Es gibt kulinarische Formate, die sich über Jahre hinweg behaupten, weil sie mehr sind als ein einzelner Abend. „12 Monate, 12 Sterne“ gehört dazu. Was vor zwölf Jahren als ambitioniertes Gourmetprojekt begann, hat sich längst zu einer festen Größe im deutschsprachigen Fine-Dining-Kalender entwickelt – getragen von Kontinuität, Offenheit und dem Anspruch, Sterneküche zeitgemäß erlebbar zu machen.
Mit der zwölften Gourmet-Gala kehrte das Format erneut an einen Ort zurück, der diese Haltung widerspiegelt: das Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg. Rund 300 Gäste folgten der Einladung zur Gourmet-Gala am 18. Januar 2026. Insgesamt 13 Spitzenköche präsentierten ihre Gerichte in einer offenen Counter-Struktur – vom Gastgeberrestaurant bis zu internationalen Stationen aus Zürich und Hamburg.

Ein Haus mit Haltung – und familiärer Handschrift
Das Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg ist ein privat geführtes Familienhotel, gegründet 2006 von Dr. Detlef Graessner gemeinsam mit seiner Tochter Cornelia Graessner-Neiss. Bis heute befindet sich das Haus im Besitz der Familie Graessner und steht für persönliche Gastgeberkultur, kulinarische Qualität und die Bereitschaft, besonderen Formaten Raum zu geben.
Dass „12 Monate, 12 Sterne“ hier regelmäßig Station macht, ist daher kein Zufall, sondern Ausdruck einer gemeinsamen Haltung: Qualität entsteht durch Verlässlichkeit – nicht durch kurzfristigen Effekt. Vor Ort verantworteten General Manager Tobias Baumann und Küchendirektor Maximilian Moser gemeinsam mit dem Team des Hauses den reibungslosen Ablauf der Gala.

„Never change a winning team“
Armin Langer, Gründer und ehemaliger Sternekoch von „12 Monate, 12 Sterne“, eröffnete den Abend mit einem Dank und einem klaren Bekenntnis zur Kontinuität:
„Never change a winning team. Wir sind sehr stolz, wieder hier zu sein – im wunderschönen Hotel Vier Jahreszeiten. Ein herzlicher Dank gilt der Familie Graessner für die langjährige, verlässliche Unterstützung.“
Das Projekt feiert 2026 sein zwölftes Jahr – zwölf Monate, zwölf Sterne, zwölf Jahre. Für Langer ist dieses Jubiläum weniger Rückblick als Antrieb, das Format weiterzuentwickeln.
13 Köche, viele Handschriften
Ein Höhepunkt des Abends war die Präsentation von 13 Spitzenköchen, die mit jeweils eigenen Signature-Gerichten vertreten waren. Die kulinarische Bandbreite reichte von Zürich über Hamburg bis in den süddeutschen Raum – teils mit Anfahrten von rund 150 Kilometern, um Teil dieser Gala zu sein.
„Ich bin besonders stolz, Ihnen heute Abend 13 starke Köche präsentieren zu können – mit ganz besonderen kreativen Gerichten und sehr individuellen Handschriften“, so Langer.
Bekannte Namen trafen auf neue Impulse, Wiedersehen auf Entdeckungen. Genau dieser Mix prägt das Format seit Jahren.

Walking Dinner statt Pflicht-Menü
Statt eines klassischen gesetzten Menüs setzte der Abend bewusst auf eine offene Counter-Struktur. Die einzelnen Köche bereiteten ihre Kreationen direkt an eigenen Stationen zu – sichtbar, nahbar und im Austausch mit den Gästen.
Für viele wurde die Gala so zu einem Walking Dinner im besten Sinne: Wer nicht alle 13 Gänge essen wollte, stellte sich seinen Abend individuell zusammen, suchte gezielt Highlights aus, kehrte zu Favoriten zurück oder ließ einzelne Stationen bewusst aus.
Sterneküche war Angebot, nicht Pflicht. Die Struktur nahm dem Abend jede Strenge, schuf Bewegung, Gespräch und persönliche Freiheit – ohne dabei an Qualität zu verlieren.
Schmankerl zwischen den Gängen
Zwischen den Stationen der Sterneköche sorgten ausgewählte Manufakturen für zusätzliche Akzente. Dazu gehörte unter anderem die Bernrieder Schokoladen-Manufaktur Clement, die mit handwerklich gefertigter Schokolade überzeugte und auch in München am Rindermarkt mit einem eigenen Shop vertreten ist.
Ebenso präsent war die Olivenöl-Manufaktur Luverdo, die Öle von 500- und 1.000-jährigen Olivenbäumen vorstellte. Ein Produkt, das nicht nur durch Qualität, sondern auch durch Herkunft erzählt – und das 2026 antritt, den Münchner Feinkost-Markt stärker zu prägen.
Diese Schmankerl fügten sich organisch in den Abend ein: als Pausen, Kontraste und Ergänzungen zur großen Küche.
Handlungsfähig statt ritualisiert
Auch Marc Buchholz, Geschäftsführer der gleichnamigen Consulting, betonte in seiner Ansprache, worauf es bei „12 Monate, 12 Sterne“ ankommt:
„Entscheidend ist, dass das Konzept handlungsfähig bleibt. Wir beobachten sehr genau, was das Publikum erwartet – und wie wir kulinarische Qualität immer wieder neu inszenieren können.“
Die offene Struktur, das Walking-Dinner-Prinzip und die Einbindung von Manufakturen seien Ausdruck dieses Anspruchs. Kulinarik solle nicht distanzieren, sondern einladen.
Kulinarik als geteilter Moment
Beide Redner verband ein Gedanke: Sterneküche lebt vom Erlebnis. Gäste wurden eingeladen, sich Zeit zu nehmen, an die Counter zu treten, Gerichte zu probieren, Eindrücke zu teilen.
„Was oft unterschätzt wird, ist der enorme Aufwand hinter jedem Teller“, so Buchholz. „Viele Stunden Arbeit für einen kurzen Moment des Genusses.“
Genau dieser Moment aber ist es, der Abende wie diesen prägt – und dem Format seit zwölf Jahren seine Berechtigung gibt.
Beteiligte Gourmetköche der Gala 2026
Die kulinarische Vielfalt des Abends wurde von folgenden Köchen geprägt:
- Maximilian Moser – Gourmetrestaurant Aubergine, Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg
- Ben Benasr – Bens Weinstube Klink, Stuttgart
- Bruno Reichart – edita, Hotel edita Scheidegg
- Florian Wagenbach – Gourmetrestaurant Silberdistel, Sonnenalp Resort Ofterschwang
- Hans Häge – HOCHZWEI, Gasthof zum Bad Langenau
- Je rey Hoogstraaten & Robin Trampert – chez l’ami, Tortue Design Hotel Hamburg
- Jens Madsen – The Cloud by Käfer, München
- Kevin Leitner – Kaisersaal Gourmet Restaurant, Hotel Kaiserhof Ravensburg
- Marco Langer – Stephans Stuben by Marco Langer, Neu-Ulm
- Nicolas La Rocca – edl.eins, Deggendorf
- Peter Strauss – Ess Atelier Strauss, Alpin Lifestyle Hotel Löwen & Strauss, Oberstdorf
- Stefan Jäckel – La Rôtisserie, Storchen Zürich
- Zsolt Fodor – Solo Du, Kulturhof Stanggass, Bischofswiesen
Bei aller Qualität fiel eines auf: Der Abend blieb eine Bühne für Sterneköche – nicht für Sterneköchinnen. Ein Umstand, der sich angesichts der starken weiblichen Spitzenküche in München künftig leicht korrigieren ließe.


