Offene Regale voller Bücher und Lieblingsstücke, dazu Beistelltische, Leuchten, Kunst und die Dinge des täglichen Lebens: Ein Wohnzimmer kann schnell voller wirken, als einem lieb ist. Gleichzeitig wirkt anspruchsvolle Raumgestaltung oft gerade dann besonders gut, wenn sie Ruhe ausstrahlt. Nicht unbedingt minimalistischer – aber bewusster. Der entscheidende Unterschied: Nicht alles, was wir besitzen, muss auch zu sehen sein. Wer heute ein Wohnzimmer einrichten möchte, steht deshalb vor einer interessanten Frage: Was darf sichtbar bleiben – und was sollte besser verschwinden?

Es gibt Wohnungen, bei denen man beim Betreten sofort das Gefühl hat, dass alles zusammenpasst. Und andere, in denen eigentlich schöne Möbel stehen und trotzdem keine Ruhe entsteht. Das liegt erstaunlich oft nicht am Einrichtungsstil oder am Budget, sondern an der Menge der Dinge, die gleichzeitig um Aufmerksamkeit konkurrieren.
Gerade im Wohnzimmer ist das eine Herausforderung. Hier wird gelesen, ferngesehen, gearbeitet, geladen, gegessen und gelebt. Fernbedienungen, Zeitschriften, Kabel, Decken oder das Tablet gehören zum Alltag – nur eben nicht unbedingt zur Inszenierung eines Raumes.
Wohin mit dem Alltag?
Die Lösung klingt zunächst wenig spektakulär: Stauraum. Interessant wird er erst dann, wenn man ihn nicht mehr als notwendiges Übel betrachtet, sondern als Bestandteil der Raumgestaltung.
Statt zusätzliche Schränke in einen ohnehin eingerichteten Raum zu stellen, übernehmen Möbel deshalb zunehmend mehrere Aufgaben. Eine Sitzbank kann Stauraum verbergen, ein Sideboard zugleich Ablagefläche und Gestaltungselement sein. Selbst ein Couchtisch mit Stauraum kann Zeitschriften, Fernbedienungen oder Ladekabel aufnehmen, die man abends griffbereit haben möchte, aber nicht permanent sehen will. Der Unterschied ist klein – die Wirkung auf einen Raum oft erstaunlich groß.
Nicht alles Schöne muss ins Regal
Das bedeutet allerdings nicht, dass offene Regale verschwinden sollten. Im Gegenteil. Sie funktionieren besser, wenn sie nicht alles aufnehmen müssen.
Ein Kunstband, eine besondere Vase, ein Objekt von einer Reise oder einige bewusst ausgewählte Bücher bekommen mehr Wirkung, wenn um sie herum Platz bleibt. Geschlossener Stauraum übernimmt dagegen den unspektakulären Teil des Lebens. Gerade bei kleineren Wohnzimmern lohnt sich deshalb die Frage: Brauche ich wirklich noch ein Möbelstück – oder müsste das vorhandene Möbel einfach mehr können?
Freie Fläche ist ebenfalls Gestaltung
Beim Einrichten entsteht schnell der Impuls, jeden verfügbaren Platz nutzen zu wollen. Dabei kann gerade ungenutzter Raum ein Luxus sein.
Freie Laufwege, Sichtachsen und etwas Abstand zwischen einzelnen Möbelstücken lassen einen Raum großzügiger wirken. Das gilt besonders dort, wo Quadratmeter knapp sind.
Bevor also die nächste Kommode einzieht, lohnt sich der Blick nach oben. Wandflächen, raumhohe Einbauten oder Regale können Stauraum schaffen, ohne weitere Grundfläche zu besetzen.
Und manchmal ist die beste Entscheidung tatsächlich: nichts mehr dazustellen.
Holz, Metall oder Lack? Stauraum sollte nicht nach Stauraum aussehen
Ob ein Schrank als Fremdkörper wahrgenommen wird oder selbstverständlich zum Raum gehört, entscheidet vor allem seine Gestaltung.
Holz bringt Wärme und lässt sich beispielsweise mit grünen Akzenten kombinieren. Glas und Metall können leichter wirken, glatte grifflose Fronten treten optisch zurück. Strukturierte Oberflächen wiederum dürfen bewusst zum Gestaltungselement werden.
Entscheidend ist weniger, welchem Trend man folgt. Interessanter ist die Wiederholung von Materialien, Farben oder Formen innerhalb eines Raumes. Taucht ein Holzton, ein Metall oder eine bestimmte Farbe an mehreren Stellen wieder auf, entsteht Verbindung – selbst wenn die Möbel nicht aus derselben Serie stammen.
Und dann kommt das Licht
Auch Stauraummöbel müssen nicht einfach nur an der Wand stehen. Licht kann Sideboards, Regale oder Vitrinen fast architektonisch wirken lassen.
Besonders indirekte Beleuchtung verändert Räume am Abend. LED-Leisten unter schwebenden Möbeln lassen massive Elemente leichter erscheinen; integriertes Licht in Regalen oder Vitrinen lenkt den Blick dagegen gezielt auf einzelne Objekte.
Bei LEDs lohnt sich allerdings ein Blick auf Energieverbrauch, Lichtfarbe und Qualität. Die Verbraucherzentrale hat dazu die wichtigsten Kriterien zusammengestellt.
Die eigentliche Kunst: Weglassen
Vielleicht ist das die interessantere Entwicklung beim Einrichten: Ein hochwertiges Wohnzimmer definiert sich nicht mehr darüber, wie viel darin zu sehen ist. Einige Dinge dürfen auffallen. Andere dürfen verschwinden. Denn Kunst, besondere Möbel und persönliche Lieblingsstücke brauchen etwas, das man nicht kaufen kann: Platz um sich herum.


