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Social Media vor Instagram: Wie die Wiesn schon vor 100 Jahren ihre Bilder verschickte

Ich war hier“ – diese Botschaft gehört zum Oktoberfest schon viel länger als Instagram und TikTok. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gingen Grüße und Bilder von der Wiesn auf Reisen. Zwei Ausstellungen des Münchner Stadtmuseums zeigen 2026, wie eng Oktoberfest, Fotografie und frühe Massenmedien miteinander verbunden sind. Eine davon wartet direkt auf der Oidn Wiesn.

Oktoberfest Attraktionen
Wiesn-Grüße anno 1910: Otto Britschs Postkarte „Gruss vom Oktoberfest“ zeigt das Kasperletheater vor dem Toboggan. Das Original ist in der Ausstellung auf der Oidn Wiesn zu sehen. Verlag Franz Joseph Huber, München, 1910. © Münchner Stadtmuseum

Das Oktoberfest konnte „Social Media“ schon im 19. Jahrhundert

Dirndl, Maßkrug, Riesenrad – und schnell noch ein Foto für Instagram. Dass Besucher ihren Wiesn-Moment festhalten und mit anderen teilen wollen, ist keineswegs eine Erfindung des Smartphones.

Schon im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich das Oktoberfest zu einem Ort, an dem Bilder produziert, gekauft und verschickt wurden. Eine besondere Rolle spielte dabei die Grußkarte. Nach Recherchen des Münchner Stadtmuseums kam der Münchner Ludwig Zrenner 1881 auf die Idee, eine Darstellung des Oktoberfesttreibens mit den Worten „Grüße vom Oktoberfest“ zu versehen und zu verschicken. Das Stadtmuseum bezeichnet ihn als Erfinder der Grußkarte; der Legende nach entstand damit auf dem Oktoberfest sogar die erste Grußkarte der Welt.

„Ich war auf dem Oktoberfest“ – anno 1900

Damals wie heute ging es nicht nur um die Erinnerung an einen schönen Tag, sondern auch darum, anderen zu zeigen: Ich war hier.

Und das ging für damalige Verhältnisse erstaunlich schnell. In München wurde Post zeitweise mehrmals täglich zugestellt. Die Wiesn-Grußkarten entwickelten sich zum Geschäft; bereits wenige Jahre später gab es auf dem Oktoberfest große Verkaufsstände mit Tausenden Karten. 1904 richtete die Post sogar ein eigenes Telegrafen- und Postamt auf der Wiesn ein.

Auf den Karten dominierten Fahrgeschäfte, Festhallen, Bier und Brauereien. Nur Hashtags und Likes fehlten.

Oktoberfest Geschichte
Die Wiesn von oben: Emil Kneiß hielt das Münchner Oktoberfest 1911 auf dieser humoristischen Postkarte aus der Vogelperspektive fest. © Münchner Stadtmuseum

Als das Wiesn-Foto selbst noch eine Attraktion war

Nicht nur Postkarten erzählen diese Geschichte. Auch das Fotografieren selbst gehörte früh zum Jahrmarktsvergnügen.

Genau darum geht es in „Jedes Bild ein Treffer! Fotografie auf dem Jahrmarkt“. Die Ausstellung des Münchner Stadtmuseums ist vom 19. September bis 4. Oktober 2026 im Museumszelt auf der Oidn Wiesn zu sehen. Historische Fotoapparate, Bilder und Artefakte aus Schaustellerbuden zeigen, wie aus einer technischen Sensation ein populäres Jahrmarktsvergnügen und schließlich ein selbstverständlicher Teil unseres Alltags wurde.

Besonders kurios waren Scherzfotografien: Besucher steckten ihren Kopf durch eine Öffnung in einer bemalten Kulisse und nahmen anschließend ein ungewöhnliches Porträt als Wiesn-Souvenir mit nach Hause.

Und die Tradition lebt weiter: In der Ausstellung können sich Besucher auch 2026 von Schausteller Chris Doherty im Retro-Look fotografieren lassen.

13.000 Postkarten erzählen vom Vergnügen um 1900

Parallel dazu macht das Stadtmuseum einen Teil seines historischen Bestands digital zugänglich. Mehr als 13.000 Ansichtskarten aus der Sammlung Puppentheater & Schaustellerei wurden von 2024 bis 2026 mit Unterstützung von bavarikon digital erfasst.

Die neue Online-Ausstellung „Hereinspaziert! Populäre Unterhaltungsformen um 1900 im Spiegel von Postkarten“ zeigt daraus eine Auswahl – von Oktoberfest und Volksfesten über Münchner Bier und Gaststätten bis zu Schaustellergeschäften und Zirkus.

Dabei geht es nicht nur um nostalgische Wiesn-Romantik. Die Ausstellung setzt sich auch mit stereotypen und diskriminierenden Darstellungen auseinander, die auf historischen Postkarten verbreitet waren – darunter Geschlechterklischees, rassistische Motive und sogenannte „Völkerschauen“.

Damit dokumentieren die Karten nicht nur das Vergnügen ihrer Zeit, sondern auch gesellschaftliche Vorstellungen und Vorurteile.

Von der Postkarte zur Instagram-Story

Vom „Gruss vom Oktoberfest“ zur Instagram-Story sind mehr als 100 Jahre vergangen. Die Motive haben sich weniger verändert: Fahrgeschäfte, Bier, Menschen – und die Botschaft, dass man dabei war.

Um 1900 kaufte man eine Postkarte, schrieb einen Wiesn-Gruß darauf und schickte sie nach Hause. Heute landet das Foto Sekunden später bei Instagram. Das Münchner Stadtmuseum zeigt mit den beiden Ausstellungen, wie früh Bilder das öffentliche Bild des Oktoberfests mitgeprägt haben.

Mehr zur Austellung Jedes Bild ein Treffer! Fotografie auf dem Jahrmarkt
19. September bis 4. Oktober 2026
Museumszelt, Oide Wiesn, Oktoberfest München

Hereinspaziert! Populäre Unterhaltungsformen um 1900 im Spiegel von Postkarten
Digitale Ausstellung auf bavarikon – Zur Ausstellung „Jedes Bild ein Treffer!“

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