Donnerstag , November 14 2019
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OBADOBA: Statt Berggottesdienst erster Gipfeldialog der Weltreligionen

Der französische Schriftsteller und Literaturpreisträger André Gide sagte einst: ‚Das beste Mittel, sich kennen zu lernen, ist der Versuch, andere zu verstehen.‘ Beim ersten interreligiösen Gipfeldialog namens OBADOBA wurden Gemeinsamkeiten und verbindende Elemente der verschiedenen Glaubensrichtungen herausgearbeitet. Höhepunkt war ein ‚Gebet der Religionen‘ auf dem Allgäuer Fellhorn.

OBADOBA Gipfeldialog der Weltreligionen
Statt Gottesdienst auf dem Fellhorn wurden Texte und Gebete der verschiedenen Weltreligionen vorgelesen. Fotocredit: Anja Schäfer

Obadoba ist Allgäuerisch und heißt so viel wie ‚ganz oben, auf den Gipfel hinauf‘. Vertreter aus sechs Weltreligionen – vom Islam über Hinduismus und Buddhismus über Judentum bis zur Bahai Religion und dem Christentum – trafen sich zum interreligiösen Austausch u.a. auf dem Gipfel.

Bereits am Samstag stand ein Symposium mit Workshops unterschiedlichster Glaubensrichtungen sowie eine Podiumsdiskussion zum Thema „Religion & Politik“ auf dem Programm. Bei dieser neuen und erstmaligen Veranstaltungsreihe rückte vor allem der interreligiöse Austausch unter der Federführung namhafter Vertreter der unterschiedlichen Glaubensrichtungen mit dem Ziel, neue Perspektiven zu schaffen in den Mittelpunkt.

Freier Eintritt für Besucher

„In einer Zeit, in der uns die Medien tagtäglich von trennenden Elementen berichten, ist es uns ein Herzensanliegen, den Menschen unserer Region und unseren Gästen Gemeinsamkeiten in Form eines interreligiösen Dialoges aufzuzeigen“, betont Dr. Stefan Topp, einer der beiden Initiatoren von OBADOBA. „Deswegen ist der Eintritt zu allen Veranstaltungen frei und für jedermann zugänglich“ ergänzt Michael Lucke, Mitinitiator des Projekts, der an dieser Stelle die großzügige Unterstützung regionaler Sponsoren und privater Förderer hervorhebt.

Religionsvertreter beim ersten OBADOBA Interreligioser Gipfeldialog Mitte Juli auf dem Fellhorn. Fotocredit: Anja Schäfer
Religionsvertreter beim ersten OBADOBA Interreligioser Gipfeldialog Mitte Juli auf dem Fellhorn. Fotocredit: Anja Schäfer

Nach einer traditionellen Begrüßung durch Alphornbläser begann das „Gipfelgespräch“ im Glasraum der Bergstation. Mit der Begrüßung durch Michael Lucke und klassischer Musik. Prof. Dr. Martin Rötting (OCCURSO und Universität Salzburg) führte in das Thema mit dem Verweis auf die Lebenserfahrungen der Referenten ein, die sich beide als Mönche ja ganz dem spirituellen Pfad verpflichtet haben, eben in unterschiedlichen Religionen. „Mit Erleuchtung am Boden bleiben“ brachte Erzabt Notker Wolf OSB und Bhante Nyanabodhi (Buddha Haus Allgäu und Waldkloster) vor allem durch ihre Schilderungen konkreter Erfahrungen auf den Punkt. Manchmal seien es gerade die kleinen Schritte, die einen auf den Boden bringen und auch näher dem, was in Richtung Erleuchtung weise.

OBADOBA Höhepunkt: Gebet der Religionen

Auf der Mittelstation des Fellhorn bei Oberstdorf gab es das Gebet der Religionen. Ingrid Winkler moderierte das Ganze, welche durch das Bild des Baumes mit Wurzel und Frucht die Verbundenheit und Offenheit von Religionen darstellte. Diese begegneten sich im Gebet nach dem Vorbild des Friedensgebetes von Assisi 1986. Das Christentum vertraten der Evangelische Pfarrer Dekan Jörg Dittmar und der Katholische Pfarrer Andreas Beutmüller. So wurde eine Passage aus einer Bergpredigt den Sonnengesang des Franz von Assisi gegenübergestellt.

Imam Ahmed Yilderim (Immenstadt) trug zwei Suren vor. Ddarunter Sura 13, in der es heißt: „Ich habe Euch zu Stämmen und Völkern gemacht, damit ihr einander kennen lernt.“, die von Aykan Inan (DITIB) übersetzt wurden.

Das Judentum wurde durch Josef Strzegowski von der Synagoge in Augsburg vertreten. Er las aus dem zweiten Buch Mose dem Propheten Jesaja vor (44,24 – 45,7). Dabei hüllten sich die Berge im Text in Nebel hüllten – und das im Anblick des Bergpanoramas.

Sechs Weltreligionen vereint an einem Ort

Für den Buddhismus rezitierte Abt Bhante Nyanabodhi ein Gebet zur Einladung der geistigen Wesen (Paritta Parikamma). Danach zitierte er die Lehrrede von der Liebenden Güte und schloss mit einem Segensgebet ab.

Die Hinduistische Tradition wurde durch Renate Shivakami und Volker Sukadev Bretz vertreten. Beide rezitierten unter anderem einen Text ihres Lehrers Swami Sivananda.

Die „jüngste Weltreligion“ sind die Bahai, vertreten durch Benedikt Poller und Manuela Tänzer, sie trugen Lieder und Gebete vor.

Als Ausklang wurden bunte Bänder von allen Teilnehmern beschriftet. Die Wünsche und Bitten wurden an ein Seil gebunden und aufgehängt. Als Gebetsfahnen flattern sie heute noch im Wind.

Für 2020 ist der zweite Gipfeldialog geplant. Der Termin steht allerdings noch nicht fest!

 

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