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Erfolgsgeschichten aus dem bayerischen Einzelhandel: Online shoppen und trotzdem regional

Digitale Strukturen mit der Geschäftswelt vor Ort zu verbinden ist das Business vom Freilassinger Unternehmen „atalanda“. Damit wird die Möglichkeit geboten, Produkte bei lokalen Händlern bequem online zu bestellen und weiterhin mit dem Geschäft in Kontakt zu bleiben. Aktuell vertreten ist die Firma in 24 deutschen Städten. Corona hat dem Geschäftsmodell noch einmal einen positiven Schub gegeben. Für sein erfolgreiches Konzept erhielt Geschäftsführer Roman Heimbold bereits 2015 von der Rid Stiftung den Sonderpreis des Innovationswettbewerbs „Handel im Wandel“. Rückblick und Ausblick einer Erfolgsgeschichte aus dem bayerischen Einzelhandel.

online shoppen onlineund offlineshopping-Strategien auf der lokalen Ebene. Foto: Rid Stiftung/Jan Schmiedel
Roman Heimbold, Geschäftsführer von „atalanda ermöglicht Einzelhändlern seit 2012 online und offlineshopping-Strategien auf lokaler Ebene. Foto: Rid Stiftung/Jan Schmiedel

Der Händler bleibt nicht anonym, sondern ist zentraler ‚online Shopping‘ – Player

Die Konstellation erinnert ein wenig an den biblischen Kampf zwischen David und Goliath. Auf der einen Seite: InternetGiganten wie Amazon, Google und ebay, deren globale Marktführerschaft im Online-Handel ungebrochen scheint. Auf der anderen Seite: kleinere Firmen, die nur regional ein Begriff sind. „atalanda“ im oberbayerischen Freilassing unterstützt mit mittlerweile 14 haupt- und mehreren nebenberuflichen Mitarbeiter*innen den lokalen Einzelhandel.

In den Räumlichkeiten des Unternehmens sind mehrere, große Bildschirme an den Wänden befestigt. Viele Kurvenverläufe mit für die Firma wichtigen Informationen sind darauf zu sehen. Bestellt wird die gewünschte Ware zwar im Internet, aber – und das ist der springende Punkt – der Händler bleibt nicht anonymer Lieferant, dessen Namen man nicht einmal kennt, sondern er bleibt erkennbar. Und zwar nicht nur beim Kauf des Produkts, sondern bei allen weiteren Service- und Dienstleistungen, sowie als persönlicher Ansprechpartner im After-Sales-Bereich. Er ist für den Kunden und die Kundin im wahrsten Sinne des Wortes „sichtbar“.

„Bei den großen Internet-Händlern wird versucht, den Händler ganz nach hinten zu rücken oder gar nicht in Erscheinung treten zu lassen“, schildert der 43-jährige Roman Heimbold. „Wir hingegen geben ihnen eine Plattform, auf der sie sich mit ihren Produkten präsentieren können. Wir fördern den direkten Kontakt zwischen Kunden und Händlern.“

Auch Händler in Pfaffenhofen nutzen die Plattform von „atalanda“. Foto: atalanda
Auch Händler in Pfaffenhofen nutzen die Plattform von „atalanda“. Foto: atalanda

„atalanda“ bietet die Möglichkeit, Produkte von lokalen Händlern einfach und schnell online zu bestellen. Der Kunde kann sich das Sortiment der Händler, die an der Plattform teilnehmen, landesweit online anschauen und sich die Ware dann bequem nach Hause liefern lassen. Dies noch am selben Tag – wenn der Kunde im gleichen Ort wohnt. Alternativ kann er den gewünschten Artikel aber auch – und das unterscheidet „atalanda“ von der Konkurrenz – in seinem Wohnort selbst abholen.

„Einfach online aussuchen und die Ware dann im jeweiligen Geschäft persönlich entgegennehmen“, schildert der Verkaufsprofi. Inzwischen präsentieren viele teilnehmende Händler aus ganz Deutschland, von Hamburg über Wuppertal bis nach Günzburg und Pfaffenhofen, ihr Sortiment im OnlineSchaufenster von „atalanda“.

Same Day Delivery funktioniert nicht nur bei Amazon

Wie er es von einem lokalen Geschäft gewohnt ist, kann sich der Interessent das Angebot der jeweiligen Geschäfte vor Ort bequem anschauen und sich ganz in Ruhe für das gewünschte Produkt entscheiden. Die Firma ist derzeit deutschlandweit in 24 Städten vertreten – neben den genannten unter anderem in Heilbronn, Monheim am Rhein, Ettlingen, Bochum und vielen anderen. Immer wieder kommen neue hinzu.

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Alles ist mobile optimiert. Fotocredit: Rid Stiftung, Jan Schmiedel

Städte und Gemeinden als zentrales Warenlager

Heimbold gab eine sichere und gut dotierte Anstellung als Geschäftsführer einer Medienagentur in München für seine neue Idee auf. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit unterrichtete er auch an der Fachhochschule Salzburg in der Sparte Multimediatechnologie. Nach einer Vorlesung, kam ihm die entscheidende Marketingidee: Städte, Gemeinden und andere Ortschaften als „dezentrales Warenlager“ zu begreifen und ihnen ein umfassendes Forum für die Produkte ihrer Händler zu geben.

„Im Grunde sind ja alle Strukturen schon da, man muss nur einen übergeordneten Marktplatz schaffen.“ Der dreifache Familienvater machte sich ans Werk – und landete erst einmal einen Flop. 2012 war das. In Hamburg und Salzburg klopften er und sein Team bei den unterschiedlichsten Händlern an. Weit über zwei Drittel bekundeten sogleich ihr Interesse, einzusteigen und ihre Waren über die neue Plattform zu präsentieren. Doch als es dann an die Umsetzung ging, ließen ihn einige im Stich.

Zwei Dinge waren erfolgsentscheidend

„Es ist einfach nichts passiert. Das war frustrierend. Ich spielte mit dem Gedanken, alles hinzuschmeißen“, bekennt der Geschäftsmann freimütig. Doch wie so oft im Leben kommt der Erfolg dann, wenn man ihn am wenigsten erwartet. Bei Heimbold waren das der LocalCommerce-Experte Andreas Haderlein und die Wirtschaftsförderer der nordrhein-westfälischen Stadt Wuppertal. Sie waren auf den neuen, im Aufbau begriffenen Dienst aufmerksam geworden, von der Idee fasziniert. Zahlreiche der Wuppertaler Einzelhändler stiegen ein und schufen so das erste breite Fundament der neuen Plattform im Netz.

Seitdem weiß Heimbold, dass es für seinen Unternehmenserfolg auf zwei Dinge ankommt: „Es muss jemanden geben, der die Beziehungen vor Ort herstellt, also eine Art sozialen Kümmerer, und die Händler müssen motiviert sein. Sonst klappt es nicht. Der Wunsch nach einer solchen Plattform, wie wir sie bieten, muss von innen herauskommen. Von ganzem Herzen.“

Handel im Wandel

Die seit Anfang 2020 allgegenwärtige Corona-Krise hat dem Unternehmen noch einmal einen Schub nach oben gegeben. Die Umsätze sind in den vergangenen Monaten wegen des Lockdowns deutlich gewachsen. „Die Menschen kaufen immer mehr von Zuhause aus. Davon profitiert unser Dienst natürlich.“

Das Online Sortiment fürs Online Shopping ist mittlerweile beachtlich. Ob aktuelle Damen- und Herrenmode oder Textilien für Kinder, ob Bücher und Medien, ob Elektronik oder Lebensmittel. Auch ortsansässige Dienstleister bieten ihre Leistungen bei „atalanda“ mittlerweile an. Ein Termin beim Friseur, Steuerberater oder Physiotherapeuten kann online genauso schnell angefragt werden wie ein Wochenendausflug mit der Familie.

Neue Services

Außerdem kann sich der Nutzer bzw. die Nutzerin zentrale Informationen zu neuen Restaurants, Hotels oder Eisdielen in seiner Stadt verschaffen und einen Überblick über anstehende Veranstaltungen in der Region bekommen. Und auch hier gilt wieder die Devise: online kaufen, doch auf den Service und die Dienstleistungen des Händlers vor Ort nicht verzichten müssen!

Genau dieses Zusammenspiel aus unterschiedlichen Erfolgsfaktoren war es, was die Rid Stiftung dazu veranlasste, „atalanda“ den Sonderpreis des Innovationswettbewerbs „Handel im Wandel“ 2015 zu verleihen. „Es gibt schon seit einigen Jahren verschiedene Ansätze für Online-Marktplätze, mittlerweile auch viele gute. Bei atalanda hat damals bereits überzeugt, dass Herr Heimbold nicht nur einen technologischen Ansatz verfolgte, sondern erkannt hatte, dass es auch um ein lokales Kooperationsproblem geht“, begründet Vorständin Michaela Pichlbauer die damalige Entscheidung der Jury.

Der Wettbewerb wurde ins Leben gerufen, um sichtbar zu machen, welche vielversprechenden Ansätze es bereits im mittelständischen Einzelhandel gibt, um die Online-Welt mit der Offline-Welt klug zu verbinden. Das Beispiel „atalanda“ zeigt: Einen Goliath herauszufordern, ist gar nicht so schwer. Man muss nur ein kleiner David sein, eine zündende Idee haben und sie im richtigen Augenblick gemeinsam mit anderen umsetzen.

Text: Rafael Sala

Hier gehts zum Online-Marktplatz von atalanda!

Zur Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel

Die Rid Stiftung fördert seit über 30 Jahren Händlerinnen und Händler mit kostenfreien Aus- und Weiterbildungsprogrammen und mittelständische Unternehmen mit intensiven Coaching-Programmen. Sie wurde 1988 von Dr. Günther Rid gegründet, der nicht nur BETTENRID zu einem über Bayerns Grenzen hinaus bekannten Fachgeschäft gemacht hat, sondern dessen Vision es war, die Existenz des mittelständischen Einzelhandels zu sichern und damit auch die Vielfalt der Stadtkultur zu erhalten. Die Zukunftsthemen Innovation, Kooperation und Digitalisierung stehen im Fokus der aktuellen Stiftungsarbeit.

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