Ferrari ist ein Mythos – und dieser Mythos fährt immer mit. Man spürt ihn nicht nur im Klang eines V8 oder im Blick auf das Cavallino Rampante, sondern auch in der Erwartung, die entsteht, noch bevor der Motor gestartet wird. Bei einem neuen Ferrari-Modell geht es nie allein um technische Daten. Es geht um Emotion, Geschichte, Stil und um dieses schwer erklärbare Gefühl, Teil einer besonderen Automobilkultur zu sein.

Der neue Ferrari Amalfi gehört nicht zu den Autos, die man einfach testet. Man erlebt ihn. Schon sein Name klingt nach Licht, Meer, italienischer Küste und Dolce Vita – doch seine erste große Bühne in unserer Region war eine andere: der Tegernsee, die Tiroler Bergwelt, der Achensee, das Interalpen-Hotel und schließlich die Casa Ferrari in Bad Wiessee.
Auch Wilhelm Hegger, Geschäftsführer Ferrari Central Europe, war vor Ort – ein unmissverständliches Zeichen dafür, welchen Stellenwert diese besondere Präsentation am Tegernsee hatte.
Bereits der Auftakt am Vorabend zeigte, dass Ferrari nicht einfach ein neues Modell präsentiert, sondern ganze Erlebniswelten inszeniert. Am 21. Mai führte ein Ferrari-Instrukteur im Kino des Hotels Egerner Höfe in Rottach-Egern in den neuen Amalfi ein: Fahrmodi, Technik, Sicherheit, Charakter – präzise erklärt und dennoch mit jener Emotionalität, die Ferrari seit jeher ausmacht. Anschließend klang der Abend im Restaurant Dichter Stub’n aus. Das Zusammenspiel aus hochkarätiger bayerischer Gastlichkeit, feinen kulinarischen Nuancen, italienischer Sportwagenkultur und der Vorfreude auf den nächsten Morgen – viel passender hätte der Rahmen kaum sein können.

Verde Costiera: Amalfiküste trifft Tegernsee
Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück direkt los. Vor dem Hotel stand der Amalfi in Verde Costiera, jenem leuchtenden Blaugrün, das Ferrari zur Premiere zeigte und das von den Spiegelungen des Meeres entlang der Amalfiküste inspiriert ist. In der Morgensonne am Tegernsee wirkte diese Farbe fast wie ein Versprechen: italienische Küste trifft bayerische Alpenlandschaft. Dazu das tiefblaue Leder der Sitze im Innenraum – eine edle Kombination, die dem neuen Grand Tourer eine sehr eigene, unaufdringlich elegante Note gab.
Ein Druck auf den Startknopf am Lenkrad, und der V8 erwacht mit einem heiseren, selbstbewussten Bellen. Nicht halbstark oder aufdringlich, sondern tief, voluminös und kultiviert – genau der richtige Ton für das stilvolle Erwachen im Tal.

Der erste Abschnitt führte vom Hotel Egerner Höfe Richtung Achensee. Zunächst saß eine Kollegin am Steuer, am Achensee wechselten wir – und ab diesem Moment durfte ich den neuen Ferrari Amalfi selbst dirigieren. Es wurde ein langer, intensiver Fahrtag: vom Tegernsee über den Achensee zum Interalpen-Hotel und später über Seefeld, Mittenwald und die malerische Route am Sylvensteinsee zurück an den Tegernsee.
Gegen 17 Uhr fuhren wir schließlich an der Casa Ferrari in Bad Wiessee vor. Das Bistro „Mai Liabba“ der Tegernseer Fischerei direkt am Wasser wurde zur perfekten Bühne eines ganz besonderen Ferrari-Moments am See.
Wenn 640 PS Vertrauen schaffen
Der Ferrari Amalfi ersetzt den Ferrari Roma und ist als 2+-Coupé mit V8-Front-Mittelmotor konzipiert. Ferrari positioniert ihn als moderne Weiterentwicklung des klassischen Grand-Tourer-Gedankens: ein Coupé, das extreme Leistung, absolute Alltagstauglichkeit und raffinierte Ästhetik miteinander verbindet.
Unter der langen, elegant geschwungenen Motorhaube arbeitet ein weiterentwickelter 3,9-Liter-Twin-Turbo-V8 mit 640 PS. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Amalfi in 3,3 Sekunden, von 0 auf 200 km/h in 9,0 Sekunden; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 320 km/h.
Ich habe lange nicht verstanden, warum solche Werte außerhalb der Rennstrecke eine Rolle spielen. Auf dieser Route wurde es mir schlagartig klar: Es geht nicht um das Ausreizen des Limits, sondern um die souveräne Reserve in jeder Lebenslage.
Doch auf dieser anspruchsvollen Strecke beeindruckte vor allem die Art, wie kontrolliert der Amalfi seine Kraft auf den Asphalt brachte. Besonders deutlich wurde das auf einer bergigen Passage mit vielen engen Kehren und stellenweise tückischem Split auf der Straße. Ich drehte den Manettino am Lenkrad – Ferraris berühmten „Schumi-Knopf“ – auf WET. Ein kleiner Dreh mit großer Wirkung. Plötzlich war da dieses Gefühl von maximaler Kontrolle: Die Bodenhaftung blieb phänomenal, das Auto ruhig, präzise und absolut vertrauenerweckend. 640 PS unter der Haube – und trotzdem kein Moment von Nervosität.
Performance als kultivierte Sicherheit
Genau hier verstand ich, was Ferrari mit dem Amalfi meint. Der Wagen fährt sich nicht wie ein Sportler, der ständig beweisen muss, was er kann. Auf langen Bögen bleibt er majestätisch souverän, in engen Bergkurven messerscharf und präzise, beim Beschleunigen unmittelbar und doch fließend. Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe arbeitet so schnell wie geschmeidig. Der V8 klingt dabei in den Bergen präsent und schickt ein wunderbares, tiefes Grollen an die Felswände der Mautstraßen, ohne jemals aufdringlich zu werden. Es ist ein Ferrari für Menschen, die nicht nur die reine Geschwindigkeit suchen, sondern echte Fahrkultur.
Auch die Reaktionen entlang der Strecke erzählten viel über die Wirkung dieses Autos. Selbst am Tegernsee, wo man an exklusive Sportwagen gewöhnt ist, zieht der Amalfi die Blicke magnetisch an. Rennradfahrer winkten uns zu, andere Ferrari-Fahrer grüßten mit Lichthupe – diese stille, fast familiäre Geste unter Enthusiasten. Der Amalfi wirkt zu keinem Zeitpunkt aggressiv, sondern schlicht bildschön und elegant.

Innenraum zwischen Cockpit und italienischer Lounge
Im Innenraum zeigt sich der Amalfi modern, hochwertig und konsequent fahrerorientiert. Das edle Doppelcockpit umschließt Fahrer und Beifahrer gleichermaßen. Das neue Lenkrad bringt erfreulicherweise wieder physische Tasten zurück, ebenso den legendären Startknopf. Das zentrale Display, die digitale Instrumentierung und das Beifahrerdisplay machen aus dem Interieur eine hochtechnische, aber keineswegs kalte Kommandozentrale. Ferrari spricht beim Amalfi von einem Dreifach-HMI-Display – ein Konzept, das auch den Beifahrer interaktiv in das emotionale Fahrerlebnis einbindet.
Ein Detail allerdings brauchte für mich etwas Eingewöhnung: die Blinker. Sie sind fest in das Lenkrad integriert. Auf gerader Strecke ist das logisch, fast wie im Rennsport. In engen Bergkurven jedoch, wenn die Hände am Leder arbeiten und nicht immer exakt dort liegen, wo sie laut Lehrbuch hingehören, musste ich beim Abbiegen aktiv nachdenken. Doch vielleicht ist es wie bei vielen ikonischen Ferrari-Details: Nach ein paar Tagen im Auto wird genau das zur absoluten Selbstverständlichkeit.

Grand Touring mit Stil
Umso beeindruckender war, wie viel Vertrauen der Amalfi fahrdynamisch von der ersten Sekunde an schenkte. Ferrari hat das Modell unter anderem mit Brake-by-Wire, ABS Evo und Side Slip Control 6.1 ausgestattet – hochkomplexe Systeme, die unsichtbar im Hintergrund Regie führen und genau dann spürbar werden, wenn Straßenbelag, Tempo und Kurvenradien wechseln.
Auf der Route Richtung Interalpen-Hotel und später zurück über Seefeld, Mittenwald und den Sylvensteinsee zeigte sich der Amalfi nicht nur als reinrassiger Sportwagen, sondern als hochentwickelter, souveräner Reisebegleiter.
Gerade die Rückfahrt über die Mautstraßen hatte diesen ganz besonderen Rhythmus, den man sich für einen perfekten Grand Tourer wünscht: weniger Hektik, mehr Landschaft, klare Kurven, wechselnde Höhen und dazwischen immer wieder spektakuläre Ausblicke auf das alpine Panorama. Hier versteht man, warum Ferrari diesen Wagen als ganzheitliches Reiseerlebnis denkt. Der Amalfi kann extrem schnell sein – aber seine eigentliche Stärke liegt in der Leichtigkeit, mit der er Tempo, Komfort und Stil miteinander verbindet.

Casa Ferrari: Finale am See
Das Finale dieses Tages hätte kaum passender inszeniert sein können. Zurück am Tegernsee durfte ich den Wagen bis direkt an das Ufer in Bad Wiessee vorfahren – ein Gänsehaut-Moment. Dort wartete die Casa Ferrari als stilvoller Abschluss dieser Ausfahrt.
Die Casa Ferrari ist kein klassischer, nüchterner Showroom. Es ist ein temporäres, hochemotionales Erlebnisformat: eine Art zweite Heimat für Ferraristi, inszeniert an den schönsten Plätzen Europas. Nach exklusiven Stationen wie Sylt und Kitzbühel wurde nun auch der Tegernsee zur Bühne dieser besonderen Markenwelt.
Das Bistro ‚Mai Liabba‘ verwandelte sich für diesen Abend in eine Oase der Automobil- und Lebenskultur. Bei einem erstklassigen Glas Wein, dem Duft von fangfrischem Fisch und dem sanften Plätschern des Sees ging der Blick immer wieder hinüber zum Amalfi, dessen Konturen sich im Abendlicht spiegelten. Hier, im perfekten Zusammenspiel aus italienischer Sportwagenkultur und entspannter bayerischer Lebensart, schloss sich der Kreis, der am Vorabend in den Egerner Höfen begonnen hatte.
Vielleicht ist genau das der wahre Mythos Ferrari: dass ein neues Modell nicht nur ein Auto präsentiert, sondern ein tiefes Gefühl erneuert. Der neue Ferrari Amalfi tut das auf seine ganz eigene Weise – souverän, elegant und überraschend zugänglich. Ein Grand Tourer für Menschen, die das Fahren nicht nur als Fortbewegung verstehen, sondern als puren Stil.
Celebrating Lifestyle – italienisch gedacht, bayerisch erlebt.
Autor: Yvonne Wirsing


