V8, Hinterradantrieb, hydraulische Lenkung – und ein echtes Handschaltgetriebe: Mit dem neuen McL 6GT setzt McLaren ausgerechnet im Zeitalter immer stärker digitalisierter Fahrzeuge auf ein Fahrerlebnis, das beinahe aus der Zeit gefallen scheint. Seine Weltpremiere feiert der Supersportwagen bei der Monterey Car Week 2026. Dahinter steckt allerdings mehr als eine Hommage an die eigene Geschichte.

Displays werden größer, Assistenzsysteme zahlreicher und viele Vorgänge im Auto zunehmend automatisiert. McLaren schlägt jetzt bewusst die Gegenrichtung ein.
Der neue McLaren McL 6GT, der im Rahmen der Monterey Car Week 2026 erstmals gezeigt wird, soll das Fahren wieder zu einer möglichst unmittelbaren Angelegenheit zwischen Mensch und Maschine machen. Dafür greift der britische Sportwagenhersteller auf etwas zurück, das in dieser Fahrzeugklasse inzwischen beinahe exotisch geworden ist: ein echtes Handschaltgetriebe.
Für McLaren ist das sogar eine kleine Sensation. Zuletzt gab es diese Form der Kraftübertragung bei einem Straßenfahrzeug der Marke beim legendären McLaren F1 von 1992.
V8, Handschaltung und Hinterradantrieb
Der McL 6GT kombiniert einen V8-Verbrennungsmotor mit Handschaltung und klassischem Hinterradantrieb. Hinzu kommt eine hydraulische Lenkung.
Leistungs- oder Beschleunigungswerte nennt McLaren bislang nicht. Das passt durchaus zur Botschaft des Konzeptfahrzeugs: Beim McL 6GT soll es zunächst weniger um Rekorde auf dem Datenblatt als um das Erlebnis hinter dem Lenkrad gehen.
Jeder Gangwechsel, jede Bewegung des Gaspedals und jeder Lenkimpuls sollen für den Fahrer unmittelbar spürbar bleiben. Selbst die Bedienelemente folgen diesem Ansatz. Präzise gerändeltes Aluminium trifft auf bewusst sichtbar inszenierte technische Komponenten.

Ein kleines Detail erzählt dabei besonders viel über die Idee hinter dem Fahrzeug: Im aufrecht stehenden Schaltknauf befindet sich ein dreidimensionales Speedy-Kiwi-Emblem – eine Referenz an das erste Markenzeichen der McLaren-Geschichte.
Ein fast 60 Jahre alter Traum von Bruce McLaren
Denn so neu der McL 6GT technisch ist, seine eigentliche Geschichte beginnt bereits in den 1960er-Jahren.
Firmengründer Bruce McLaren wollte damals auf Basis des erfolgreichen M6A Can-Am-Rennwagens einen eigenen Straßensportwagen entwickeln. Der daraus entstandene M6GT gilt als Ursprung der McLaren-Straßenfahrzeuge. Bruce McLarens Vision eines eigenen Supersportwagens konnte zu seinen Lebzeiten allerdings nicht mehr vollständig realisiert werden.
Der neue McL 6GT greift diesen Gedanken fast sechs Jahrzehnte später wieder auf.
Schon beim Goodwood Festival of Speed hatte McLaren Special Operations mit einer aufwendig restaurierten Einzelanfertigung des ursprünglichen M6GT an diese Geschichte erinnert. Der McL 6GT führt sie nun in die Zukunft.
Auch das Design zitiert den historischen M6GT
Die Verwandtschaft soll man dem neuen Modell ansehen.
Seine extrem flache und breite Silhouette erinnert an die Rennsportprototypen der 1960er-Jahre. Von der tief liegenden Front ziehen sich klare Flächen bis zum charakteristischen Kamm-Heck. Dach, Heckpartie und Motorabdeckung gehen optisch ineinander über.
McLaren versteckt darüber hinaus eine ganze Reihe kleiner historischer Hinweise im Fahrzeug.
Das von den Rückleuchten des ursprünglichen M6GT inspirierte „Racing Loop“-Motiv wurde in die Aerodynamik integriert. Bruce McLarens historisches M6GT-Kennzeichen taucht als dezente Ton-in-Ton-Grafik auf, seine Unterschrift findet sich im Motorraum. Selbst auf dem Tankdeckel erscheint wieder der Speedy Kiwi.
Damit wird aus der historischen Referenz kein Retrodesign. Vielmehr übersetzt McLaren einzelne Elemente des Originals in eine moderne Formensprache.
Carbon statt Nostalgie
Technologisch bleibt der McL 6GT dabei ein moderner McLaren.
Monocoque und Karosserie bestehen vollständig aus Carbonfaser. Sichtbares Hochglanz-Carbon findet sich auch im Innenraum. Der konsequente Leichtbau gehört seit Jahrzehnten zur Philosophie der Marke und soll beim McL 6GT entsprechend eine zentrale Rolle spielen.
Auch hier hält sich McLaren mit konkreten Zahlen bislang zurück. Ein Fahrzeuggewicht wurde ebenso wenig kommuniziert wie die genaue Leistung des V8.
Das macht deutlich: Was in Monterey zu sehen ist, ist zunächst ein Konzept – allerdings eines mit konkreter Zukunft.
Der McL 6GT soll 2028 auf die Straße kommen
Denn McLaren zeigt mit dem McL 6GT nicht lediglich ein Einzelstück für die Monterey Car Week.
Das Konzeptfahrzeug bildet die Grundlage für ein Produktionsmodell, das 2028 auf den Markt kommen soll. Gleichzeitig kündigt McLaren damit eine neue Art besonders exklusiver Supersportwagen außerhalb seines bisherigen Kernportfolios an.
Damit könnte der McL 6GT auch zeigen, wohin sich ein Teil des automobilen High-End-Marktes entwickelt: Während Digitalisierung und Automatisierung technisch immer mehr möglich machen, wird das bewusste Weglassen möglicherweise selbst zum Privileg.
Ein mechanischer Schaltvorgang statt Automatik. Hydraulische statt maximal entkoppelte Lenkung. Ein V8, dessen Kraft ausschließlich an die Hinterräder geht.
Vielleicht besteht die eigentliche Exklusivität des Supersportwagens von morgen also darin, den Fahrer wieder möglichst viel selbst machen zu lassen.


