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Biennale Venedig: 48 Stunden zwischen Kunst, Design und italienischer Eleganz

Man kommt in Venedig nie einfach nur an. Man gleitet hinein. Über Wasser, vorbei an Palazzi, Booten, Fassaden und Lichtreflexen. Und irgendwann liegt sie da: diese Stadt, die selbst längst ein Kunstwerk ist und während der Biennale immer zur internationalen Bühne der Gegenwartskunst wird.

Venedig im Licht der Biennale: Blick auf San Giorgio Maggiore von der Lagune aus.Foto: exklusiv münchen
Venedig im Licht der Biennale: Blick auf San Giorgio Maggiore von der Lagune aus. Foto: Helen Siegel für exklusiv münchen

2026 lohnt sich der Blick besonders. Nicht nur, weil Venedig bis in den Herbst hinein Kunst aus aller Welt zeigt. Sondern weil diese Biennale Geschichten erzählt, die weit über Ausstellungsräume hinausgehen: von Erinnerung, Verlust, Verantwortung – und von Künstlerinnen, deren Werke auch in München Spuren hinterlassen.

Im Deutschen Pavillon verdichtet sich dieser Eindruck besonders stark. Die Künstlerin Henrike Naumann verstarb wenige Wochen vor der Eröffnung. Ihr gemeinsam mit Sung Tieu entwickelter Beitrag wurde dennoch realisiert – und macht den Pavillon zu einem der bewegendsten Orte dieser Biennale. Wer Venedig entspannt erleben möchte, reist nicht im Hochsommer, sondern im frühen Herbst. Die Biennale läuft noch bis 22. November – und gerade September sowie Oktober verleihen der Lagune jene besondere Ruhe, die perfekt zu Kunst, Architektur und langen Aperitivo-Abenden passt.

Venedig zwischen Wasser, Licht und Geschichte: Gondeln vor Santa Maria della Salute – ein Moment, der zeigt, warum die Lagunenstadt während der Biennale selbst zur Bühne wird.
Venedig zwischen Wasser, Licht und Geschichte: Gondeln vor Santa Maria della Salute – ein Moment, der zeigt, warum die Lagunenstadt während der Biennale selbst zur Bühne wird. Fotocredit: Helen Siegel

48 Stunden Biennale: Kurztrip nach Venedig

Ein Besuch der Biennale ist immer auch ein Kurztrip in eine andere Geschwindigkeit. Venedig zwingt zur Entschleunigung. Keine Autos, keine Hektik – stattdessen Wasserwege, Fußwege, Brücken und dieser besondere Moment, wenn sich hinter einer unscheinbaren Fassade plötzlich ein Palazzo, ein Innenhof oder eine Ausstellung öffnet.

Alexandra Kordes: Von München nach Venedig

Mit Alexandra Kordes ist eine Künstlerin vertreten, die gerade auche eine Ausstellung bei LV 1871 am Maximiliansplatz eröffnet hat. Ihr Auftritt in Venedig erhält dadurch eine besondere lokale Relevanz.

Für die Biennale Arte 2026 zeigt Kordes ihre Skulptur „The World is falling apart“. Schon der Titel klingt wie eine Diagnose unserer Gegenwart. Ihre Arbeit greift die Fragilität der Welt auf – politisch, gesellschaftlich und kulturell – und fügt sich damit in eine Biennale ein, die nicht nur Schönheit zeigt, sondern auch Brüche, Unsicherheiten und Verantwortung sichtbar macht.

Gerade dieser München-Venedig-Bogen macht den Beitrag für uns interessant: Während Rita Sabo mit dem ECC-Ehrenpreis ausgezeichnet wurde, zeigt Alexandra Kordes, dass auch aus der Münchner Kunst- und Designszene heraus internationale Impulse entstehen.

Rita Sabos Skulptur „Sacred Planet“, die ursprünglich im Rahmen eines UNESCO-Projekts entstand, verbindet spirituelle Symbolik mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen – und gehört zu den eindrucksvollsten Arbeiten ihrer Ausstellung im Palazzo Bembo.
Rita Sabos Skulptur „Sacred Planet“, die ursprünglich im Rahmen eines UNESCO-Projekts entstand, verbindet spirituelle Symbolik mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen – und gehört zu den eindrucksvollsten Arbeiten ihrer Ausstellung im Palazzo Bembo. Fotocredit: European Cultural Centre (ECC)

Rita Sabo erhält ECC-Ehrenpreis

Auch aus Münchner Perspektive ist Venedig in diesem Jahr besonders spannend. Die zeitgenössische Künstlerin Rita Sabo wurde im Rahmen von „Personal Structures – Confluences“, präsentiert vom European Cultural Centre, mit dem Ehrenpreis „Artist as Activist“ ausgezeichnet.

Die Ehrung würdigt sowohl ihre künstlerische Leistung als auch ihr soziales Engagement. Überreicht wurde der Preis am 8. Mai im Rahmen der Eröffnung persönlich von René Rietmeyer, Präsident des ECC – in Anwesenheit der UNESCO-Sonderbotschafterin Dr. h.c. Ute Ohoven sowie des Kurators Dr. Tayfun Belgin. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Yoko Ono und Hermann Nitsch.

Im Palazzo Bembo präsentiert Rita Sabo derzeit ihre Einzelausstellung „UNISON – Fusion of High Cultures“. Malerei, Skulptur und Rauminstallation verschmelzen dort zu einem vielschichtigen Erfahrungsraum. Ihre künstlerische Praxis beschäftigt sich mit symbolischen Systemen, Wahrnehmung und kultureller Resonanz.

Rita Sabos Skulptur „Sacred Planet“, die ursprünglich im Rahmen eines UNESCO-Projekts entstand, verbindet spirituelle Symbolik mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen – und gehört zu den eindrucksvollsten Arbeiten ihrer Ausstellung im Palazzo Bembo.
Rita Sabos Skulptur „Sacred Planet“, die ursprünglich im Rahmen eines UNESCO-Projekts entstand, verbindet spirituelle Symbolik mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen – und gehört zu den eindrucksvollsten Arbeiten ihrer Ausstellung im Palazzo Bembo. Fotocredit: European Cultural Centre (ECC)

Viele ihrer Werke entstehen aus einem zentralen Kern und entwickeln sich in schichtartigen Prozessen zu komplexen Feldern aus Bewegung, Dichte und Energie. Ihre Recherchen umfassen antike Kulturen, symbolische Anthropologie, Architektur und Wahrnehmungstheorien. Daraus entsteht eine unverwechselbare Bildsprache, die sich mit kulturellem Gedächtnis, Bewusstsein und planetarer Verantwortung auseinandersetzt.

Ein zentrales Werk der Ausstellung ist die Skulptur „Sacred Planet“. Ihre 17-farbige Gestaltung verweist auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Das Werk steht in engem Zusammenhang mit Sabos UNESCO-bezogenem Engagement und unterstreicht ihren erweiterten Blick auf ökologische und spirituelle Dimensionen kultureller Verantwortung.

Für München ist diese Auszeichnung besonders interessant: Rita Sabo hatte ihre außergewöhnliche Kunst bereits im Bayerischen Nationalmuseum vorgestellt. Dass sie nun in Venedig ausgezeichnet wird, stärkt den internationalen Blick auf eine künstlerische Position, die dem Münchner Publikum bereits begegnet ist.

Tag 1: Ankommen, Palazzo Bembo, Aperitivo

Der ideale Start führt direkt in Richtung Palazzo Bembo. Dort zeigt Rita Sabo ihre Ausstellung „UNISON – Fusion of High Cultures“ im Rahmen von Personal Structures. Der historische Ort gibt den Arbeiten eine besondere Spannung: zeitgenössische Kunst im Dialog mit venezianischer Architektur.

Danach lohnt sich ein Spaziergang durch die Stadt – nicht zu geplant, eher intuitiv. Venedig funktioniert am besten, wenn man sich treiben lässt. Ein Espresso im Stehen, ein Blick auf den Canal Grande, ein kurzer Abstecher in eine versteckte Kirche oder einen Innenhof: Die Stadt kuratiert sich gewissermaßen selbst.

Zum Aperitivo gehört natürlich ein Klassiker: Harry’s Bar, wenn es ikonisch sein darf. Alternativ eine Terrasse mit Blick auf das Wasser – etwa im Umfeld des Gritti Palace oder entlang des Canal Grande.

Tag 2: Giardini, Deutscher Pavillon, Kunstgespräche

Am zweiten Tag sollte man früh starten. Die schönste Fahrt führt mit dem Vaporetto (öffentliches Wassertaxi) Richtung Giardini, wenn das Licht noch weich über der Lagune liegt. Genau dann zeigt Venedig seine eleganteste Seite.

In den Giardini wartet der Deutsche Pavillon – in diesem Jahr mit einer besonders emotionalen Geschichte. Der posthum realisierte Beitrag von Henrike Naumann und Sung Tieu gehört zu den Momenten, die man nicht nur betrachtet, sondern mitnimmt. Danach bleibt Zeit für weitere Länderpavillons, für die Arsenale-Ausstellungen und für jene Gespräche, die zur Biennale dazugehören: über Kunst, Politik, Verantwortung und die Frage, was zeitgenössische Kunst heute leisten kann.

Venedig zwischen Glaube, Wasser und Geschichte: Eine kleine Votivlaterne am Canal Grande erinnert daran, wie eng die Lagunenstadt seit Jahrhunderten mit Schutzsymbolen, Schifffahrt und Spiritualität verbunden ist.
Venedig zwischen Glaube, Wasser und Geschichte: Eine kleine Votivlaterne am Canal Grande erinnert daran, wie eng die Lagunenstadt seit Jahrhunderten mit Schutzsymbolen, Schifffahrt und Spiritualität verbunden ist. Fotocredit: Helen Siegel / Exklusiv München

Stilvolle Adressen für ein Biennale-Wochenende

Wer Venedig besonders elegant erleben möchte, findet in der Stadt einige Adressen, die den Charakter eines solchen Wochenendes prägen.

Aman Venice
Diskreter Luxus direkt am Canal Grande – untergebracht in einem prachtvollen Palazzo.

The Gritti Palace
Der Klassiker für Biennale-Gäste. Venezianische Grand-Hotel-Kultur mit Blick auf Santa Maria della Salute.

Hotel Cipriani
Legendäre Terrasse, ikonischer Pool und fast filmreife Sonnenuntergänge über der Lagune.

Peggy Guggenheim Collection
Auch während der Biennale ein Pflichtbesuch für Kunst- und Designliebhaber.

Palazzo Bembo
Einer der wichtigsten Orte rund um Personal Structures – und aktuell Schauplatz der Ausstellung von Rita Sabo.

Fazit: Venedig lohnt sich 2026 besonders

Die Biennale 2026 ist weit mehr als ein internationaler Kunsttermin. Sie ist ein kultureller Kurztrip zwischen Haltung, Ästhetik und italienischem Lebensgefühl. Für München wird sie zusätzlich interessant, weil gleich mehrere Künstlerinnen mit Bezug zur Stadt in Venedig sichtbar werden.

Rita Sabo wird mit dem ECC-Ehrenpreis ausgezeichnet. Alexandra Kordes bringt mit ihrer Skulptur „The World is falling apart“ eine starke zeitdiagnostische Position nach Venedig. Und der Deutsche Pavillon erinnert daran, dass Kunst manchmal dort am stärksten wirkt, wo sie berührt, irritiert und nachhallt.

Venedig bleibt damit auch 2026 das, was es immer war: ein Sehnsuchtsort. Nur diesmal mit besonders viel Gegenwart.

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