Ingrid Newkirk erzählt von Lederschuhen, einer Pelzjacke und ihrer früheren Begeisterung für Tiere im Zirkus. Daniela Brunner erinnert sich an die Zeit nach der Geburt ihres Sohnes Romeo, als sie Bilder von Kühen und ihren Kälbern nicht mehr losließen. Zwei persönliche Geschichten, die erklären, warum sich beide heute für den Tierschutz einsetzen. Am 9. Oktober kamen die Gründerin des veganen Modelabels Giulia & Romeo und die PETA-Gründerin bei einem Fundraising Dinner auf der Münchner Praterinsel zusammen.

Wer Ingrid Newkirk an diesem Abend genau zuhörte, erfuhr zunächst sehr viel über ihr Leben vor PETA. Tierische Lebensmittel gehörten für sie ebenso zum Alltag wie Kleidung aus Tierhäuten. Als junge Frau trug sie Pelz, bewunderte besondere Lederstiefel und besuchte den Zirkus. Woher diese Produkte kamen und was sie für die Tiere bedeuteten, hinterfragte sie damals nicht.
Mit dieser Erinnerung begann Newkirk ihre Rede. Die Frau, die heute weltweit für Tierrechte eintritt, nahm sich selbst ausdrücklich mit hinein in jene Selbstverständlichkeit, die sie inzwischen kritisiert: Menschen wachsen mit der Vorstellung auf, Tiere seien für ihre Bedürfnisse da.
Ingrid Newkirk: Ein anderer Blick auf Tiere
Newkirk sprach über Tiere als Lebewesen mit eigenen Beziehungen, Fähigkeiten und Ausdrucksformen. Viele ihrer Sinnesleistungen bleiben Menschen verborgen. Dass wir ihre Kommunikation nicht verstehen, bedeutet aus ihrer Sicht nicht, dass sie nichts mitzuteilen haben.
Ihr Anliegen wurde dabei deutlich: Mitgefühl soll sich in alltäglichen Entscheidungen zeigen. Was essen wir? Was tragen wir? Welche Unterhaltung unterstützen wir?
In einer Präsentation blickte die PETA-Gründerin auf die Arbeit der Organisation zurück. Sie zeigte Kampagnen, gerettete Tiere und Alternativen zum Einsatz von Tieren. Die einzelnen Beispiele verband sie mit der Überzeugung, dass sich Gewohnheiten verändern lassen – auch jene, die lange als selbstverständlich galten.
Daniela Brunners Modelabel war für sie an diesem Abend ein konkretes Beispiel dafür. Giulia & Romeo zeigt, wie sich Mode ohne tierische Materialien gestalten lässt.
Daniela Brunner: Was die Geburt ihres Sohnes veränderte
Besonders persönlich wurde der Abend, als Daniela Brunner über den Ursprung ihres Engagements sprach. Nach der Geburt ihres Sohnes Romeo hatte sie eine kleine vegane Schuhkollektion entwickelt. Bei deren Bewerbung auf Instagram kam sie stärker mit der veganen Community in Kontakt. Dort sah sie Videos über Tierhaltung und Tierleid. Vor allem die Bilder von Kühen und ihren Kälbern trafen sie als junge Mutter.
Brunner beschrieb, wie unmittelbar daraus Konsequenzen für ihre Ernährung entstanden. Milchprodukte wollte sie nicht mehr konsumieren; auch Fleisch kam für sie nicht mehr infrage. Sie hatte hingesehen – und konnte das Gesehene nicht mehr ausblenden.
Diese Erfahrung erklärt auch ihren Anspruch an Giulia & Romeo. Sie wollte ein Unternehmen aufbauen, mit dem sie langfristig etwas für Tiere bewirken kann.
Giulia & Romeo-Modelabel mit einem langfristigen Ziel
Brunner sprach auf der Praterinsel auch über die Herausforderungen hinter dieser Idee. Ein veganes Modelabel im Luxussegment aufzubauen und dauerhaft zu betreiben, sei kostenintensiv. Die Unterstützung ihres Mannes spiele dabei eine wesentliche Rolle.
Die Fertigung in Bayern ermöglicht ihr nach eigener Aussage einen engen Überblick über Herkunft und Herstellung. Zugleich weiß sie, dass die Preise ihre Kreationen für viele Menschen unerreichbar machen. Deshalb denke sie darüber nach, Teile der Produktion ins nahe gelegene Ausland zu verlagern.
Ihr Ziel bleibe, mit dem Unternehmen künftig auch die Tierschutzarbeit finanziell zu unterstützen. Diese Beteiligung beschrieb sie als Vorhaben für die Zukunft, sobald entsprechende Gewinne erwirtschaftet werden. Private Spenden und der Aufbau des Labels gehören für sie zu einem Engagement, das auf Dauer angelegt ist.

Sebastian Copien brachte die Idee auf den Teller
Für das vegane Menü sorgte Sebastian Copien. Der Koch, der sich seit mehr als 15 Jahren pflanzlich ernährt, griff unter anderem bayerische Geschmacksbilder auf. Zum Auftakt gab es Kartoffelkas, anschließend eine Suppe. Als sein persönliches Highlight kredenzte Copien geschmorten Portobello-Pilz mit Kartoffelschaum. Zum süßen Abschluss gehörte ein Millefeuille; außerdem gab es eine pflanzliche Käseauswahl.
Über 100.000 Euro für PETA
Zu den Gästen auf der Praterinsel gehörten u.a. Schauspieler Hannes Jaenicke, Politikerin Dr. Zoe Mayer, Künstlerin Mia Florentine Weiss, Franziska Fugger von Babenhausen und Künstler Mauro Bergonzoli, welcher ein Bild für die Charity-Versteigerung zur Verfügung stellte.
Bei einer Auktion zugunsten von PETA wurden unter anderem Mia Florentine Weiss’ Stahlskulptur „LOVE HATE“, eine Safari für zwei Personen in Kenia, eine edle Jacke von Giulia & Romeo oder ein Helikopter-Flug über München. Insgesamt kamen über 100.000 Euro zusammen.
Neben dem Spendenergebnis blieben die persönlichen Erzählungen der beiden Gastgeberinnen in Erinnerung. Newkirk sprach über Gewohnheiten, die sie selbst einmal hatte. Brunner über einen Moment, der ihren Alltag und schließlich ihre unternehmerischen Pläne veränderte. Gerade diese Offenheit machte nachvollziehbar, wo ihr Engagement beginnt – und weshalb sie andere dafür gewinnen wollen.



