Montag , August 26 2019
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Erstes Münchner Werksviertel-Mitte Gespräch zu gesellschaftlich relevanten Themen

Ganz Bayern bewegt in diesen Tagen das Volksbegehren Artenvielfalt, in dem es um ein neues nachhaltiges Miteinander von Landwirtschaft und Natur geht. Mit diesem aktuellen Thema beschäftigte sich auch das erste Werksgespräch im Werksviertel-Mitte. Fazit: Die Natur kann man nicht einfach nur mit einer Unterschrift im Rathaus retten!

Werksviertel-Mitte Werksgespräche
Erstes Werksviertel-Gespräch. Fotocredit: Rabea Ulbrich

Drei Redner, ein gesellschaftlich relevantes Thema, jeweils zehn Minuten Zeit, um seinen Standpunkt darzulegen. Anschließend geht es in eine moderierte Diskussion mit Fragen aus dem Publikum.

Vierteljährliche Werksgespräche

Mit diesem Format vermitteln die sogenannten „Werksgespräche“ Wissen kompakt in 60 Minuten. Den thematischen Auftakt des neuen Symposiums bildete das Volksbegehren Artenvielfalt, das in ganz Bayern mehr als eine Million Menschen mobilisiert hat. Die lange, nicht abreißen wollende Schlange vor dem Münchner Rathaus war für Tage DAS Symbol für das erfolgreiche Volksbegehren.

Doch warum kümmert man sich in einem Stadtquartier wie dem Werksviertel-Mitte überhaupt um ein solches Thema? Das erklärte Joseph Glasl den anwesenden Gästen in seinem Eingangsstatement. Glasl ist Geschäftsführer der Gesellschaft für Urbanes URKERN, die das Gespräch initiiert hatte. Glasl betonte, dass vor dem Hintergrund der weltweiten Urbanisierung Politiker und Investoren heute mehr denn je in der Pflicht stünden, nachhaltige Stadtentwicklungskonzepte zu entwickeln. Nur so könnten unsere Städte, die im Moment noch zu viel Müll produzieren und zu viel Energie verbrauchen, auch in Zukunft funktionieren.

Im Werksviertel-Mitte gibt es daher mit Nikolas Fricke einen Verantwortlichen, der sich ausschließlich um die Entwicklung innovativer urbaner Nachhaltigkeitskonzepte kümmert. Dazu gehört unter anderem die Stadtalm auf dem Dach des WERK3, in der Kinder und Jugendliche sich in praxisorientierten Workshops mit den Themen Landwirtschaft, Ernährung, Nachhaltigkeit und Gesundheit auseinandersetzen. Nikolas Fricke führte dann auch durch die spannende Expertenrunde des ersten Werksgesprächs, in der das Volksbegehren Artenvielfalt aus vollkommen verschiedenen Perspektiven betrachtet wurde.

Dafür sorgten die geladenen Experten Dr. Thassilo Franke, Mitarbeiter des Biotopia Naturkundemuseum Bayern, Landwirt Georg Huber und Christian Hierneis, Vertreter des Bundes für Naturschutz und Mitglied des Landtages für die Grünen. Franke beleuchtete in seinem Statement vor allem die Bedeutung der Artenvielfalt für die Natur aus wissenschaftlicher Sicht. Dabei erklärte er, wie wichtig Insekten für die Tier- und Pflanzenwelt sind, aber eben auch für die Landwirtschaft. Diese sieht er durch das Volksbegehren zu Unrecht an den Pranger gestellt und dort auch nicht hingehöre, wie Landwirt Huber anmerkte.

Verantwortung aller Stadtbewohner

Er machte in seinem emotionalen Debattenbeitrag eindrucksvoll klar, dass die Landwirtschaft nichts weiter als ein Spiegelbild der Gesellschaft sei. Mit zahlreichen Fallbeispielen untermauerte er, wie oft das Bemühen von Bauern um Nachhaltigkeit am Verhalten der Konsumenten scheitert. Die zwar sagen, dass sie bio essen wollen, aber in der Praxis nicht bereit sind, die Mehrkosten dafür zu bezahlen. Mit einer Unterschrift bei einem sicherlich sinnvollen Volksbegehren sei es deswegen nicht getan. Christian Hierneis verwies in seiner Rede dann auch darauf, wie wichtig es sei Themen wie Nachhaltigkeit, Naturschutz und Ernährung zum Teil des Lehrplans zu machen um künftige Generationen ökologisch zu sensibilisieren. Außerdem hob er hervor, dass es im Volksbegehren nicht nur um Veränderungen in der Landwirtschaft gehe. Auch urbane Konfliktfelder wie der Flächenfraß und die Lichtverschmutzung tragen zum Verlust der Artenvielfalt bei. Dieser Verantwortung könnten sich die Stadtbewohner nicht entziehen.

Als Nikolas Fricke das erste Werksgespräch nach 60 Minuten beendete, dürfte daher auch allen Gästen klar geworden sein, dass das Volksbegehren Artenvielfalt nur ein Anfang sein kann. Noch viele an Ideen und Konzepten sind von Nöten, um ein neues Miteinander von Stadt, Natur und Landwirtschaft zu ermöglichen. Einen Hinweis, wie solche neuen nachhaltigen urbanen Konzepte aussehen könnten, gab das Gastgeschenk, das jeder der Experten am Ende erhielt. Ein Glas des ersten im Werksviertel-Mitte geschleuderten Honigs. Die Bienen oben auf der Dachgartenalm des WERK3 waren nämlich schon ziemlich fleißig im letzten Sommer.

Das Format „Werksgespräche – Wissen kompakt in 60 Minuten“ soll weiterhin vierteljährlich zu einem aktuellen Thema im Werksviertel-Mitte stattfinden. Weitere Informationen unter www.werksviertel-mitte.de.

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