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Hotel Singer in Berwang: Tirol-Geheimtipp für Münchner

Tegernsee, Garmisch, Kitzbühel – für eine kurze Auszeit haben Münchner ihre Klassiker. Berwang gehört nicht dazu. Dabei liegt der kleine Tiroler Bergort nur rund 120 Auto-Kilometer von München entfernt. Und genau dort steht seit 1928 mit dem Hotel Singer ein Relais-&-Châteaux-Haus, das uns ziemlich überrascht hat.

Hotel Singer
Der Blick aus unserer Suite 211: Berwang liegt auf 1.336 Metern – und die Berge beginnen praktisch vor dem Balkon. Foto: Exklusiv München

Nicht einmal zwei Stunden dauert die Fahrt – und trotzdem fühlt es sich nach der Ankunft deutlich weiter weg an. Berwang liegt auf 1.336 Metern im Tiroler Außerfern, zwischen Zugspitzregion und Lechtal – und vor allem angenehm abseits der großen Durchgangsrouten.

Kein Verkehr, der sich durchs Dorf schiebt, keine Flaniermeile, kein alpiner Shopping-Zirkus. Dafür Berge vor dem Balkon und ein Hotel, bei dem im Sommer und Herbst die Wanderwege und im Winter die Skipiste praktisch vor der Haustür beginnen. Das Auto kann erst einmal stehen bleiben.

„Das moderne Alpenhotel“

Das Singer ist alles andere als eine Neuentdeckung. Das Haus gibt es seit 1928. Und eines der historischen Motive, die im Hotel hängen, hat mich besonders fasziniert.

Darauf sieht man einen für Tirol damals geradezu ungewöhnlichen Bau. Keine Holzromantik, sondern klare Linien und Bauhaus. Darüber steht: „Das moderne Alpenhotel – Licht · Luft · Bequemlichkeit.“ Fast 100 Jahre später wirkt der Claim erstaunlich aktuell.

Hotelier Florian Singer erzählt mir beim Interview, dass sein Großvater dem kleinen Berwang mit diesem Bau damals durchaus etwas „zugemutet“ habe. Er glaubte an die Natur, den Skisport und daran, dass darin die Zukunft liegen würde.

Heute führen Florian und Christina Singer das traditionsreiche Familienhotel gemeinsam.

Das Hotel von heute sieht natürlich nicht mehr wie das Bauhaus-Hotel von 1928 aus. Über Generationen wurde angebaut, verbunden, renoviert und wieder verändert. Traditionelle Tiroler Stuben stehen neben modern gestalteten Zimmern. In der großen Kaminhalle hängt ein opulenter handgeschmiedeter Leuchter, welcher kaum noch bezahlbar wäre.

Hotel Singer Berwang
Alt, opulent und ausdrücklich gewollt: Der handgeschmiedete Leuchter gehört für Florian Singer zur Geschichte des Hauses.

Florian Singer würde ihn nie entfernen. Genauso wenig wie die alte Stube oder die Galerie mit ihrem geschmiedeten Geländer. Und er würde aus dem Singer kein unpersönliches Haus für die Masse machen und nicht an der Qualität sparen, nur um Kosten zu senken.

Vielleicht ist genau dieses Nebeneinander das Interessante: Das Singer versucht nicht, etwas zu sein, was es nicht ist.

Und was ist heute eigentlich Luxus?

Das bringt uns beim Frühstück auf die Frage, was Luxus für einen Hotelgast 2026 überhaupt noch bedeutet. Singers Antwort überrascht: „Ich empfinde uns nicht als Luxushotel.“

Relais & Châteaux, 4-Sterne-Superior, großer Spa, ein Hektar Garten – und kein Luxushotel?

Sein Anspruch an ein exzellentes Hotel ist ein anderer: „Ich glaube, das ist Luxus als Gast, so sein zu können, wie man ist.“ Der Satz bleibt hängen.

Warum das Singer gerade für Münchner interessant ist

Hotelier Florian Singer beobachtet seit Jahren, dass Gäste kurzfristiger buchen und kürzer bleiben. Viele seiner Gäste seien selbstständig oder in Führungspositionen und könnten spontaner entscheiden: Das Wetter passt, ein paar Tage sind frei – wohin fahren wir?

Genau deshalb seien Destinationen im Radius weniger Autostunden für das Singer so wichtig. Im Sommer bekommt Berwang noch einen weiteren Vorteil.

Wenn München heiß wird, Asphalt und Beton die Wärme speichern und selbst die Nacht kaum Abkühlung bringt, sitzt man hier auf 1.336 Metern noch draußen. Singer nennt es das kleine „Lüftle“. Nachts könne man ohne Klimaanlage hier droben gut schlafen.

Ich glaube, dass solche Orte für Münchner in Zukunft interessanter werden. Nicht unbedingt für zwei Wochen Jahresurlaub. Sondern für zwei oder drei Tage, in denen man möglichst wenig organisieren möchte.

Und genau dafür funktioniert das Singer ziemlich gut.

Geheimtipp in Tirol
Wenn es dunkel wird in Berwang: Das Hotel Singer gehört seit 1928 zum Ortsbild des kleinen Tiroler Bergdorfs.

Viel Holz – und überraschend viel Platz

Wir wohnten in Zimmer 211, einer Suite mit viel Zirbenholz, großem Balkon und Blick auf die Berghänge und Richtung Spa.

Bei einer Runde durch verschiedene Zimmer fiel mir etwas anderes auf: die großzügigen Bäder.

Das klingt zunächst nach einer Nebensächlichkeit. Bei einem fast 100 Jahre alten Hotel ist es aber keine. Historische Grundrisse setzen Renovierungen Grenzen, und gerade Bäder werden dann schnell zum Kompromiss. Diesen Eindruck hatte ich im Singer nicht.

Auch stilistisch gibt es nicht „das eine“ Singer-Zimmer. Wer Tiroler Holz und Gemütlichkeit mag, findet sie. Es gibt aber ebenso deutlich modernere Zimmer. Das passt zu einem Haus, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Und dann gibt es den Blick vom Balkon.

Hotelzimmer im Singer
Viele Wohnwelten im Singer: vom klassisch-alpinen Zimmer mit viel Holz bis zur modern interpretierten Variante in Naturtönen. Links: Doppelzimmer Klassik. Rechts: Rastkopf – Panorama-Doppelzimmer

Der Garten war meine Überraschung

Den Spa erreicht man über einen teilweise unterirdischen Verbindungsgang vom Hotel hinüber zum separaten Spa-Gebäude. Rund 1.800 Quadratmeter verteilen sich dort über mehrere Ebenen. Einen klassischen Sportpool für meine Bahnen fand ich zwar nicht. Das Team empfahl mir die Gegenstromanlage.

Nach einer halben Stunde gegen die Strömung hatte sich das Thema erledigt. Das funktioniert.

Meine eigentliche Überraschung lag aber draußen.

Berwang
Viel Platz, viel Grün und Berge vor Augen: Der rund einen Hektar große Garten war für mich eine der Überraschungen im Singer.

Der rund einen Hektar große Garten zieht sich auf unterschiedlichen Ebenen um das Spa. Liegewiesen und Rückzugsorte liegen zwischen Bäumen und Bepflanzung. Alles wirkt so selbstverständlich gewachsen und gleichzeitig so präzise angelegt, dass ich zunächst dachte, hier könnte ein Landschaftsarchitekt wie Enea am Werk gewesen sein.

Dass mitten in Berwang überhaupt so viel Platz vorhanden ist, verdankt die Familie früheren Generationen, die immer wieder angrenzende Grundstücke kauften. Für Florian Singer ist dieser Platz heute einer der großen Vorzüge des Hauses. Den Spa ließ er 2005 als eines der letzten Projekte gemeinsam mit seinem Vater errichten; später wurde er noch einmal bis auf den Beton entkernt und neu gestaltet. Für ihn war diese Investition der „Startschuss für die Zukunft“.

Mit Gym, Sauna- und Ruheräumen, Spa-Bar und einem beheizten Pool, der innen beginnt und sich nach draußen fortsetzt, hat das Singer auch im Spa-Bereich einiges zu bieten. Im Falstaff Hotel Guide 2026 erreicht das Haus 94 Punkte, davon 14 von 15 Punkten für Wellness.

Ganz offensichtlich bin ich mit meiner Begeisterung für den Garten nicht allein: Auch Relais & Châteaux hebt den 10.000 Quadratmeter großen Alpen-Relax-Garten als Besonderheit des Hauses hervor.

Halbpension? Klingt langweilig, aber nicht im Singer

Küche im Hotel Singer
Zwei Beispiele aus der Halbpension im Singer: links flambierter Ehrwalder Ziegenkäse mit Nusskrokant und Thymianhonig, rechts Außerferner Hirschrücken mit grünem Spargel, Pfirsich und Pastinake.

Wer bei Halbpension automatisch an ein mehr oder weniger vorhersehbares Hotelmenü denkt, wird im Singer eines Besseren belehrt.

An unserem Abend fiel meine Wahl auf Außerferner Hirschrücken mit grünem Spargel, Pfirsich und Pastinake. Es gab mehrere Gerichte zur Auswahl, österreichische Klassiker ebenso wie modernere Kombinationen. Und wer weniger Hunger hat, bekommt unkompliziert eine kleinere Portion.

Seit mehr als 20 Jahren steht Thomas Kunath in der Küche des Singer. Auch das ist bemerkenswert in einer Branche, in der Küchenchefs häufig nach wenigen Jahren das Haus wechseln.

Florian Singer sagt selbst, dass man solche Konstellationen nicht planen könne. Für sein Hotel sei aber gerade die Konstanz entscheidend. Ein Gast, der mehrere Tage bleibt, brauche nicht an einem Abend einen spektakulären Ausreißer nach oben, sondern jeden Tag eine verlässlich gute Küche.

Nur mit meinem pochierten Ei klappte es nicht.

Das hatte ich mir beim Frühstück gewünscht. Gibt es im Singer aber nur samstags, erklärte man mir freundlich. Wir hatten keinen Samstag.

Dafür kam ein souffliertes Bio-Ei mit Specktörtchen und jungem Blattspinat auf den Tisch. Plan B konnte sich sehen lassen. Und für das pochierte Ei muss ich eben wiederkommen.

Hotel Singer
Frühstück in der September-Sonne: Das soufflierte Speck-Ei wurde uns auf der Hotelterrasse mit Bergblick serviert.

Ein Hotel lebt nicht nur von schönen Zimmern

Was während unseres Aufenthalts außerdem auffiel, war die Herzlichkeit der Mitarbeiter.

Vielleicht ist auch das eine Folge der ungewöhnlichen personellen Kontinuität im Singer. Küchenchef Kunath ist seit mehr als zwei Jahrzehnten da, andere Schlüsselpositionen ebenfalls seit vielen Jahren.

Florian Singer wünscht sich, dass das auch in Zukunft so bleibt – nicht unverändert und nicht ohne neue Menschen, aber mit einer Mannschaft, die diese Art der Hotellerie leben möchte. Und mit Gästen, die entspannt sind, Bitte und Danke sagen und die Arbeit der Mitarbeiter wertschätzen. Das klingt banal. Ist es in der Hotellerie aber nicht.

Auch die Geschichten der Stammgäste gehören zum Haus. Über dem Kamin hängt beispielsweise ein Geweih, das ein langjähriger Berliner Gast dem Singer geschenkt hat. Solche Dinge würde ich nicht als Teil eines Interior-Konzepts bezeichnen. Sie sind einfach irgendwann Teil des Hotels geworden.

Die schönste Zeit im Singer? Halb sieben am Abend

Zum Ende unseres Interviews wollte ich von Florian Singer wissen, welchen Moment im Hotel er selbst am liebsten mag.

Seine Antwort war erstaunlich unspektakulär.

‚Wenn es irgendwie geht, versucht er gegen halb sieben, Viertel vor sieben im Hotel zu sein. Dann kommen die Gäste vom Wandern oder Skifahren zurück oder haben den Tag im Spa verbracht. Sie sind entspannt, der Tag liegt hinter ihnen und sie freuen sich aufs Abendessen.‘

Diese Erwartung in der Luft mag er besonders.

Vielleicht beschreibt das das Singer besser als jede Sterneklassifizierung. 1928 versprach das Hotel seinen Gästen: Licht. Luft. Bequemlichkeit. Fast 100 Jahre später würde ich noch etwas hinzufügen: Ruhe.

Text: Yvonne Wirsing

Hotel Singer Berwang – auf einen Blick

Kategorie: 4-Sterne-Superior, Relais & Châteaux

40 Zimmer & 20 Suiten: 60

Adresse: Berwang 52, A-6622 Berwang, Tirol

Lage: 1.336 Meter, Tiroler Zugspitz Arena

Singer’s SPA: 1.800 m² mit Indoor- & Outdoorpool, Saunen und Fitnessbereich

Alpen-Relax-Garten: 10.000 m²

Besonderheit: Ski-in/Ski-out im Winter, Wanderwege direkt vor der Tür

Check-in / Check-out: 15 Uhr / 11 Uhr

Telefon: +43 5674 8181

Website: hotelsinger.com

Transparenzhinweis: Die Recherche vor Ort erfolgte im Rahmen einer Einladung des Hotel Singer. Übernachtung und Verpflegung wurden vom Hotel übernommen. Auf die redaktionelle Berichterstattung hatte dies keinen Einfluss.

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