Montag , April 19 2021
Home / Business / Wie Milliardär Erivan Haub der Philatelie 2021 einen Aufschwung beschert

Wie Milliardär Erivan Haub der Philatelie 2021 einen Aufschwung beschert

Der Philatelie Markt ist für viele ein Brief mit sieben Siegeln! Kaum einer wusste, dass Milliardär Erivan Haub Briefmarken sammelte. Man wusste, dass Kunst für ihn wichtig war. Einige Werke, u.a. von Tony Cragg findet man deshalb auch in seinem Hotel Alpenhof Murnau. Dabei ist auch seine Briefmarkensammlung beispiellos. Der ehemalige Tengelmann-Chef Erivan Haub sammelte rund 8.000 Auktionslose, die innerhalb von fünf Jahren in insgesamt 30 Briefmarkenauktionen unter den Hammer kommen. Nach knapp der Hälfte der Auktionen ziehen die Auktionshäuser eine Zwischenbilanz. Die Sammlung des ehemaligen Tengelmann-Chefs hat eine zunehmende Dynamik in der philatelistischen Welt ausgelöst. Die Objekte erzielen Wertsteigerungen und neue Sammler bieten mit. 

Die beiden CEO’s vom Auktionshaus Heinrich Köhler, Dieter Michelson (links) und Karl Louis (rechts) mit dem Baden-Fehldruck, der für 1,26 Millionen Euro in Wiesbaden versteigert wurde. Fotocredit: Heinrich Köhler Auktionshaus

Höchstpreise für legendäre Briefmarken

28 Briefmarken und Briefe haben in den bisherigen 14 Auktionen einen Top-Zuschlag von über 100.000 Euro erhalten. Der unbestrittene Höhepunkt war die Versteigerung des legendären „Baden-Fehldrucks“, der Ikone der deutschen Philatelie. Ein Sammler aus Deutschland ersteigerte die Rarität für 1,26 Millionen Euro bei einem Startgebot von 800.000 Euro im Juni 2019 in Wiesbaden. Damit ist der Baden-Fehldruck die teuerste Briefmarke Deutschlands.

Der berühmte Blue Boy gilt als Ikone der amerikanischen Philatelie. Es gibt nur dieses eine Exemplar – noch dazu auf dem original verwendeten Briefumschlag.
Der berühmte Blue Boy gilt als Ikone der amerikanischen Philatelie. Es gibt nur dieses eine Exemplar – noch dazu auf dem original verwendeten Briefumschlag.

Das Highlight bei der ersten Auktion in New York war das berühmte amerikanische Briefmarken-Unikat „Alexandria Blue Boy“. Das Spitzenstück, das einen heimlichen Liebesbrief frankiert, wurde für eine Million US-Dollar versteigert. Im Januar 2021 erzielte ein Juwel der Schweizer Philatelie eine Aufsteigerung von 80 Prozent. Der Greifensee-Brief erhielt den Zuschlag bei 540.000 Schweizer Franken bei einem Ausruf von 300.000 Schweizer Franken.

Philatelie Markt wieder mit attraktiven Wertentwicklungen 

Alle Sammelgebiete erfreuen sich bei den Auktionen großer Beliebtheit, was die Auktionshäuser in Freude versetzt. „Die Sammlung ERIVAN sorgt für eine Revitalisierung der Philatelie. Das Interesse an den Sammelgebieten in der Breite ist überragend. Der Ausrufpreis über alle Auktionen hat sich bisher verdoppelt. Sogar das Sammelgebiet Preußen, das in den Jahren zuvor etwas außer Mode war, ist jetzt heiß begehrt und hat neue Bieter hervorgebracht“, sagt Dieter Michelson, geschäftsführender Gesellschafter des Auktionshauses Heinrich Köhler in Wiesbaden, Deutschlands ältestem Briefmarkenauktionshaus. „Die Stücke der Sammlung ERIVAN lassen selbst erfahrene Sammler ins Schwärmen geraten. Denn einige von ihnen waren seit 50 Jahren nicht mehr auf dem Markt.“

Warum wird die Briefmarkensammlung von Milliardär Haub überhaupt verkauft?

Erivan Haub hatte sich Jahre vor seinem Tod dazu entschieden, durch den Verkauf seine Briefmarken der nächsten Sammlergeneration für ihre Kollektionen verfügbar zu machen. Neben den bekannten Bietern begrüßen die Auktionshäuser bei den Versteigerungen neue Gesichter. Das sind einerseits Sammler, die neue Gebiete für sich entdeckt haben und andererseits Personen, die bisher keine Briefmarken gesammelt haben.

„Einige der Bieter haben Jahrzehnte auf die Chance gewartet, dass ihr philatelistisches Traumstück in einer Auktion angeboten wird. Sie fassen es als Lebensaufgabe auf, ihre individuelle Sammlung zu komplettieren“, sagt Karl Louis, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter des Heinrich Köhler Auktionshauses. „Das spiegelt sich in den extremen Wertsteigerungen einiger Briefmarken und Briefe wider. Die intensiven Bieterkämpfe zeigen, dass Sammler die Stücke wieder als Investition wahrnehmen.“

Philatelie so beliebt wie nie
Erivan Haub erwarb „Das Große Los“ aus Sachsen im Jahr 2010 für 39.000 Euro. Bei der ERIVAN-Auktion im Dezember 2019 in Wiesbaden fiel der Hammer des Auktionators bei 70.000 Euro.

Zwei Beispiele: „Das Große Los“ ist die unter Philatelisten bekannte Bezeichnung für Sachsens erste Briefmarke auf einer Postsendung auf einem Lotterielos der 39. Sächsischen Landeslotterie von 1851. Das Stück erzielte 1958 bei einer Auktion in den USA umgerechnet 1.950 Euro. Erivan Haub erwarb die Rarität im Jahr 2010 bereits für 39.000 Euro. Bei der ERIVAN-Auktion im Dezember 2019 in Wiesbaden fiel der Hammer des Auktionators bei bemerkenswerten 70.000 Euro.

Briefmarken-Kaufpreise von Haub

Eine ähnliche Entwicklung war auch bei einem Brief vom „Kreis-Comite des landwirtschaftlichen Vereins“ aus Augsburg zu beobachten. Der Brief mit einer bayrischen 6-Kreuzer-Briefmarke wurde am 1. November 1849 versendet, dem Erstausgabetag von Briefmarken in Deutschland. Haub hatte bei einer Versteigerung im Jahr 1986 einen Zuschlagspreis von umgerechnet 15.000 Euro bezahlt. Im Juni 2020 musste ein Sammler mit 95.000 Euro mehr als den sechsfachen Auktionszuschlag von 1986 auf den Tisch legen, um den bedeutenden Brief seiner Sammlung beifügen zu können. Die Beispiele zeigen, dass ein „alternatives Investment“ in begehrte und seltene Spitzenstücke neben dem Sammlerstolz langfristig auch finanzielle Freude bringen kann.

Philatelie Markt generell

Der Markt hängt stark von den individuellen Interessen der Sammler ab. Dieser wurde durch die Briefmarken und Briefe von Erivan Haub neu entfacht. Die nächsten Versteigerungen wird der Bayern-Doppelbogen mit Deutschlands erster Briefmarke bei der fünften Auktion der Altdeutschen Staaten sein. Fazit: Die Investition in begehrte Briefmarken und Briefe kann über lange Zeiträume attraktive Wertentwicklungen erzielen.

LESETIPP

Rechtssicherheit in Unternehmen: 7 Fragen an den Münchner Rechtsanwalt Michael Voltz

Bereits vor der Pandemie ist ONLINE immer wichtiger geworden. Jetzt müssen Unternehmen mehr Internet-Services bieten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir haben beim Münchner Rechtsanwalt Michael Voltz (Experte für Gewerblichen Rechtsschutz, Wettbewerbsrecht bis IT-Recht) nachgefragt, wo die Fallstricke lauern!