. Ihnen widmete sie die Auszeichnung. Ihr Vater sei bereits verstorben; ihrer Mutter verdanke sie viel von ihrem Selbstvertrauen.
Sie habe ihr früh Freiraum gegeben und an sie geglaubt. Selbst als Gina zu einer sechsmonatigen Weltreise aufbrach und ihre Mutter währenddessen nichts von ihr hörte, sei dieses Vertrauen geblieben.
Dass nun ihre eigene Tochter die Laudatio hielt, gab dem Abend eine besondere Nähe. Die Erinnerung an die Unterstützung ihrer Mutter traf auf den Rückhalt, den Helena ihr heute gibt.
Was ein Netzwerk bewirken kann
Durch den Abend führte Alexandra Polzin. Zu den Gästen bei Donner & Reuschel gehörten unter anderem Moderatorin Karen Webb, Franziska Reichert (Donisl, Bräurosl) und Marianne Wille (Dallmayr).
Webb freute sich über die Sichtbarkeit von Frauen über 60. Kiefer betonte den Wert von Kontakten und gegenseitiger Unterstützung. Reichert erzählte, dass die Geschichten der Preisträgerinnen sie für ihren eigenen Weg bestärken.
Michaela Aschberger zeichnet mit Belladonna Frauen aus, deren Wege anderen etwas zutrauen lassen. Bei Gina Drewalowski gehört dazu auch, wie viel Rückhalt hinter einem persönlichen Neuanfang stehen kann: eine Mutter, die früh Vertrauen schenkte, ein Mann, der seine Erfahrung einbringt, und eine Tochter, die heute Verantwortung übernimmt.


