Mittwoch , November 20 2019
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Rid Zukunftskongress: Jährliche Suche nach den innovativsten Unternehmen im bayerischen Einzelhandel

Es gibt keine vergleichbare Stiftung, welche bayerischen Einzelhandelsunternehmen seit über 30 Jahren – unabhängig von Standort und Größe – so einen vielschichtigen Support zur Verfügung stellt wie die Münchner Rid Stiftung. Vor fünf Jahren führte die Stiftung sogar einen Innovationswettbewerb ein, um mehr Einzelhändler aus der Reserve zu locken, trauen sich viele Innovationen nicht zu. Jedes Jahr im Herbst lädt die Stiftung zum Zukunftskongress – auch als Bestandsaufnahme! Im Oktober trafen sich wieder über 450 Einzelhandels-Unternehmer, um u.a. von den Ergebnissen aus fünf Jahren Innovationswettbewerb „Handel im Wandel“ zu partizipieren. Der Titel des Konferenzprogramms ‚Mit Mut und Optimismus handeln‘ spricht Bände. Kein Wunder, dass 2020 sogar der Flughafen München die Stiftungsarbeit unterstützen will!

Rid Zukunftskongress (v.l.n.r.): Prof. Dr. Klaus Gutknecht (elaboratum), Michaela Pichlbauer (Rid Stiftung) mit Roland Weigert (Staatssekretär). Fotocredit: Jan Schmiedel
Rid Zukunftskongress (v.l.n.r.): Prof. Dr. Klaus Gutknecht (elaboratum), Michaela Pichlbauer (Rid Stiftung) mit Roland Weigert (Staatssekretär). Fotocredit: Jan Schmiedel

‚Seit 2005 widmet sich die Rid Stiftung intensiv der Frage, wie man den mittelständigen Einzelhandel vor allem dabei unterstützen kann, die Chancen des technologischen Fortschritts zu nutzen, denn der Einzelhandel steht vor großen Herausforderungen‘, formuliert es Michaela Pichlbauer als Stiftungs-Vorständin in ihrem aktuellen Magazin ‚Handel im Wandel‘.

Neue Technologien verändern ihrer Meinung nach die Wirtschaftsstruktur und auch das Einkaufsverhalten so sehr, dass es sich die Rid Stiftung zur Aufgabe gemacht hat, das Thema immer wieder auf den Tisch zu bringen. Für Michaela Pichlbauer stellen die Unternehmen oft ihr ‚Licht unter dem Scheffel‘ und sehen Investitionen und Innovationen nur bei den Großkonzernen!

So sind viele Einzelhändler sind Multi-Channel-Ansätzen gegenüber noch zu skeptisch. Da es für die Einzelhändler noch zu schwierig ist, sich einen fundierten Überblick über technische Neuerungen zu verschaffen, um Nutzungsmöglichkeiten für das eigene Geschäft zu sondieren, hilft die Stiftung.

„Es gibt unglaublich innovative Einzelhändler und Einzelhändlerinnen. Wir sehen sie nur nicht.“ Michaela Pichlbauer, Vorständin Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel

Seit ein paar Jahren – konkret 2014 – startete die Rid Stiftung deshalb den Innovationswettbewerb ‚Handel im Wandel‘, in dessen Zuge sechs Finalisten durch eine Jury ausgewählt werden. Jedes Jahr wurde konzeptionell am Wettbewerb gefeilt. So wurde 2017 und 2018 dieser Preis nach den Kategorien ‚Start-up‘ und ‚Einzelhändler_in‘ vergeben. Unabhängig davon initiiert die Stiftung Förderprogramme. 2018 waren es über 1.250 Programme, welche dem Einzelhandel zugutekommt.

Betten Rid CEO Robert Waßolek mit Helga Rid. Mit ihrem Ehemann gründete sie vor 30 Jahren die Rid Stiftung. Fotocredit: Jan Schmiedel
Betten Rid CEO Robert Waßolek mit Helga Rid. Mit ihrem Ehemann gründete sie vor 30 Jahren die Rid Stiftung. Fotocredit: Jan Schmiedel

Innovativste Unternehmen im bayerischen Einzelhandel

Eine der Preisträgerinnen war die Firma Graf Dichtungen, die künstliche Intelligenz zur Mustererkennung im Einsatz hat. Catrin Graf führt das Familienunternehmen bereits in dritter Generation und eröffnete trotz Onlineshop bereits die zweite Filiale in Berlin. Ihr Sohn setzte WhatsApp zur Bilderkennung ein, damit Kunden ohne Typenbezeichnung die richtige Dichtung via Smartphone-Bild schnell finden können. Nie hätte die erfahrene Unternehmerin Catrin Graf es für möglich gehalten, als gutes Beispiel für andere Einzelhändler_innen Innovations-Multiplikator zu sein.

In einer großen Virtual und Augmented Reality Area im Eventbereich des Sofitel Hotels konnten einzelhandelsbezogene Anwendungen erlebt und ausprobiert werden. Zum Beispiel wie man virtuell ausprobieren kann, ob das neue Sofa in das eigene Wohnzimmer passen wird. Das Regensburger Unternehmen SmartVu zeigte uns, wie ein Sessel so in die gewohnte Umgebung passt oder nicht!

Eine Technologie, welche die passende Konfektionsgröße individuell ermittelt, um Online-Retouren deutlich reduzieren, könnte selbst den Einzelhandel verändern. Die ersten Onlinehändler haben die Lösung des Münchner Unternehmens VUFRAME längst im Test.

In sieben verschiedenen Praxissessions wurde auf dem Rid Zukunftskongress zudem intensiv diskutiert. Digitale Marktplätze für Same Day Delivery im lokalen Kontext waren ebenso Thema wie die klassischen Herausforderungen von Markenbildung, Kundenbegeisterung über Social Media zu Plattformverkäufen und Serviceexzellenz.

Stiftungskongress-Gäste Chefdirigent der Bayerischen Philharmonie, Mark Mast - hier mit Stiftungsvorständin Michaela Pichlbauer und Pianistin Katharina Khodos. Fotocredit: Jan Schmiedel
Stiftungskongress-Gäste Chefdirigent der Bayerischen Philharmonie, Mark Mast – hier mit Stiftungsvorständin Michaela Pichlbauer und Pianistin Katharina Khodos. Fotocredit: Jan Schmiedel

5 Jahre Innovationswettbewerb „Handel im Wandel“

Ausgezeichnet werden Ideen und Konzepte, die das Einkaufserlebnis im Laden stärken, digitale Technologien für den Einkaufsprozess nutzen, Kooperationen zwischen Einzelhändlern fördern oder Online- und Offline-Shopping klug verbinden. Angesprochen werden über verschiedenste Kanäle sowohl mittelständische Einzelhändler_innen, als auch Startups, als auch studentische Teams.

Erkenntnisse der Evaluation aus fünf Jahren Innovationswettbewerb „Handel im Wandel“:

  • Breiter Zuspruch: rund 250 Bewerber_innen wurden in 5 Jahren erreicht. Dabei konnte eine Jury jeweils 5 bis 7 Finalisten in einem mehrstufigen Verfahren aus einem sehr guten Bewerberfeld auswählen. Diese Finalisten konnten in einem 4-monatigen Coaching erfolgreich dabei unterstützt werden, ihre Konzepte umsetzungsnah weiterzuentwickeln.
  • Es ist ein Alleinstellungsmerkmal des Innovationswettbewerbs, dass sowohl etablierte mittelständische Einzelhändler_innen, als auch Startups, als auch studentische Teams angesprochen und vernetzt werden.
  • Interessant ist, dass 90% der eingereichten Ideen und Lösungsansätze technologiebasiert waren und überwiegend branchenunabhängige Ideen verfolgten.
  • Vokabeln wie Virtual Reality, Künstliche Intelligenz und Apps/Applikationen, bei denen man intuitiv davon ausgeht, dass nur die „großen Player“ sie umsetzen, werden sehr kompetent von kleinen und mittelständischen Unternehmen realisiert.
  • Ziel der Lösungen war vor allem ein verbessertes Einkaufserlebnis für den Kunden.

Innovationswettbewerb „Handel im Wandel“ 2020 mit dem Flughafen München als neuem Partner

Aus der Evaluation nach fünf Jahren geht hervor: Die meisten Teilnehmenden wünschen sich eine Fortführung des Wettbewerbs. Entwicklungspotenziale werden vor allem bei einem intensiveren Coachingprozess gesehen und bei einer besseren Verbindung zwischen Start-ups und Einzelhändlern.  Zudem werden Möglichkeiten zum Testen in realen Einzelhandelskontexten verstärkt gewünscht. Auch weitere Vernetzungsmöglichkeiten sind wünschenswert.
Ab 2020 ist die Flughafen München GmbH  als weiterer Veranstalter des Wettbewerbs mit von der Partie!

‚Der Flughafen München ist auf den Innovationswettbewerb „Handel im Wandel“ aufmerksam geworden durch die vielen innovativen Impulse, die er für den Einzelhandel der Zukunft hervorgebracht hat. Daher sind wir sehr gern bereit, als Mitveranstalter 2020 zu kooperieren und freuen uns darauf, mit den bisherigen Partnern gemeinsam Start -ups und den Mittelstand in Bayern zu unterstützen“, sagt Jens Hassler (Leiter Business Development & Marketing, Geschäftsbereich Commercial Activities, Flughafen München).  GmbH

Weitere Gäste beim Rid Zukunftskongress

Prof. Dr. Dirk Funck (Beiratsvorsitzender der Rid Stiftung), Claudia Schlebach (IHK für München und Oberbayern), Wolfgang Puff (Handelsverband Bayern), Franz Müller (Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie), Joachim Stumpf (BBE Handelsberatung GmbH), Sabine Hansky (unternehmerTUM GmbH), u.v.m.

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Warum man die Ausstellung im Designmuseum in der Pinakothek der Moderne gesehen haben muss! Es gibt nicht nur 80 Objekte des renommierten Lichtdesigner in Münchens 'Die Neue Sammlung - The Design Museum' zu sehen! Bis kurz vor seinem Tod arbeitete er an dieser musealen Einzelausstellung seit der Werkschau in der Villa Stuck 1992 mit.