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Golfpark Aschheim: Home of Inklusion mit erstem Jugendgolfturnier

Im Golfpark München Aschheim (GPMA) wird  am Sonntag, 29. April 2018, erstmals in Deutschland ein Inklusionsturnier zwischen Jungen und Mädchen der Jugendmannschaft  (bis 18 Jahre) und Golfern*innen mit Behinderung ausgetragen.

Golfpark Aschheim
Golftrainerin Elizabeth Höh mit Schüler Paul, Fritz Bräuninger (Inklusionsbeauftragter des Clubs) und Golfclub-CEO Jochen Hornig. Foto: Herbert Wirtz

Das Teilnehmerfeld wird auf beiden Seiten (Behindert bzw. Nicht-Behindert) jeweils 20 Spieler (also insgesamt ca. 40 Aktive + einige Begleitpersonen für die seh- und mentalbehinderten Spieler) umfassen, die bei einem regelkonformen 9-Loch-Inklusionsturnier (Best-Ball-Scramble) auf Augenhöhe ihre Kräfte messen und auf dem Platz und danach das sportlich-inklusive Gemeinschaftserlebnis empfinden und teilen. Ursprünglich hätte das Turnier bereits im September vorigen Jahres stattfinden sollen. Doch Dauerregen machte damals alle Planungen zunichte.

Ziel des Projekts ist es, jungen Menschen mit einem Höchstmaß an Praxisnähe und durch hautnahes und unmittelbares Erleben die Faszination und Bedeutung von Inklusion zu vermitteln. Auf Deutsch heißt „Inklusion“ so viel wie gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen gesellschaftlichen Bereichen.  Pädagogisch wertvoll und so bislang noch nicht praktiziert!

Im Vorfeld wurden die Jugendlichen bei einer Trainingseinheit informell („Inklusions-Talk“) von vier  Golfern mit Behinderung  (Blind, Conterganer, Schlaganfall, Gehörlos) sowie ihrer Trainerin bereits in das Thema und seine Besonderheiten eingeführt und zielgerichtet vorbereitet.

Verstärkung für die „HandicapStars“

Die seit mehreren Jahren bestehende Trainingsgruppe der Golfer mit Behinderung trägt in Golfpark München-Aschheim den Namen „HandicapStars“ und läuft unter Regie der spezialisierten Trainerin Elizabeth Höh. Etwa 10 dieser Sportler (GdB 50 plus, Jugendliche und Erwachsene, insgesamt umfasst die Gruppe ca. 30 Personen) sind durch Schlaganfälle/Gehirnblutungen, Gehörlosigkeit, COPD, Lungentransplantationen, Down-Syndrom etc. gesundheitlich gehandicapt, verfügen aber gleichwohl über eine offizielle Turnierreife. Um auch die Behinderungsklassen „Blind“, „Amputationen im Bereich Bein/Arm“, „Conterganer“, „Rollstuhlfahrer (querschnittsgelähmt)“, „Mental“ (Special Olympics),  und „Sonstige“ mit einzubeziehen, werden die HandicapStars ihr Team mit ca. 10 weiteren Spielern (überwiegend aus dem Landkreis München und Oberbayern) verstärken.

Blind putten, selber testen

Das Pavillon-Zelt nahe dem Putting-Green auf dem Golfplatz-Gelände wird zum „Meeting Point“ für Teilnehmer und Publikum. An den Stationen „ Blind“, „Arm“ und „ Bein“ auf dem Putting-Green sowie einem Chip-Wettbewerb ins Planschbecken können die Besucher und Gäste (darunter auch interessierte Schüler aus Aschheim/Kirchheim und deren Eltern) selber testen und praktisch erleben, wie es ist, als Spieler mit gesundheitlichem Handicap diesen Sport freudvoll  auszuüben.

Inklusions-Lounge mit Polit-Prominenz im Golfclub

Vor der Siegerehrung für die aktiven Teilnehmer wird es in der „ Inklusions-Lounge“ (großer Saal im Club-Restaurant) ein ca. 30 minütiges moderiertes Podiumsgespräch mit Experten und Politikern geben. Teilnehmer sind:

Irmgard Badura, Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung,
Christoph Göbel, Landrat des Landkreises München,
Thomas Glashauser, Bürgermeister der Gemeinde Aschheim,
Norbert Löhlein, Präsident des Bayerischen Golfverbandes und Schirmherr.
Moderation: Fritz Häring, Sportchef des Bayerischen Rundfunks, BR 5 aktuell.

„Die von Aschheim ausgehenden Inklusions-Aktivitäten sind in den vergangenen Jahren von der Öffentlichkeit stark wahrgenommen worden“, sagt Jochen Hornig, Geschäftsführer des Golfparks. Es stehe zu erwarten, dass Golf spielende Jugendliche verstärkt in das Inklusions-Geschehen der Clubs und Anlagen einbezogen werden. Für Interessenten und ein breiteres Publikum ist das Projekt auch insofern von großer Bedeutung, weil es neue Wege der inklusiven Sportausübung aufzeigt, die Jugendliche und Erwachsene mit körperlichen Behinderungen gleichermaßen anspricht. Überdies ist durch medizinische und sportwissenschaftliche Studien belegt, dass Golfsport in therapeutischer Hinsicht vielfach besonders geeignet ist.

Text: Friedrich Bräuninger/EG

Golf und Inklusion bereits 2015

Manch Einarmiger unter den besten Behinderten in Europa schlägt bis zu 300 Meter (!) weit, Blinde spielen unter Anleitung eines Helfers, wie es sich so manch Sehender wünschen würde, sie putten traumhaft aus dem Rollstuhl heraus – und fast alle wirken trotz ihres Schicksals glücklich und zufrieden: Wer – wie 25 Journalisten es Ende April getan haben – im Golfpark München-Aschheim einmal zusammen mit Behinderten mit verschiedensten körperlichen Handicaps über eine Golfrunde geht, lernt sich, sein Verhalten und seinen Sport völlig neu kennen – und definiert sein eigenes Leben plötzlich ganz anders.

Golfpark-Aschheim-Inklusion-Fotocredit-Wirtz
Begeisterter Flight beim 1. Golfcup Medien und Behinderte: Dr.med. Pilz (‚Golf hilft den Behinderten‘), Journalist Herbert Jung, Rollstuhlfahrer und BGC-Sportwart Christian Nachtwey, Ernst Peitinger und Aschheim-Geschäftsfrüher Jochen Hornig. Fotocredit: Herbert Wirtz

Vor den Internationalen Bayerischen Meisterschaften der Behinderten, die der Bayerische Golfverband (BGV) vom 10.-12. Juli im Golfpark Aschheim östlich von München mit über 70 Teilnehmern abhält, demonstrierten die gesunden und behinderten Golfer in Mix-Flights par excellence, dass die angestrebte Inklusion durch den Golfsport leicht(er) machbar ist. Die gesunden ‚Test-Spieler‘ lernten von den Behinderten, die keinerlei Regelvorzüge haben und z.B. auch mit ihren schweren Elektro-Rollstühlen in die Sandbunker fahren müssen (oder einen Strafschlag erhalten), jegliche Hemmschwellen abzubauen – und so mancher von ihnen fand unter den Golfern mit wahrem Handicap neue Freunde. Das Aschheimer Test-Turnier stand unter dem Motto: ‚Das Erlebnis war wichtiger als das Ergebnis.‘

Golfsport aus therapeutischer Sicht

Dr. Philipp Pilz, Oberarzt der Neurologischen Kliniken in Günzburg und selbst Golfer, erklärte den Golfsport auf der Basis umfangreicher Studien aus sportwissenschaftlicher und medizinischer Sicht sogar für besonders wertvoll und bestens geeignet für Rehabilitationen. Besonders beeindruckend und zudem gut spielen in Anbetracht ihres Handicaps blinde Golfer wie z.B. der 67jährige Ex-Eishockey-Profi Ivars Weide, der genetisch bedingt erblindete und dessen Frau Gaby mit Mini-Anweisungen die Lage und Linie des Balles vorgibt, bevor der sog. Schwarzblinde (der gar nichts sieht) selbst zuschlägt.

Auch Querschnittgelähmte haben dank Golf und guter Rollstuhl-Technik neuen Spaß am Leben gewonnen. Im Golfpark München-Aschheim wird schon seit Jahren unter Anleitung von Trainerin Elisabeth Höh Patienten mit Down-Syndrom, darunter viele Jugendliche, durch den Golfsport dahingehend geholfen, dass ihr Schicksal nicht in Untätigkeit enden muss.

P.S.: In Deutschland spielen ca. 150 Behinderte regelmäßig Turniergolf, weltweit sind ca. 400 ‚auf Tour‘. Beim Thema ‚Golf und Inklusive‘ sind Holland, Japan und Südafrika führend. Größtes Problem in der wirtschaftlichen Weltmacht Deutschland ist nach wie vor die noch lange nicht allerorts gegebene Barrierefreiheit… Internationalen Meisterschaften für Golfer mit Behinderung finden im Juli 2015 erstmals im Golfclub Aschheim statt! 2014 wurden diese in Maria-Bildhausen ausgetragen.

Autor: Conny Conzack

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