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Pop Art Ikonen: Haring trifft auf Warhol im Brandhorst Museum

Von Kunst und Politik über Aktivismus bis hin zu Themen wie Nachtleben, Celebrity-Kultur, diverse, queere Communities und Sexualität sowie Tod und Religion – all diese Inhalte spiegeln sich in der Kunst der beiden Pop Art Künstler. Und auch im Rahmenprogramm zur Ausstellung, welche bis 26. Januar 2025 läuft.

Im Brandhorst Museum gab es Werke von Andy Warhol längst in der Dauerausstellung. Jetzt werden sie in Verbindung mit Keith Haring gezeigt.
Im Brandhorst Museum gibt es schon immer Werke von Andy Warhol längst in der Dauerausstellung. Dazu zählt auch sein ikonisches Selbstporträt, welches 1986 entstand.

Keith Haring und Andy Warhol zählen zu den bedeutendsten Protagonisten der Pop-Art-Bewegung. Sie erweiterten die Grenzen dessen, was als Kunst betrachtet wird, und stellten dabei soziale sowie kulturelle Themen in den Vordergrund. Ihre Werke sind nicht nur für die Kunstwelt von großer Bedeutung, sondern auch für jeden Kunstinteressierten inspirierend.

Die Ausstellung „Andy Warhol & Keith Haring. Party of Life“

Man darf bei den rund 120 Werken eine Vielzahl an Werken aus den Beständen des Museums Brandhorst sowie einschlägige Leihgaben aus institutionellen und privaten Sammlungen erwarten. Neben berühmten Schlüsselwerken zeigt die Ausstellung auch Film- und Fotoaufnahmen, Archivmaterial sowie Poster, Schallplatten und Alltagsgegenstände. Das Highlight bildet das von Andy Warhol gestaltete BMW Art Car aus dem Jahr 1979.

Sparkling & Wild: 1980er-Jahre New York im Film

Die fünfte Kooperation mit dem FILMFEST MÜNCHEN fokussiert sich auf die filmischen und künstlerischen Subkulturen New Yorks der 1980er-Jahre. Videoarbeiten von Courtney Harmel und Tom Rubnitz lassen in ein Jahrzehnt queerer (Klub-)Kultur, Performance und Fernsehobsessionen im New Yorker East Village eintauchen. Sie erzählen ihre eigenen Geschichten zur „Party of Life“. Seit 28. Juni bis 7. Juli 2024 werden außerdem beim FILMFEST MÜNCHEN ausgewählte Filme in Münchner Kinos gezeigt, die nach Uptown, Midtown und Downtown New York entführen.

Jeden letzten Donnerstag im Monat Liquid Rhythms

Ein besonderes Highlight im Rahmen der Ausstellung ist der lange Donnerstag. Besucher:innen können sich auf eine bunte Mischung aus Kunst, Musik, Gesprächen, Jugendclub-Aktivitäten, Workshops, Führungen sowie Food und Drinks von Wine Rebels freuen. Jeden letzten Donnerstag im Monat legen DJs des Münchner Music Labels Public Possession live auf. Passend zur „Andy Warhol & Keith Haring. Party of Life“ haben sie eine Spotify-Playlist erstellt.

Begleitprogramm zur Ausstellung ‚Andy Warhol & Keith Haring. Party of Life‘

In der Factory im Museum Brandhorst finden jede Woche Kreativ-Workshops und Führungen zur Ausstellung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt.

Jeden Donnerstag werden von 17:30 bis 19:30 Uhr Workshops speziell für Jugendliche und Erwachsene angeboten. Samstags von 14 bis 16 Uhr Workshop für Kinder und Familien. Am Sonntags von 13 bis 16 Uhr finden die Workshop für alle statt.

Interview mit Franziska Linhardt
Kuratorin der Ausstellung „Andy Warhol & Keith Haring. Party of Life“

„Andy Warhol & Keith Haring. Party of Life“ – wie kam es zu diesem Ausstellungstitel?

Kuratorin
Kuratorin Franziska Linhardt. Fotocredit: Manuel Nieberle

Keith Haring und Andy Warhol verkörperten das Motto „Party of Life“ nicht nur bei Harings ikonischen Geburtstagsfeiern in New Yorker Clubs wie der Paradise Garage oder dem Palladium, sondern auch in ihrem künstlerischen und persönlichen Leben, das von dem Grundsatz „Work Hard, Play Hard“ geleitet war. In den 1980er-Jahren herrschte eine große Ambivalenz in der New Yorker Kunstwelt. Einerseits florierte die queere Sub-,Celebrity- und Clubkultur und stand für Offenheit, Hedonismus und Kollaboration.

Andererseits war die Zeit geprägt durch politische Repression, außer Kontrolle geratenen Kapitalismus, Atomkrieg und das Aufkommen von HIV. In diesem ambivalenten Jahrzehnt bewegten sich Warhol und Haring und schufen ihre Kunstwerke. Und auch ihr Lebensende war intensiv: Warhol überlebte 1968 nur knapp ein Schussattentat und starb 1987 unerwartet an den Folgen einer Operation, während Haring 1990 im Alter von 31 Jahren an AIDS verstarb.

Welche Ansätze haben Sie und Ihr Team verfolgt, um die Werke dieser beiden international gefeierten Künstler zu präsentieren? Welche Herausforderungen haben sich dabei für Sie als Kuratorin ergeben?

Franziska Linhardt: ‚Im Museum Brandhorst präsentieren wir die weltweit erste institutionelle Ausstellung, die sich den beiden Künstlern zusammen widmet. Trotz großen Altersunterschieds und sehr unterschiedlichen Stilen waren beide Freunde und Kollegen. Mit Fokus auf die späten 1970er- und die 1980er-Jahre zeigen wir, wie viele Überschneidungen Warhol und Haring in ihren Werken sowohl hinsichtlich ihrer Ansätze als auch ihrer Themen doch hatten.

Wir stellen auch ihre Offenheit für Kollaboration vor, die neue Perspektiven auf die künstlerische Produktion der beiden erlaubt. Wie Influencer:innen heute nutzten die beiden Künstler ihre eigene Bekanntheit sowie ihr soziales und künstlerisches Netzwerk der New Yorker Pop- und Subkultur als Marketingstrategie, um Aufmerksamkeit für ihre Kunst zu generieren und vermischten so die Grenzen der kulturellen Sphären. In der Ausstellung erzählen wir Geschichten zu dem Umfeld der beiden – stellen durch Kunstwerke die Orte, Szenen und Menschen vor, an und mit denen sie in New York gearbeitet haben.‘

Was verband die beiden Künstler und worin unterschieden sie sich?

Franziska Linhardt: ‚Andy Warhol und Keith Haring kamen beide aus christlich geprägten Familien aus Pennsylvania. Sie ließen als schwule Männer diese heteronormativen Strukturen früh hinter sich – beide zog es nach New York City (wenn auchdreißig Jahre versetzt). Durch ihre jeweiligen „Signature Styles“, wurden sie zu erfolgreichen Künstlern und entwickelten sich beide auf ihre Weise vom Geheimtipp zum Popstar und zur Marke. Haring kam aus einer jüngeren Generation, war offen homosexuell und ging damit auch offensiv in seiner Kunst um, Warhol dagegen erhielt stets sein Bild der distanzierten, etwas entrückten Person.

Viele Geschichten zirkulieren um die beiden, auch diejenigen, die sie selbst durch ihre veröffentlichten Tagebücher, viele Interviews und Anekdoten in Biografien kreierten. Letztendlich sind Andy und Keith vor allem Kunstfiguren und Projektionsflächen. Warhol hat es selbst so schön formuliert: „If you want to know all about Andy Warhol, just look at the surface of my paintings and films and me, and there I am. There’s nothing behind it.“

Warhol und Haring arbeiteten stets nach dem Credo „Alles kann Kunst sein“. Inwiefern wird dieser Ethos in der Ausstellung präsentiert?

Franziska Linhardt: ‚Warhol und Haring distanzierten sich von einem elitären Kunstbegriff und präsentierten ihre Werke in unkonventionellen Formaten und Räumen. In der Ausstellung werden neben traditionellen Kunstmedien wie Malerei und Skulptur auch kommerziellere Objekte wie von ihnen gestaltete T-Shirts, Poster und Schallplatten gezeigt. Highlights sind Warhols Fernsehshows und ein von ihm bemaltes Rennauto sowie Harings „Pop Shop“, in dem er von ihm und anderen Künstler:innen gestaltetes Merchandise verkaufte. Keith Harings bekannte „Subway Drawings“ und seine politisch engagierten Poster, die sich mit Themen wie AIDS-Aufklärung, Drogensucht und der Apartheid in Südafrika auseinandersetzen, sind ebenfalls ausgestellt. Es war ihm wichtig, mit seiner Kunst ein breites Publikum zu erreichen.‘

Die beiden Ikonen gelten als „Vorboten unserer Zeit“. Inwiefern waren Warhol und Haring ihrer Zeit voraus und was können wir heute noch aus ihrem Werk lernen?

Franziska Linhardt: ‚Andy Warhol und Keith Haring revolutionierten die Verbreitung ihrer Kunst und Botschaften durch den innovativen Einsatz verschiedener Medien und Kanäle, ähnlich heutigen Influencer:innen. Sie schöpften aus ihrer eigenen und der Berühmtheit anderer, schufen Auftragsarbeiten, kollaborierten mit Firmen und brachten den Underground in den Mainstream. Die Ausstellung thematisiert die scharfsinnigen Beobachtungen beider Künstler zu ihrer Zeit, darunter Konsumkultur, Atomkriegsängste, die Stigmatisierung von Krankheiten, Gentrifizierung, die Übermacht der Medien und das Streben nach Gemeinschaft in Krisenzeiten, die heute noch genauso relevant sind wie damals.

Besonders Haring nutzte seine Bekanntheit, um mit seiner aktivistischen Kunst gesellschaftlichen Wandel anzustoßen und formuliert in eigenen Worten: „Ein:e Künstler:in ist ein Sprachrohr einer Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte […] ein:e Vermittler:in zwischen dem, ‚was ist‘, und dem, ‚was sein könnte‘.“

Originalzitat Keith Haring:„An artist is a spokesman for a society at any given point in history […] a medium between ‘what is’ and ‘what could be.“

Was sind Ihre persönlichen Highlights der Ausstellung?

Franziska Linhardt: ‚Zu den vielen Höhepunkten der Ausstellung gehört zweifelslos Andy Warhols „Time Capsule 522“, die wir für die Ausstellung als Leihgabe vom Andy Warhol Museum aus Pittsburgh bekommen. Diese sehr persönliche Arbeit ist eine von 600 sogenannten „Time Capsules“, Pappkartons, in denen er alles sammelte, was ihm in seinem Alltag und Leben bewahrenswert schien. Die „Time Capsule 522“ umfasst etwa 170 Objekte, die Warhol in den 1980er-Jahren zusammentrug und die erstmals alle zusammen in Deutschland präsentiert werden: Zu entdecken sind kleine Kunstwerke oder Notizen von Künstler:innen wie Keith Haring, Jean-Michel Basquiat, Robert Rauschenberg oder Kenny Scharf und vielen anderen. Sie wechseln sich ab mit Fotos, Schallplatten, Büchern, unzähligen Weihnachtskarten, mit privater und geschäftlicher Korrespondenz oder mit Kopien von Geburts- und Hochzeitsurkunden von Warhols Eltern. Eine echte Zeitreise!‘

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