Home / Prominent / Christiane Wolff trifft / Isabel Bernheimer: ‚Ich will München aufrütteln!‘

Isabel Bernheimer: ‚Ich will München aufrütteln!‘

Zur OpenArt München (12. bis 14. September 2014) stellt sich die ‚Agentur Bernheimer Contemporary – Art Solutions and Projects‘ mit dem multimedialen Cross Over-Projekt VANITAS vor, welches Isabel Bernheimer zusammen mit den von ihr vertretenen Künstlern Victor Alaluf und Jan Kuck realisiert hat. Die Künstler stellen zeitgenössische Medien klassischen Alt-Meister Gemälden gegenüber und spannen so den Bogen vom 17. Jahrhundert in die heutige Zeit. Die Ausstellung läuft bis zum 24. September 2014 in der Räumen der Galerie Bernheimer in der Brienner Strasse 7. Christiane Wolff hat die gebürtige Münchnerin Isabel Bernheimer vor Ausstellungseröffnung getroffen, welche Wahl-Berlinerin ist. Ein Gespräch über Kunst, Karriere und über München als Kunst-Metropole. 

Bernheimer-Vanitas-Fotocredit-Markus-Kehl
Christiane Wolff trifft Isabel Bernheimer für unser ‚Exklusiv München‘-Interview, welche uns gleich ihre ersten beiden Künstler vorstellt: Jan Kuck (links) und Victor Alaluf (rechts). Fotocredit: Markus Kehl

Sie sind in einem künstlerischen Umfeld groß geworden. Sie sagen selbst ‚Ich lebe und atme in der Welt der Künstler‘. Wie haben Sie es geschafft, ihren eigenen Weg in der Kunstszene zu finden?

Isabel Bernheimer: ‚Ich habe meinen Weg im Haus der Kunst mit Anfang 20 angefangen und habe dort ein Praktikum gemacht. Man hat mich gleich in die Ausstellungsorganisation übernommen. Da bin ich sechs Jahre geblieben – unter Vitali und Chris Dercon. Das war total spannend. Der eine noch mit Vorzimmer und Sekretärin, der andere der allererste Mensch, den ich mit Handy emailend durch die Räume hab gehen sehen. Chris war plötzlich Chris und nicht mehr Herr Vitali. Man hatte plötzlich Morning Meetings. Paul Mc Carthy, für den ich mitverantwortlich 2005 die Ausstellung ‚Lala Land Parodie Paradise‘ organisiert habe, war im Anschluss derjenige, der mich nach London gebracht hat. Dort war ich verantwortlich für die drei Galerien von Hauser & Wirth und hatte permanent 70 Stunden Wochen. Drei Handies gleichzeitig mit dem Laptop auf dem Schoß. Nach drei Jahren wollte ich was Neues erleben und bin nach Berlin zu Esther Schipper, da sie in ihrer Galerie nur Konzeptkünstler hatte. Dort war ich Gallery Manager. Ich habe mich im Anschluss beworben für die Ausstellung ‚WeltWissen. 300 Jahre Wissenschaften in Berlin‘ im Martin-Gropius-Bau mit 300 Bewerbern – und habe die Stelle bekommen. Dort habe ich aber auch wieder Tag und Nacht gearbeitet. Hatte sieben Assistenten, war jeden Tag von morgens bis nachts da – auch am Wochenende! Dann war es das und ich habe überlegt, was ich machen möchte. Ich lag auf dem Sofa – da kam ein Anruf. Ich wurde gefragt, ob ich 2012 die Berlin Biennale machen möchte. Da sagt man nicht nein! Es kamen noch spannende Projekte für einzelne Künstler und Unternehmen wie Olafur Eliasson, Foster Huntington oder zuletzt Heinz Mack auf der Architekturbiennale in Venedig. Nach all den Schritten – ich habe wirklich jeden Aspekt von Kunst, Künstlern und Ausstellungen lernen und erfahren dürfen, habe ich mich selbstständig gemacht!

Wie wird man in der Kunstszene groß bzw. welche Schritte empfehlen Sie einem Menschen, der einen Platz in der Welt der Kunst finden möchte?

Isabel Bernheimer: ‚Von der Künstlerseite ist es wirklich sehr schwierig, das geht heute gar nicht mehr. Ich lebe und atme wirklich in der Welt der Kunst. Alle meine Freunde sind Künstler. Ich umgebe mich mit ihnen. Ich gehe in Berlin auf drei Ausstellungen in der Woche, dann noch ins Theater, ich will alles sehen und erleben. Ich kann dann ganz schnell zwischen guter und schlechter Kunst unterscheiden, was natürlich eine subjektive Bewertung ist. Nächste Woche müssen meine Künstler wieder Gallery Hopping mit mir machen. In meinem Auto, alle zusammen, wir fahren rum springen dann raus, Warnblinkanlage an, rein in die Galerie, raus aus der Galerie und dann weiter! Da machen wir dann zehn Galerien hintereinander. Die Künstler müssen sehen und lernen. Ich frage die im Anschluss auch ab!‘

Sie haben nun nach sehr vielen Schritten und Stationen im Kunstbetrieb – vom Haus der Kunst in München über Londoner Galerien bis zum Martin Gropius Bau in Berlin – nun starten Sie die Agentur Bernheimer Contemporary. Was genau verbirgt sich dahinter?

Isabel Bernheimer: ‚Ich kam zu ‚150 Jahre Bernheimer‚. Mein Vater hat mich gefragt, ob ich nicht eine Galerie aufmachen möchte. Da habe ich Nein gesagt. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Ich habe daher den klassischen Weg verlassen und ein neues und modernes Modell gefunden: den White Cube. Ich suche nun unter Bernheimer Contemporary – Art Solutions and Projects als Agentur die Künstler und arbeite an wechselnden Schauplätzen und mit ganz unterschiedlichen Partnern zusammen.‘

Ist München Ihre Lieblingsstadt bei all diesen beruflichen Stationen? 

Isabel Bernheimer: ‚Berlin ist pulsierender für das Finden von Künstlern. Die Künstler haben es schwieriger in Berlin, da gibt es viel mehr Konkurrenz! Dadurch ist es für mich einfacher, die guten Künstler herauszupicken. Ich finde aber, dass ich als Münchnerin in München was machen muss! Ich möchte die Stadt aufrütteln. Ich mag München sehr gerne, ich finde es hier herrlich, aber es gibt mir nicht die Inspiration, die ich persönlich brauche.‘

Noch ein paar Fragen zu München: Wo entspannen Sie in München?

Isabel Bernheimer: ‚Bei meinen Eltern zu Hause. Da wo ich jetzt auch wieder bin! Wir wohnen direkt am Englischen Garten und ich finde, da morgens rauszugehen und eine Runde um den Kleinhesseloher See zu joggen einfach traumhaft. So bin ich auch aufgewachsen. Das liebe ich. Schwabing ist meins!‘

Welcher Ort inspiriert Sie?

Isabel Bernheimer: ‚Ja, das Haus der Kunst, das ist klar. Das ist meine alte Heimat und da habe ich auch meine Freunde. Der erste Weg in München geht auch immer dorthin.‘

Wo gehen Sie abends gerne zum Essen? Beruflich ? Und mit Freunden? Wo treffen Sie sich mit Künstlern auf einen Kaffee?

Isabel Bernheimer: ‚Bei mir gibt es keine Trennung. Ich habe die Künstler gerade in den Alten Simpl geführt, ich finde es wahnsinnig nett da. Die Bar im Haus der Kunst liebe ich auch.

Verraten Sie uns noch Ihren Geheimtipp für München?

Isabel Bernheimer: ‚Das MMA, das ist super cool. Der neueste Club. Sieht ein bisschen aus wie das Berghain. Und richtig gute elektronische Musik. Und da ist eine coole neue Pizzeria. Da habe ich auch schon die Künstler hingebracht für ein Projekt.‘

An welchem Ort in München würden Sie gerne einmal eine Ausstellung machen?

Isabel Bernheimer: ‚Ich würde es in den öffentlichen Raum stellen wollen. Irgendetwas wie der Königsplatz, der ist sehr inspirierend. Da mal was witzig Zeitgenössisches hinzustellen, das würde mir Spaß machen. Das ist in München halt nicht möglich. Da brauchen wir hier wohl noch etwas …‘

Und was fehlt München?

Isabel Bernheimer: ‚Genau der Mut und die Offenheit, Dinge neu zu machen. Neue Sachen zulassen. München muss aufwachen und besonders Kunst im öffentlichen Raum zulassen.‘

Zurück zu Ihrer neuen Agentur. In welcher Relation steht Ihr neues Projekt zum Familienunternehmen Bernheimer? Welche Synergien ergeben sich aus dieser Konstellation?

Isabel Bernheimer: ‚Ich bin selbständig mit dem Thema, aber mein Vater ist Teil meiner Firma. Er findet es toll, wenn wir auch weitere Ausstellungen hier machen. Aber da müssen wir, wie ich finde, aufpassen. Das ist ja nicht die Idee.‘

Sie feiern nun mit VANITAS und den beiden Künstlern Jan Kuck und Victor Alaluf Ihre erste Ausstellung mit der Agentur Bernheimer Contemporary – zu Gast in der Galerie Bernheimer. Was fasziniert Sie an den beiden Künstlern und auch am ewigen Thema VANITAS?

Isabel Bernheimer: ‚Victor ist Argentinier und geht mit dem Thema Tod auf eine humorvolle Art und Weise um. Das ist ein wahnsinnig guter Ansatz. In Südamerika geht man mit dem Tod ja ganz anders um. Der wird gefeiert. Das ist hier alles so handmade. Der Jan ist Konzeptkünstler und hat Philosophie studiert. Er kommt mit einem ganz anderen Ansatz.‘

Wie finden Sie ihre Künstler?

Isabel Bernheimer: ‚Im Hinterhof in Friedrichshain. Ich bin intuitiv und neugierig. Und ich bekomme natürlich jeden Tag tausend Emails von Künstlern, da muss man schnell entscheiden können!‘

Auf welches nächste Projekt von Isabel Bernheimer dürfen wir uns freuen?

Isabel Bernheimer: ‚Das kann ich jetzt noch nicht verraten. Aber mit dem nächsten Künstler waren wir schon Mittagessen!‘

Wir können verraten, dass unter der Leitung von Isabel Bernheimer die erst im Juli 2014 gegründete Künstleragentur BERNHEIMER CONTEMPORARY weltweite Projekte mit etablierten zeitgenössischen Künstlern und Newcomern realisieren wird. Wir freuen uns bereits auf die nächste Ausstellung! Ausstellungsdauer: 24.9. 2014

LESETIPP

Gehört München zu den Smart Light Cities ? SuperLux Symposium im Vorhoelzer Forum

SuperLux Symposium in München analysiert Smart Light Cities. Smart Light Art und die intelligente Beleuchtung von Städten. Was glaubt Ihr: Gehört München zu dem Smart Light Cities?

Ketterer Kunst versteigert Parfumklassiker von Uschi Ackermann

Ketterer Kunst versteigert über 300 Parfümklassiker von PR-Lady Uschi Ackermann zugunsten der VITA-Assistenzhunde in München