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Die perfekte Urlaubslektüre – vom Tegernsee bis nach Griechenland von Hanna von Feilitzsch

Sie lebt am Tegernsee und in Oberfranken: Hanna von Feilitzsch. Die renommierte Autorin hat bereits zahlreiche Drehbücher für das Fernsehen geschrieben und mehrere Sachbücher veröffentlicht. Kürzlich kam ihr erster fiktiver Roman auf den Markt: „Bittersüße Mandeln“, so der Titel des Buches (erschienen im Feilitzsch Verlag, 24 Euro, E-Book 12,99 Euro), der sich mit Griechenland und seiner neueren Geschichte auseinandersetzt. 

Mit dem Buch unterstützt Hanna von Feilitzsch den guten Zweck
Mit dem Buch unterstützt Hanna von Feilitzsch den guten Zweck: Ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf geht an die gemeinnützige Organisation „Metadrasi“, die allein reisende, minderjährige Flüchtlinge in Griechenland unterstützt. Fotocredit: SLS Media

Griechenland – das Sujet lag nahe, denn Hanna von Feilitzsch ist Halbgriechin und befasste sich mit diesem Buch erstmals intensiv mit der Geschichte ihrer Heimat. Ein halbes Jahrhundert Geschichte arbeitet sie in „Bittersüße Mandeln“ auf und beginnt im Jahr 1944. Dabei geht es um Themen, die auch heute sehr aktuell sind: Um Freiheit und um Selbstbestimmung, um Liebe und um Schuld, um die Rolle der Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft und um die Sehnsucht eines jeden Menschen nach Anerkennung.

Die Buch-Story

Anna flüchtet während des griechischen Bürgerkriegs mit ihren Kindern aus einem Dorf auf der Peloponnes ins ferne Athen. Sie hat nur einen Gedanken: Das Überleben der Familie zu sichern und ihren Kindern bessere Lebensbedingungen schaffen. Die junge Frau setzt sich in der von Männern dominierten Welt durch und baut in der Hauptstadt ein florierendes Unternehmen auf. Als ihr Mann Manolis Jahre später, gebrochen an Leib und Seele, aus dem Gefangenenlager zurückkehrt, muss sie erkennen, dass sie als Frau kein Mitspracherecht hat. Anna fügt sich in ihr Leben und bleibt bei ihrer Liebe. Ihr Ziel verliert sie jedoch nicht aus den Augen: Ihre Kinder, auch die Töchter, sollen eines Tages ein selbstbestimmtes Leben führen können, frei von den von der Gesellschaft auferlegten Zwängen.

Die Autorin Hanna von Feilitzsch

Bekanntheit erlangte die Autorin vor allem mit ihren Werken über den Opernsänger Leo Slezak, der am Tegernsee lebte. Sie selbst zog es nach ihrem Politik-Studium an den Tegernsee, wo ihr Mann das „Hotel Malerwinkel“ in Rottach-Egern und das in direkter Nachbarschaft liegende einstige Wohnhaus Slezaks und spätere Museum jahrelang als Hotel und Restaurant betrieb.

Beim Interview in München spricht sie über ihr neuestes Buch. Ihren Namen Hanna von Feilitzsch haben wir in HvF abgekürzt.

Wie kam es zum Buch-Titel „Bittersüße Mandeln“?

HvF: „Bei griechischen Hochzeiten werden jedem Gast traditionell Mandeln überreicht, in einem kleinen Säckchen. Diese Mandeln sind mit weißem Zuckerguss überzogen. Es gibt sie übrigens auch bei Taufen. Bei der Hochzeit spielen sie folgende Rolle: Jeder Gast soll sie sich unters Kopfkissen legen. Die Legende sagt, dass er von seinem zukünftigen Ehepartner träumen wird. Zudem stehen die Mandeln dafür, dass man niemals weiß, was das Leben bietet. Es ist auf der einen Seite bitter, auf der anderen Seite süß. Anna, die Hauptfigur des Romans, wusste nicht, was das Leben mit ihrem Mann für sie bereithielt. Ebenso ihre Töchter. Und so geht es uns Frauen, und auch den Männern, doch oft: Man heiratet in eine Familie und kann nicht genau absehen, welche Wege das Leben nimmt. Mit dem Partner und auch mit der gesamten Familie.“

Was macht den Roman in Ihren Augen so besonders?

HvF: „Der Roman spielt in Griechenland. Es ist insofern die perfekte Urlaubslektüre. eine Familiengeschichte und es dreht sich alles um Liebe, Hass und Politik. Es geht generell um die neue griechische Geschichte. Alles beginnt mit der Flucht von der Peloponnes einer jungen Frau, die das Überleben ihrer Kinder und das wirtschaftliche Fortkommen sichern muss. Sie ist was das anbelangt sehr geschickt und genießt es, dass sie sich in einer von Männern dominierten Welt ausleben kann. Sie gründet ein Unternehmen in Athen, baut dieses sehr erfolgreich auf und sichert somit den Wohlstand der Familie. Sie bemüht sich darum, dass ihre Kinder zur Schule gehen können und irgendwann ein eigenes Leben führen dürfen. Sie selbst ist Analphabetin, denn es gab damals auf der Peloponnes kaum Schulen. Sie hofft, ihren Mann wieder zu treffen, der in den Widerstand in die Berge gegangen ist. Als dieser zurückkommt, muss sie plötzlich feststellen, dass sie als Frau im wirtschaftlichen Fortkommen nichts zu melden hat. Es wird mit diesem Buch aufgezeigt, dass früher die Männer entschieden haben. Die Message lautet: Das Leben lässt einem viele Möglichkeiten. Mit Mut und Kraft kann man alles erreichen.“

Wie kamen Sie auf diese Geschichte?

HvF: „Ich bin Halbgriechin und habe drei Jahre lang in Griechenland gelebt. Ich war damals noch sehr jung, es war noch zu Schulzeiten. Aber schon damals habe ich dieses Land als sehr politisch empfunden. Politik ist in Griechenland immer ein großes Thema gewesen. Immer wieder kommt man auf den Bürgerkrieg und die deutsche und auch italienische Besatzung zu sprechen. Viele Griechen, die ich kennen gelernt habe, haben eine ähnliche Geschichte wie die im Buch erlebt. Es ging sehr oft darum, dass die Männer sich engagiert haben und die Frauen zu Hause geblieben sind. Manche Frauen sind selbst in die Berge und haben mitgekämpft. Es gab so viele Parallelen in diesen Geschichten und ich hatte mir immer vorgenommen, eines Tages einen Roman zu schreiben, der dieses Thema behandelt. Auch ich habe eine Großmutter, die von der Peloponnes geflüchtet ist, und auch sie hieß Anna, wie im Roman. Insofern existieren auch Parallelen zu meinem Leben.“

Die Themen sind sehr aktuell. Es geht u.a. um die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Wie ist der Bezug zu München?

HvF: „Die Gesellschaft dort hat sich natürlich gewandelt. Griechenland ist früher eine sehr anarchische Gesellschaft gewesen. Frauen durften erst relativ spät wählen, erst im Jahr 1952. Mittlerweile ist es sehr modern. Aber erst in den letzten 30 Jahren. In meiner Geschichte wird aufgezeigt, wie selbstverständlich es damals war, dass die Familien damals ins Ausland gegangen sind, um die wirtschaftliche Existenz zu sichern. In meinem Buch führt es einzelne Familienmitglieder nach Amerika, aber auch nach München. So spannt sich der Bogen zu Deutschland. Die Geschichte spielt in der Jetztzeit. Eine Nachfahrin der Familie fliegt nach Griechenland, um ihre Mutter, die einen Schlaganfall hatte, nach Deutschland zurückzubringen. Am Krankenbett trifft sie ihren Onkel wieder, den sie 25 Jahre nicht gesehen hat, da so viel in dieser Zeit passiert ist. Er erzählt ihr die Familiengeschichte.“

Wo fühlen Sie sich zu Hause?

HvF: „Immer dort, wo meine Familie gerade ist. Aufgewachsen bin ich in München und in Athen, wo ich drei Jahre lang lebte. Meine Identität ist halb deutsch, halb griechisch. Wir haben nach wie vor ein Haus in Griechenland, wo ich gerne Zeit verbringe.“

Wie sind Sie zum Buchschreiben gekommen?

HvF: „Wir haben vor 27 Jahren einen eigenen Verlag gegründet, um Leo Slezak, der damals hier am Tegernsee ein wenig in Vergessenheit geraten ist, in Erinnerung zu rufen. Wir haben einige Bücher zu Slezak herausgebracht, unter anderem eine Biographie und ein Kochbuch. Dann ist der Verlag etwas eingeschlafen. Und jetzt haben wir ihn für diesen Roman wieder wachgeküsst – worüber ich sehr glücklich bin.“

Lesen die Menschen mehr Bücher in diesen Zeiten?

HvF: „Ich denke ja, denn sie haben nun wieder etwas mehr Zeit.“

Ist es ein Buch nur für Frauen – oder auch für Männer?

HvF: „Es ist interessant, dass einige meiner männlichen Freunde gesagt haben, dass „Bittersüße Mandeln“ zu ihrem absoluten Lieblingsbuch geworden ist. Es geht ja nicht nur um das Thema Frauen. Die männlichen Figuren im Buch sind ebenfalls sehr stark. Ich persönlich finde den Aspekt der Flucht spannend, mit dem diese Geschichte beginnt, und was eine Flucht mit Menschen macht.“

Mit dem Verkaufserlös unterstützen Sie Flüchtlinge in Griechenland. Warum ist Ihnen das wichtig?

Hvf: „Ja, das lag mir sehr am Herzen. Zunächst hatte ich die Idee, ein griechisches Krankenhaus zu unterstützen. Aber diese Organisation, „Metadrasi“, ist in meinen Augen so herausragend. Sie bietet Flüchtlingskindern ein halbwegs erträgliches Leben. Das Thema Flüchtlinge ist ja in Griechenland sehr präsent.“

Wie oft waren Sie seit der Corona-Krise in Ihrer alten Heimat?

HVf: „Griechenland hatte das sehr gut gelöst, man hatte zeitweise das Land komplett abgeriegelt. Da das Gesundheitssystem unter der Wirtschaftskrise 2010 sehr gelitten hat, musste man besonders vorsichtig sein. Letzen Sommer, als die Inzidenzwerte sehr niedrig waren, sind wir nach Griechenland gereist und alles hat sich sehr normal angefühlt. Im Sommer fahren wir wieder und darauf freue ich mich schon sehr.“

Text von Andrea Vodermayr

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