Dienstag , Oktober 20 2020
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Einkaufen in der Nähe: Münchner Händler gegen Amazon, Alibaba, Google & Co.

Geschlossene Geschäfte, leere Fußgängerzonen und Innenstädte, wenig Umsätze, laufende Kosten und eine ungewisse Zukunft für den Handel zeigen den dringenden Handlungsbedarf auf, neue Wege zu gehen. #kauflokal wird zur digitalen Shopping Mall und lädt alle einheimischen, lokal ansässigen, mittelständisch geprägten Traditionshäuser, inhabergeführte Einzelhandelsunternehmen sowie Start-Ups zur Teilnahme ein. Das digitale Projekt will das Online-Geschäft lokaler stationärer Händler in Deutschland fördern und startet zunächst in München. ‚Es geht nicht nur darum, stationär lokal zu kaufen, sondern auch online lokal zu kaufen‘, so David Thomas, Initiator der Aktion KAUF LOKAL.

#kauflokal geht neue Wege, um das Einkaufen in der Nähe zu fördern.
#kauflokal geht neue Wege, um das Einkaufen in der Nähe und damit der lokalen Händler zu fördern.

Das neue Portal soll ab sofort das digitale Schaufenster für die lokalen Händler sein. Es werden keine Käufe darüber abgewickelt. Zum Beispiel sind Bettenrid, Hirmer, Hugendubel, Konen oder Sporthaus Schuster bereits Teilnehmer der ersten Stunde. Jeder angeschlossene Händler bekommt die Möglichkeit, sein Online-Angebot unkompliziert und kostenfrei zu präsentieren.

Die Nutzerführung im Portal wird so angelegt sein, dass Kunden durch verschiedene Produktwelten navigieren und anschließend direkt zum Shop des Händlers geführt werden. Zudem wird ein Store-Finder installiert, worüber Postleitzahl- und Ortssuche abgewickelt werden können.

Warum Einkaufen in der Nähe so wichtig ist!

Interview mit zwei der Initiatoren

Einkaufen in der Nähe
Die KAUFLOKAL.com-Initiatoren Konstantin Rentrop vom Sporthaus Schuster (li.) und David Thomas von Hirmer (re.) im Interview zu Hintergründen, Motivation, Chancen und Ausblick.

Wie kam es zu Kauflokal.com?

David Thomas: ‚Kauflokal.com ist aus der vor fünf Jahren gestarteten, stationären Initiative „KAUF LOKAL“ in München entstanden. Die aktuell sehr herausfordernden Zeiten für den Handel, herbeigeführt durch die Schließungen, den Lockdown in seiner gesamten Bandbreite und die daraus resultierenden Befürchtungen für unsere zukünftige Handelslandschaft nach Corona, haben zur Initiierung von Kauflokal.com geführt.‘

Gab es einen Initiativ-Moment?

Konstantin Rentrop: ‚Die Idee, dass sich lokale Platzhirsche auch im Netz auf einer Vermarktungsplattform zusammenzuschließen, gab es schon länger. Der Handlungsdruck durch Corona hat dann aber eine völlig neue Dynamik in diesen Prozess gebracht und die ersten Gespräche mit anderen Händlern haben uns bestätigt und motiviert, diese Idee auch schnellstmöglich umzusetzen.‘

Wieviele Händler sind schon dabei?

Konstantin Rentrop: ‚Zum Start hatten wir bereits über 300 angebundene Händler – vom kleinen Schmuckladen ohne eigenen Onlineshop bis hin zum großen Traditions-Buchhändler Hugendubel mit Filialen in ganz Deutschland und eigenem Onlineshop. Aktuell findet man schon über 5,7 Millionen Produkte aus den Bereichen Mode/Textilien, Feinkost, Elektronik, Home & Living, Beauty und Kosmetik, Unterhaltung und Bücher und aus vielen weiteren Kategorien.‘

Was wollen Sie mir kauflokal.com erreichen?

Daniel Thomas: ‚Wir wollen bewusst einen Gegenpol zu den riesigen Online-Plattformen wie z.B. Amazon schaffen. Es geht nicht darum, als einzelner Markplatz dagegenzuhalten, sondern gemeinsam mit dem gesamten mittelständisch geprägten Einzelhandel in Deutschland auf einem Marktplatz eine lokale Alternative zu bieten. Stellen Sie sich vor, Sie suchen ein Produkt – gemütlich von zu Hause aus. Anstelle es bei Google zu suchen, geben Sie es bei Kauflokal.com ein und finden entweder Händler aus der eigenen Stadt, die es führen oder aus einer anderen deutschen Stadt. Sie können nun entscheiden, ob man einfach stationär den Laden aufsucht oder direkt bei ihm im Onlineshop das gewünschte Produkt kauft. So werden lokal Arbeitsplätze gesichert und die Vielfalt des innerstädtischen Handels ein stückweit gesichert.‘

Haben Sie denn überhaupt eine Chance gegenüber Amazon und Co.?

Daniel Thomas: ‚Alleine nicht, aber gemeinsam mit dem lokalen mittelständischen Einzelhandel in Deutschland schon.‘

Braucht es überhaupt eine neue digitale Plattform für den Handel – gibt es nicht schon genug?

Daniel Thomas: ‚Gerade in den letzten Wochen sind einige Initiativen in Deutschland und sogar weltweit entstanden. Das zeigt doch, dass es einen Bedarf gibt. Aber was passiert jetzt, wo der Einzelhandel langsam wieder hochfährt? Wir glauben nicht, dass dann noch „Gutscheine“ als Support reichen, geschweige denn gekauft werden. Es geht um die Produkte und überhaupt darum zu wissen, wer eigentlich ein lokaler Anbieter ist. Das ist einer der größten USPs von unserer neuen Plattform. Wir bilden die gesamte Produktpalette der angeschlossenen Händler ab. Der Checkout findet dann aber bei dem Händler direkt statt. Und wir stellen sicher, dass es sich wirklich um lokale Unternehmen handelt. Eine Art Gütesiegel sozusagen.‘

Konstantin Rentrop: ‚Es geht ja nicht um ein entweder/oder, auch der Vergleich mit Amazon oder anderen Plattformen gefällt mir an dieser Stelle nicht. Es geht um das Konsumverhalten unserer Kunden und die Bewusstmachung, welche Vielfalt doch der lokale Handel in Deutschland noch hat. Je mehr Aufmerksamkeit der qualitative Fachhandel dadurch erfährt, umso besser für diesen. Kauflokal.com ist auch eine Plattform, um die lokalen Initiativen zu fördern und sich mit ihnen zu verbinden. Letztendlich geht es um mehr Sichtbarkeit für alle. Wir sehen andere Initiativen nicht als Mitbewerber, sondern bestenfalls als partnerschaftliche Multiplikatoren.‘

Wie werden die Händler ausgewählt, kuratiert? 

Daniel Thomas: ‚Kauflokal.com richtet sich an inhabergeführte, qualitative und städteprägende Händler. Aber auch Start-Ups die mit ihren Ideen neue Wege gehen.‘

Kostet die Teilnahme etwas für die Unternehmen?

Daniel Thomas: ‚Um den lokalen Handel aktuell zu unterstützen, haben wir uns dazu entschlossen, dass eine Teilnahme bis auf weiteres kostenlos ist.‘

Wo sehen Sie kauflokal.com in sechs Monaten und in einem Jahr?

Daniel Thomas: ‚In sechs Monaten mit über 30.Millionen Produkten online. Und weitere sechs Monate später als ernstzunehmende lokale Alternative zu den großen Onlineplattformen.

Konstantin Rentrop: ‚Meine Vision ist es, dass Kauf Lokal in einem Jahr Teil der Customer Journey wird und eine Rolle bei der Kaufentscheidung unserer Konsumenten spielt – online wie offline.‘

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