Freitag , Dezember 2 2022
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Frauenpower bei Bits & Pretzels: Saina Bayatpour lud in den Famtain Member Club

Derzeit findet das große Gründer-Festival der Startup-Szene an der Isar statt. Am Montag, dem zweiten von drei Veranstaltungstagen, war der Vormittag fest in Frauenhand. Unter dem Motto „Leading Ladies Talk“ hatte Unternehmerin und Netzwerk-Expertin Saina Bayatpour erstmals zu einem Frühstück in den neuen „Famtain Member Club“ am Münchner Lenbachplatz geladen. Ein sportlicher Wind wehte durch die Veranstaltung, denn sie konnte als Star- und Talkgäste die Top-Fitness-Influencerin Sophia Thiel und Jasmina Covic, die erste deutsche Spielerberaterin für weibliche Profi-Fußballerinnen, begrüßen. Bei einer Sache waren sich die ‚Early Bird-Talkerinnen‘: ‚Frauen verkaufen sich immer unter Wert!‘

Bits & Pretzels Ladies Talk im neuen Club am Lenbachplatz
v.l.n.r.: Saina Bayatpour (Sheciety) mit Sophia Thiel (Influencerin) und Jasmina Covic. Fotocredit: Süleyman Siki

Leading Ladies Talk

Sophia Thiel widmete sich bei ihrem Vortrag dem Thema „Höhen, Tiefen, Widersprüche“ – und bekam viel Applaus von den Gästen.

„Ich war fünf Jahre lang sehr aktiv im Fitness-Influencer-Bereich – und das waren fünf Jahre „Full Speed“ – habe mir dann aber eine fast zweijährige Auszeit genommen. Ich bin heute hier, um nicht nur über Stärken, sondern auch über Schwächen zu sprechen, denn diese sieht man meistens nicht in der Glitzerwelt von Social Media.“

Sie beschrieb ihre Reise als eine „Zugfahrt“: „Ich war damals eine 19-jährige Rosenheimerin und wusste überhaupt nicht, wo die Reise hingeht. Im Jahr 2012/2013 hatte ich das Bodybuilding für mich entdeckt, da ich immer mit meinem Körper und mit meinem Essverhalten zu kämpfen hatte. Ich nahm in kürzester Zeit 30 Kilo ab. Der Zug nahm also Fahrt auf und aus dem Moppelchen wurde ein Muskelpaket. 2019 kam der Zug aber dann zum Stehen. Ich hatte einen Burn-Out und habe mir gesagt: ‚Schluss, ich bin jetzt offline‘. Und das war die beste Entscheidung ever, denn ich habe in dieser Zeit viel über mich gelernt. Das Six Pack hat mich nicht glücklich gemacht.‘

Die Schattenseiten vom Influencer-Leben

‚In meiner Zeit „offline“ habe ich sehr viel gelernt, u.a. auch mal das Handy auszuschalten, wenn ich mit meiner Familie oder mit Freunden zusammen bin. Seit 2020/21 verfolge ich einen neuen Ansatz und widme mich Themen wie mentaler Gesundheit, Depressionen und Essstörungen. Und ich verfalle heute auch nicht in Panik, wenn ich einmal keine Story poste. Ich habe mittlerweile gelernt, wie ich diesen Zug steuern kann – aber trotzdem wird es immer noch zu Verspätungen kommen“, fügte sie schmunzelnd hinzu. Sie ist kürzlich mit ihrem Freund Raphael von München nach Berlin gezogen. Für die „Bits & Pretzels“ und für das Oktoberfest kam sie zurück nach München‘, erzählt Sophia Thiel.

‚Frauen verkaufen sich viel zu oft unter Wert!‘

„Der „Leading Ladies Talk“ soll spannende Frauen und ihre vielen Facetten zeigen“, so Gastgeberin und Initiatorin Saina Bayatpour, welche die Gäste begrüßte. „Und das ist heute der perfekte Auftakt. Sophia und Jasmina sind beides echte Powerfrauen, beide haben Höhen und Tiefen erlebt und beide bewegen sich in einem Feld, in dem bisher überwiegend die Männer das Sagen haben, insbesondere Jasmin. Die beiden werden auch  in meinem Podcast „Identitäten“, der ab Oktober bei dem Frauenradiosender „Femotion“ laufen wird, mit dabei sein.“

Saina Bayatpour ist Gründerin der „Sheciety“ – einem Female Social Club von Frauen für Frauen: „Wir wollen Frauen Mut machen und Inspirationen für ihren eigenen Berufsweg geben. Wir brauchen mehr starke weibliche Vorbilder, deshalb bringen wir heute Frauen aus verschiedenen Branchen zusammen.“

Saina Bayatpour
Saina Bayatpour zwischen Lenbachhaus und International Congress Center Messe München. Derzeit sind rund 10.000 Frauen Teil des SHECIETY Netzwerks, aktuell nutzen circa 1.000 Frauen die App. 

Ein solches Vorbild ist auch Jasmina Covic. Sie ist gebürtige Kroatin, wuchs aber in der Nähe von Kaiserslautern auf. Früher spielte die heute 29-Jährige selbst Fußball in der Verbandsliga. Heute ist sie Inhaberin der „Women’s Football Agency“, einer der weltweit führenden Beratungsagenturen im Frauenfußball, und betreut mit ihrem Team Spielerinnen und Trainerinnen wie Nadine AngererLuana Bühler und Sandrine Mauron. Dabei fing sie ohne Vitamin B und Kontakte in einer Männerdomäne an, sich langsam Businesskontakte aufzubauen. Irgendwann kam die erste Anfrage, ob sie eine kanadische Spielerin betreuen könnte.

Warum verdienen Frauen nach wie vor weniger als ihre männlichen Kollegen?

Sie diskutierte dann auch mit den Damen im Saal die Problematik, weshalb Frauen im Fußball so viel weniger verdienen als die Männer. „Viele der Frauen im Fußball verdienen 450 Euro im Monat, und dass bei einer 50 bis 60 Stunden-Woche! Das kann doch nicht sein. Ich würde Frauen und Männern gleich viel bezahlen. Und den Rest der Sponsorengelder in den Amateurfußball und in den Nachwuchs stecken.“ Ähnlich sieht es im Amateurgolf aus. Auch hier sind Frauen auf Sponsoren angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Zum Schluss diskutierten die Damen dann noch die Frage, warum bisher keine Frauen bei der Formel 1 mitfahren dürfen. „Ich kenne mich in diesem Bereich nicht so gut aus, aber wenn man da irgendwie hineingrätschen kann, wäre ich natürlich dabei“, meinte Sophia Thiel lachend. Von einer Frauenquote würde Jasmina Covic allerdings absehen: „Es ist immer schwierig, die Dinge zu erzwingen. Wir Frauen müssen uns selbst bemühen.“

Sheciety, um Frauen zu unterstützen

„Es geht ums empowern. Wir Frauen müssen auf alle Fälle selbstbewusster werden“, so Saina Bayatpour. Sie ist ebenfalls eine echte Powerfrau und steht selbst ihren Mann. Noch während ihres Studiums gründete sie ihre Event- und Marketing-Agentur „Preferred World“. Im Jahr 2013 initiierte sie die „Business Women’s Society“ – eine exklusive Plattform für Frauen, die sie kürzlich in „Sheciety“ umwandelte und eine eigene App launchte:  „Schon seit vielen Jahren setzte ich mich aktiv dafür ein, dass sich Frauen gegenseitig die Hand reichen, zu sich selbst finden und Seite an Seite wachsen können.“

Ex-Kickboxerin Marie Lang. Fotocredit: Süleyman Siki
Ex-Kickboxerin Marie Lang. Fotocredit: Süleyman Siki

Sie appellierte dann an die Frauen, sich gegenseitig mehr zu unterstützen. „Ich habe früher beim Fernsehen gearbeitet und da stand mir nie ein Mann im Weg, sondern höchstens eine zickige Frau. Nur wenn man selbst zufrieden ist, kann man anderen auch die Hand reichen.“ Sie wechselte dann das Outfit, vom Kleid zum gelben Dirndl: „Ich bin eine der Moderatorinnen auf der Bits & Pretzels und muss gleich dort auf die Bühne.“

Leading Ladies Talk Gäste

Außerdem dabei: Jennifer Pötzsch (eine der Betreiberinnen des neuen „Famtain Member Club Munich“, der im ehemaligen „Hearthouse“ beheimatet ist. Netzwerkerin Christiane Wolff, Schauspielerin und Sängerin Franziska Zawila. Künstlerin Ilse Mittermeier, u.v.m.

Text: Andrea Vodermayr

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