Kann ein Showroom zum Kulturort werden?
Kann Gemüse Kunst sein? Und kann ein Showroom für luxuriöse Küchengeräte zu einem Ort werden, an dem Skulptur, Kulinarik und Handwerk auf Augenhöhe zusammentreffen? Im Gaggenau Showroom München bekam genau dieser Gedanke eine bemerkenswert stimmige Form. Der Flagship-Showroom in München-Bogenhausen, von Gaggenau selbst als Inspirationsort für Kunden, Designer und Architekten beschrieben, bot dafür den passenden Rahmen.
Gerade darin lag die Qualität dieser Presseeinladung zum Lunch: Er wirkte nicht wie eine lose Abfolge aus Lunch, Ausstellung und Markenpräsenz, sondern war ein sorgfältig geführtes Gespräch über Haltung. Über den Respekt vor dem Produkt. Über die Kraft natürlicher Formen. Und über die Frage, was Handwerk heute eigentlich bedeutet, wenn Kunst, Küche und Technologie denselben Anspruch an Präzision teilen.

Ein Dialog aus Form, Geschmack und Material
Im Zentrum stand die Begegnung zwischen den künstlerischen Arbeiten von Hermann Nachbaur und den kulinarischen Überlegungen von Bobby Bräuer. Was diese beiden Perspektiven verband, war weniger das Offensichtliche als ein gemeinsamer Ausgangspunkt: das Gewachsene, das Natürliche, das Material mit eigener Sprache.
Im moderierten Gespräch wurde schnell deutlich, dass sich die Verbindung von Kunst, Kulinarik und Handwerk nicht nur als schöne Idee behauptet, sondern in den Haltungen der Beteiligten tatsächlich wiederfand. Nachbaur sprach über seine Arbeiten nicht als Ergebnis eines strengen Entwurfs, sondern als Auseinandersetzung mit dem Gewachsenen. Er verstehe sich nicht als klassischer Designer, sondern nehme natürliche Formen als Grundlage, aus denen sich Proportionen, Verschiebungen und neue Zusammenhänge entwickeln. Die Natur ist bei ihm nicht Dekor, sondern Ursprung.
Bobby Bräuer wiederum beschrieb Handwerk nicht zuerst als Frage der Zubereitung, sondern des Produkts. Wirklich gutes Gemüse zu finden, sei heute beinahe schon eine eigene Disziplin. Herkunft, Qualität und Saison seien entscheidend – gerade in einer Zeit, in der fast alles jederzeit verfügbar scheint. Genau darin lag eine der stärksten Aussagen des Mittags: Präzision beginnt nicht erst in der Ausführung, sondern bereits bei der Auswahl.

Hermann Nachbaur: Wenn das Gewachsene zur Form wird
Die Arbeiten des österreichischen Künstlers Hermann Nachbaur beschäftigen sich mit Wachstum, Veränderung und der stillen Präsenz natürlicher Formen. Im Gaggenau Showroom wird Gemüse dabei nicht ironisch und auch nicht dekorativ eingesetzt, sondern als ernstzunehmendes künstlerisches Motiv. Das Alltägliche wird aus seinem funktionalen Zusammenhang gelöst und dadurch neu sichtbar.
Gerade das macht Nachbaurs Ansatz interessant. Seine Arbeiten entstehen nicht aus einem glatten Designwillen, sondern aus genauer Beobachtung. Er arbeitet mit natürlichen, gewachsenen Materialien und vertraut auf deren innere Logik, auf Oberfläche, Volumen, Unregelmäßigkeit und Dreidimensionalität. Was in der Küche meist selbstverständlich wirkt, gewinnt hier plötzlich eine eigene Präsenz.
Darin liegt auch die Stärke dieser Ausstellung. Sie überhöht das Gewöhnliche nicht künstlich, sondern schärft den Blick für das, was ohnehin da ist: Struktur, Wachstum, Proportion und Ursprung. In einem Raum, der selbst stark über Materialität, Oberflächen und reduzierte Formensprache funktioniert, erhält dieser Zugang zusätzliche Tiefe.

Bobby Bräuer: Gemüse als Hauptdarsteller
Dass Bobby Bräuer an diesem Mittag ausgerechnet das Gemüse ins Zentrum rückte, war mehr als eine kulinarische Entscheidung. Es war eine Haltung. Im Gespräch erinnerte er daran, wie stark die Spitzengastronomie in den 1980er Jahren von französischen Vorbildern geprägt war: Fisch, Fleisch und schwere Saucen galten als Maßstab, Gemüse blieb oft bloße Beilage oder Farbgebung auf dem Teller.
Heute sieht Bräuer das anders. Für ihn hat Gemüse längst einen eigenständigen Stellenwert, nicht als Ersatz, sondern als Produkt mit eigener Würde, eigenem Charakter und eigener Dramaturgie. Entscheidend seien Qualität, Bezug und Saison. Wer Himbeeren oder Erdbeeren im Winter brauche, verliere den Bezug dafür, wann ein Produkt eigentlich seine beste Zeit habe. Gerade in dieser Konzentration auf das Wesentliche lag die Nähe zur Kunst von Hermann Nachbaur.
Das machte den kulinarischen Teil dieses Formats so überzeugend. Gemüse wurde nicht als Verzicht inszeniert, sondern als ernstzunehmender Hauptdarsteller. Er erzählte uns auch, dass vegetarisches Kochen mitunter anspruchsvoller sei als eine klassische Küche mit Fisch und Fleisch.
Gaggenau: Handwerk zwischen Manufaktur und Technologie
Daran knüpfte auch Marco Tümmler (CEO von Gaggenau) an. Er beschrieb das Werk in Lipsheim im Elsass als „industrielle Manufaktur“ – ein Begriff, der das Selbstverständnis der Marke gut auf den Punkt bringt. Gaggenau verweist selbst auf seine Geschichte seit 1683 und betont bis heute den hohen Anteil manueller Arbeit in der Fertigung. Auf offiziellen Markenseiten heißt es etwa, dass bei den Kühlschränken 813 von 840 Montageschritten von Hand erfolgen und die ikonischen 90-cm-Backöfen seit über 30 Jahren von Hand montiert werden.
Im Gespräch wurde diese Haltung greifbar. Qualität, so der Tenor, entsteht nicht im Akkord, sondern durch Erfahrung, Zeit und die Verbindung von Handarbeit und Technologie. Gerade dieser Gedanke fügte sich überraschend schlüssig in das Gesamtkonzept des Mittags ein. Denn auch hier ging es letztlich nicht um Effekte, sondern um Sorgfalt, Wiedererkennbarkeit und den Respekt vor Material.
Der Münchner Showroom ist dafür ein klug gewählter Ort. Gaggenau positioniert ihn offiziell als exklusiven Raum für Inspiration, Beratung und Kochevents; zugleich wird dort sichtbar, wie stark sich die Marke zwischen Kulinarik, Architektur und Design verortet.
Warum sich der Besuch jetzt lohnt
Die Ausstellung ist bis Mitte Mai 2026 zugänglich und wird damit zu einem stilvollen Kultur- und Design-Tipp für München. Die Ausstellung zeigt, wie eng Natur, Produktkultur und handwerkliches Denken zusammengehören.
Zugleich passt dieses Format erstaunlich gut in die Stadt. München schätzt Orte, an denen Ästhetik, Genuss und Qualität selbstverständlich zusammenkommen. Genau darin liegt die Stärke dieses Settings: nicht laut, nicht spektakulär, sondern klar, kultiviert und mit Sinn für Material und Maß.
Im Showroom lädt die Marke regelmäßig zu besonderen Genussevents, bei denen Bobby Bräuer immer mal wieder präsent ist. Zu den offiziellen Showroom-Zeiten (Di-Fr 10 bis 18 Uhr) ist ein Besuch jederzeit möglich. Ein persönlicher Termin empfiehlt sich jedoch für ein noch individuelleres Erlebnis! Diesen kann man auch online vereinbaren!


