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Cannabis groß in Mode: Stylebop-Gründer wechselt in die Medizin

Er brachte als einer der ersten Luxus-Mode ins Internet: Mario Eimuth. Im Jahr 2004 gründete er „Stylebop“ und machte mit dem Luxus-Online-Portal für Designer-Labels Frauen in aller Welt glücklich. Couture-Roben, Stilettos und It-Bags sind für ihn jetzt Schnee von gestern. Eimuth verabschiedete sich vor zweieinhalb Jahren aus der Geschäftsführung und verkaufte das bekannte Online-Portal. Jetzt wechselte er sogar das Business!

Cannabis Unternehmer Marco Eimuth. Fotocredit: Mike Meyer
Cannabis Unternehmer Mario Eimuth. Fotocredit: Mike Meyer

Der Mode-Experte, der bei den Fashion-Shows in der First Row saß und bei seinen hippen Fashion-Partys umgeben von Stars und Top-Models war, macht jetzt Medizin. Genauer gesagt Cannabis und zählt damit – wie in der Vergangenheit auch – hierzulande zu den Allerersten.

Im vergangenen Jahr gründete er mit seinem Bruder Thorsten Eimuth die „Adrexpharma“ und bringt Cannabisprodukte in Deutschlands Apotheken. Das Cannabidiol, kurz CBD, ein Inhaltsstoff des Nutzhanfs, bildet die Basis für die Produkte, darunter Öle und Kapseln. Im Interview spricht er über seinen Weg von der Mode zur Medizin und erzählt, wie er überhaupt an den neuen „Stoff“ geraten ist.

Von der Couture zum Cannabis. Wie kamen Sie von der Mode in den Pharmabereich?

Mario Eimuth: „Eigentlich durch Zufall. Ein guter Freund von mir hatte vor zweieinhalb Jahren einen schweren Bandscheibenvorfall. Die OP ist leider schief gelaufen, so dass er zum Dauerschmerzpatienten wurde. Er musste jeden Tag starke Schmerzmittel einnehmen. Die Dosis des Medikaments wurde immer höher, die Nebenwirkungen aber auch! Das Pillendöschen war sein treuester Begleiter.

Ohne seine Medikamente konnte er seinen Alltag nicht mehr bewältigen. Nachdem im März 2017 das Cannabis-Gesetz im Bundestag verabschiedet wurde, hat sein Arzt ihm eine Cannabis-Therapie vorgeschlagen. Diese hat so gut angeschlagen, dass er heute keine Medikamente mehr einnehmen muss. Er inhaliert heute noch morgens und abends die Cannabis-Medikamente mit dem Vaporisator – mehr nicht. So kam es, dass ich mich mit dem Thema intensiv beschäftigt habe…“

Wie wurde ein Business draus?

Mario Eimuth:„Seit März 2017 gibt es Cannabis in Deutschland auf Rezept. Durch diese Legalisierung sind eine komplett neue Wissenschaft und eine völlig neue Industrie entstanden. Vor etwas mehr als einem Jahr haben mein Bruder Thorsten und ich die Adrexpharma gegründet. Zusammen mit einem Schulfreund von uns, dessen Familie seit 200 Jahren in der Pharmabranche tätig ist. Wir haben eine Drei-Säulen-Strategie entwickelt: die erste Säule sind Nahrungsergänzungsmittel, also die CBD-Produkte, die frei in den Apotheken erhältlich sind. Dann, als zweite Säule, die Cannabis-Blüten und -Extrakte, die zu den verschreibungspflichtigen Betäubungsmitteln zählen. Unsere dritte Säule ist die Weiterbildung auf diesem Gebiet von Ärzten und Apothekern. Mit den CBD-Produkten sind wir seit September letzten Jahres bundesweit in allen Apotheken vertreten. 20.000 an der Zahl.“

Mode und Medizin sind ja zwei Paar Stiefel… 

Mario Eimuth: „Für mich nicht. Natürlich ist es inhaltlich etwas anderes. Aber von der Struktur her sind beide Bereiche sehr ähnlich. Ich bin ein Mensch, der disruptive Systeme liebt. Als wir mit dem E-Commerce angefangen haben, war dieser genauso marktverändernd für den Einzelhandel wie Cannabis heute für den Pharma-Bereich ist. Das ist es, was mir so viel Spaß macht: amorphe Strukturen vorzufinden, diese neu zu strukturieren und etwas Neues daraus zu machen.

Dadurch, dass dieser Markt so neu ist und diese Wissenschaft ganz am Anfang steht, fällt es mir leicht, mich in dieses Thema einzuarbeiten. Ich habe mir in den letzten zweieinhalb Jahren sehr viel Wissen angeeignet und werde mittlerweile als Speaker zu internationalen Konferenzen eingeladen. Zudem gibt es eine große Gemeinsamkeit: beide Branchen basieren auf Vertrauen. In der Mode muss der Designer dem Händler vertrauen, dass er seine Hose nicht für 600 Euro anstatt 1000 Euro verkauft und die Marke nicht missbraucht. Ähnlich – oder sogar noch stärker – verhält es sich in der Pharmabranche. Hier basiert alles auf Vertrauen: zwischen dem Hersteller, dem Arzt oder dem Apotheker und dem Patienten. Es macht wahnsinnig viel Spaß, ja.“

Seit März 2017 Cannabis auf Rezept

Bei Cannabis denken viele nicht unbedingt gleich an Medizin. Reagieren die Leute nicht auch erstaunt, wenn Sie erzählen was Sie jetzt machen?

Mario Eimuth: „Das Wichtigste ist es, zu erklären, dass es zwei unterschiedliche Hauptbestandteile der Pflanze gibt: das nicht-psychoaktive CBD, das die Basis für unsere Nahrungsergänzungsmittel bildet und das psychoaktive THC, bei dem es sich um ein verschreibungspflichtiges Rezepturarzneimittel handelt. Meine Aufgabe ist es, mein Wissen zu teilen und den Menschen ist die vielen guten Seiten und die natürliche Kraft dieser Heilpflanze näher zu bringen.

Es geht darum, die tradierten Strukturen, die in den letzten 50, 60 Jahren entstanden sind, aufzubrechen. Die Pflanze an sich ist seit 12.000 Jahren eine Kultur-und Heilpflanze und als solche bei den Mayas, in China und in Indien angewendet worden. Cannabis war bis Ende des 19. Jahrhunderts die meist verschriebene Pflanze zur Schmerz-Therapie in den USA! Dadurch, dass Ende des 19. Jahrhunderts wirtschaftspolitische Interessen aufgekommen sind, wurde Cannabis in eine bestimmte Ecke gedrängt wurde und weltweit verboten. Aktuell findet in immer mehr Ländern eine Neu-und Umbewertung statt. Alle zwei Wochen öffnet sich ein neues für medizinisches Cannabis und macht es seinen Mitbürgern und Patienten aus Überzeugung zugänglich.“ 

Sie haben Philosophie studiert und waren dann lange in der Modebranche. Sie sind weder Arzt noch Apotheker. Hatten Sie keinen Respekt davor, Medizin zu machen?

Mario Eimuth: „Wenn es keine neue Industrie gewesen wäre, die hier derzeit entsteht, hätte ich sicherlich noch mehr Respekt gehabt. Da die Wissenschaft aber, wie schon erwähnt, gerade komplett neu entsteht, ist eine unserer Säulen die Weiterbildung der Ärzte und Apotheker.

Es ist tatsächlich so, dass ihnen während des Studiums nie etwas über Cannbinoide gelehrt wurde, da es früher als Droge klassifiziert wurde. Der Wissensstand ist also aktuell auf einem ähnlichen Level und noch ganz am Anfang. Das macht den Reiz aus.“ 

Was war oder ist die größte Herausforderung?

Mario Eimuth: „Die Lieferanten zu finden. Sowohl bei den THC-reichen Cannabisblüten als auch bei dem für die CBD-Herstellung verwendeten Industriehanf gibt es aktuell extreme Angebotsengpässe. Der Industriehanf wird übrigens auch in der EU angebaut. Es gibt ca. 20 Sorten, die von der Europäischen Kommission zugelassen sind und die immer weniger als 0,2% THC enthalten müssen. Alles streng überwacht. “

Von online zu offline. Ist das nicht ein Rückschritt?

Mario Eimuth: „Es ist durchaus eine andere Vertriebsform. Wir nutzen das Internet als Informations-, aber bewusst nicht als Distributionsplattform. Wir vertreiben die Nahrungsergänzungsmittel ausschließlich in den Apotheken, was Online-Apotheken miteinschliesst. Zum einen hat dies den Vorteil, dass sich der Kunde bei Fragen an den Apotheker wenden kann.

Zum anderen wollen wir uns so von den Internetangeboten absetzen. Wenn man nicht genau weiß, woher die Ware kommt, kann es zum Beispiel sein, dass sie Blei oder Kadmium enthält, da die Pflanze Schwermetalle aus dem Boden zieht. Und das wäre klar kontraproduktiv. Darum veröffentlichen wir auf unserer Website auch sämtliche Analysezertifikate von jeder Charge und sind völlig transparent.“

In Hollywood ist das ja schon ein Mega-Trend, oder?

Mario Eimuth: „CBD ist eine Bewegung, die in den USA schon seit zwei Jahren läuft und immer mehr zunimmt. Es gibt viele Hollywood-Schauspieler, die zu diesen Produkten greifen und dies auch kundtun, ohne eine Marke zu nennen. Das ist schön zu sehen. Es schwappt von Amerika nun nach Europa rüber.“ 

Vermissen Sie den Mode-Glamour nicht manchmal?

Mario Eimuth: „Ich bin nie jemand gewesen, der in diese Glamour-Welt abgetaucht ist oder sich darin verloren hat. Es war ein Bestandteil dessen, was die Mode-Industrie ausmacht. Übrigens gehen die Apotheker-Kongresse immer mehr in den Lifestyle-Bereich und finden in dieMetropolen wie Paris, London, Barcelona oder Toronto statt. In den USA und Kanada werden Cannabis-basierte Produkte auch zunehmend zum Lifestyleprodukt. Die Getränke- und Tabakindustrie haben hier bereits investiert. Da werden wir in den nächsten Jahren noch jede Menge spannende Entwicklungen und Veränderungen erleben.“

Was hat sich außer des Business für Sie geändert?

Mario Eimuth: „Das ist jetzt eine andere Lebensform. Ich habe rund 15 Jahre lang 70 bis 80 Stunden pro Woche gearbeitet, keinen Urlaub gemacht und war 200 Tage im Jahr auf Reisen. Ich bin jetzt bei weitem nicht mehr so viel unterwegs. An gesunde, „normalere“ Arbeitszeiten könnte ich mich durchaus gewöhnen. Ich liebe urbanes Leben, daher interessieren mich neue Städte per se.“

Mit der Mode rettet man keine Menschenleben. Für viele ist es sogar etwas oberflächlich. Wollten Sie etwas Sinnvolles machen?

Mario Eimuth: „Eine Mission zu haben finde ich großartig. Früher war es meine Aufgabe, Trends schneller nach Deutschland zu bringen und Menschen im ästhetischen Bereich zu stärken. Wenn ich heute erfahre, dass es jemandem dank unserer Produkte gut geht, dann wird mir durchaus warm ums Herz.“

Lesen Sie noch die Vogue oder lieber die Apotheker-Zeitung?

Mario Eimuth: „Natürlich verliert man nicht das Interesse an der Mode. Heute lese ich natürlich verstärkt alles, was mit dem pharmazeutischen Cannabis-Thema zu tun hat. Aber Mode und Style werden immer einen festen Platz in meinem Leben haben.“

Text: Andrea Vodermayr

Cannabis gegen …

Cannabis soll Schmerzen lindern, zum Beispiel Regelschmerzen oder Migräne, sollen aber auch als Nahrungsergänzungsmittel gegen Stress, Schlafstörungen und Wechseljahrbeschwerden wirken. Halb Hollywood schwört übrigens schon auf CBD-Produkte. 

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