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Zwei Sterne im Bayerischen Hof: Kevin Romes und die Kunst der Reduktion

Seit April 2026 führt Kevin Romes das Zwei-Sterne-Restaurant Atelier im Hotel Bayerischer Hof. Der 35-Jährige hat bereits in der Schweiz zwei Michelin-Sterne erkocht – und bringt von dort nicht nur Erfahrungen, sondern auch kulinarische Ideen mit nach München.

Atelier München
Angekommen im Atelier: Kevin Romes führt seit April 2026 die Küche des Zwei-Sterne-Restaurants im Bayerischen Hof. Zuvor erkochte er im Schweizer Skin’s selbst zwei Michelin-Sterne. Foto: Exklusiv München

Manchmal erzählt ein Gericht mehr über einen Koch als die Aufzählung seiner bisherigen Stationen. Bei Kevin Romes ist es an diesem Abend der Balik-Lachs.

Als der neue Küchenchef des Atelier im Bayerischen Hof den Teller vorstellt, kommt er schnell auf die Schweiz zu sprechen. Der Lachs stammt aus Norwegen, veredelt wird er im Toggenburg im Kanton St. Gallen. Und Romes erzählt uns, dass er dieses Gericht aus seiner vorherigen Station in der Schweiz mit nach München gebracht hat.
Das passt zu einem Koch, dessen Karriere eng mit der Schweiz verbunden ist. Und es zeigt gleichzeitig ziemlich genau, was Romes meint, wenn er seine Küche als reduziert beschreibt: Das Produkt steht im Mittelpunkt, die Präsentation bleibt klar, geschmacklich darf es komplex werden.

Seit April 2026 ist Kevin Romes Chef de Cuisine im Atelier des Hotel Bayerischer Hof. Er folgte auf Anton Gschwendtner und übernahm damit eines der renommiertesten Gourmetrestaurants Münchens. Viel Zeit zum Ankommen blieb ihm nicht. Nur wenige Wochen später stand die Michelin-Vergabe an.
Das Atelier behielt seine zwei Michelin-Sterne.

Zwei Sterne kannte Kevin Romes schon vor München

Für Romes selbst war die Zwei-Sterne-Welt allerdings kein Neuland. Bevor er nach München wechselte, führte er das Skin’s – the restaurant in Lenzburg in der Schweiz. Das Restaurant eröffnete 2022 und wurde noch im selben Jahr mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Romes war damals gerade Anfang 30.

In Lenzburg konnte er als Küchenchef seinen eigenen Stil entwickeln. Reduktion ist deshalb keine neue Idee, die erst mit seinem Wechsel in den Bayerischen Hof entstanden ist. Schon seine Schweizer Küche konzentrierte sich auf präzises Handwerk, starke Aromen und eine Präsentation, die dem Produkt Raum lässt.

Dass er bei unserem Treffen immer wieder von seiner Schweizer Zeit erzählt, überrascht deshalb nicht. Es waren wichtige Jahre seiner Karriere – und der Balik-Lachs ist eine kulinarische Verbindung, die nun bis nach München reicht.

Balik Lachs von Kevon Romes
Ein Stück Schweiz im Atelier: Kevin Romes hat das Gericht mit Balik-Lachs aus seiner vorherigen Station mit nach München gebracht. Der Lachs stammt aus Norwegen und wird im Toggenburg im Kanton St. Gallen veredelt.

Ein Lachs aus Norwegen, veredelt im Toggenburg

Auch die Geschichte hinter dem Produkt ist ungewöhnlich. Der Balik-Lachs kommt ursprünglich aus Norwegen und wird anschließend in der Schweiz veredelt. Im Toggenburg im Kanton St. Gallen liegt das Balik-Gut, auf dem der Lachs geräuchert wird.

Für Romes verbindet das Produkt damit gleich mehrere Stationen seiner Laufbahn. Denn lange bevor er in Lenzburg sein eigenes Zwei-Sterne-Restaurant führte, hatte er bereits in St. Gallen gearbeitet.

Heute serviert er das Gericht im Atelier am Münchner Promenadeplatz. So wird der Balik-Lachs zu einer kulinarischen Verbindung zwischen seiner Schweizer Zeit und seinem neuen Arbeitsplatz in München. Er erzählt über Herkunft und Qualität des Produkts – und überlässt anschließend dem Teller den Rest.

Sechs Jahre in Bayerns Spitzenküchen

So neu München für Romes ist, so vertraut ist ihm Bayern.
Der 1991 in Andernach geborene Koch begann seine Ausbildung im Dorint Parkhotel Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach ersten beruflichen Stationen wechselte er 2012 zu Johann Lafer ins Le Val d’Or auf der Stromburg.
2014 kam er erstmals nach Bayern und arbeitete drei Jahre im Restaurant Überfahrt am Tegernsee unter Christian Jürgens.

Danach folgte der Wechsel in die Schweiz ins Einstein Gourmet in St. Gallen, wo er als Souschef unter Sebastian Zier und Moses Ceylan arbeitete. 2019 ging es zurück nach Bayern: Im Schloss Elmau wurde Romes Souschef bei Christoph Rainer im Restaurant Ikigai. Auch dort blieb er drei Jahre.

Dazu kamen Erfahrungen weit über den deutschsprachigen Raum hinaus. Romes absolvierte unter anderem Stages im Vila Joya an der portugiesischen Algarve und im Amber in Hongkong.
Sein Lebenslauf liest sich damit zwar wie das klassische Rüstzeug für die Spitzengastronomie. Interessanter ist aber, was davon heute auf seinen Tellern übrig geblieben ist.

Was Kevin Romes unter Reduktion versteht

„Reduziert“ ist ein Wort, das in der Spitzengastronomie inzwischen häufig verwendet wird. Bei Romes bedeutet es vor allem Klarheit. Seine Teller sollen nicht durch möglichst viele sichtbare Komponenten beeindrucken. Das Produkt gibt die Richtung vor, die Aromen sollen präzise herausgearbeitet werden. Handwerklicher Aufwand darf dahinterstecken – er muss aber nicht demonstrativ auf dem Teller ausgestellt werden.
Gleichzeitig darf es farblich durchaus kräftig werden. Romes arbeitet gerne mit klaren Farbkomponenten und ausgeprägten Geschmacksbildern.

Auch Regionalität versteht er nicht als starre Vorgabe. Für ihn zählt in erster Linie die Qualität des Produkts. Seine verschiedenen Stationen – von Bayern über die Schweiz bis Hongkong und Portugal – geben ihm dafür einen entsprechend großen kulinarischen Fundus.
Der Balik-Lachs passt genau in dieses Bild: norwegischer Ursprung, Schweizer Veredelung, jetzt München.

Sechs oder sieben Gänge – und eine alkoholfreie Menübegleitung

Mit Kevin Romes verändert sich auch das Menü des Atelier. Es umfasst sechs oder sieben Gänge.
Ein zweites Thema ist ihm ebenfalls wichtig: die alkoholfreie Menübegleitung. Wer auf Wein verzichtet, soll deshalb nicht automatisch bei Wasser bleiben, sondern eine eigenständige, auf das Menü abgestimmte Alternative bekommen.

Im Atelier arbeitet Romes mit Souschef Valentin Krehl. Daniela Heizmann leitet das Restaurant, Sommelier Shahzad Talukder verantwortet die rund 300 Positionen umfassende Weinkarte.
Das Restaurant selbst bleibt bewusst klein: 25 Gäste finden regulär Platz, dazu kommen acht Plätze im Privé und vier im Silent Garden. Das Interieur stammt von Axel Vervoordt.

Zwei Sterne bestätigt – jetzt beginnt seine eigene Zeit im Atelier

Als Kevin Romes im April im Bayerischen Hof begann, war die Ausgangslage ungewöhnlich. Zwischen seinem Start und der nächsten Michelin-Entscheidung lagen nur wenige Wochen.
Am 23. Juni kam die Bestätigung: Das Atelier wurde erneut mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet.
Romes selbst stellte anschließend vor allem sein Team heraus. Die Auszeichnung sei Anerkennung für die gemeinsame Arbeit von Küche und Service und gleichzeitig Motivation, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Für München wird es interessant, wie sich das Atelier unter Kevin Romes entwickelt. Er kennt die Arbeit in Drei- und Zwei-Sterne-Küchen, hat in der Schweiz selbst zwei Sterne erkocht und bringt Erfahrungen aus sehr unterschiedlichen kulinarischen Welten mit. Jetzt hat er am Promenadeplatz die Möglichkeit, daraus sein eigenes Kapitel zu machen.
Beim Balik-Lachs konnten wir bereits erleben, was Kevin Romes mit Reduktion meint: klare Präsentation, präzises Handwerk und ein Produkt, das nicht hinter Dekoration verschwindet.
Die zwei Sterne sind bestätigt. Jetzt beginnt Kevin Romes‘ eigene Zeit im Atelier.

Atelier im Hotel Bayerischer Hof

Chef de Cuisine: Kevin Romes
Souschef: Valentin Krehl
Restaurantleitung: Daniela Heizmann
Sommelier: Shahzad Talukder
Menü: sechs oder sieben Gänge, wahlweise mit Weinbegleitung
Weinkarte: rund 300 Positionen
Plätze: 25, zusätzlich 8 im Privé und 4 im Silent Garden
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 18.30 bis 24 Uhr
Adresse: Promenadeplatz 2–6, München
Reservierung: erforderlich

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