Donnerstag , Juni 30 2022
Home / Kunst & Kultur / Steht neues Konzerthaus für München auf der Kippe?

Steht neues Konzerthaus für München auf der Kippe?

Die Stiftung Neues Konzerthaus München, welche als Zeichen bürgerschaftlichen Engagements 2016 auf Wunsch der Bayerischen Staatsregierung gegründet wurde, ist irritiert über die jüngsten Aussagen von Markus Söder. Die Stiftung bezieht sich in ihrem Vertrauen auf politische Zusagen. Besonders auf den Beschluss des Haushaltsausschusses im Bayerischen Landtag vom Juli 2021. Dieser entschied, dass die Planungen für den Bau eines neuen Konzerthauses in München in die nächste Phase gehen können. Auf einmal braucht die Politik eine Denkpause? Seit 20 Jahren 

Konzerthaus München. Fotocredit/Rendering: Bloomimages für Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH
Konzerthaus München. Fotocredit/Rendering: Bloomimages für Cukrowicz Nachbaur Architekten aus Bregenz

Kein Konzerthaus der Weltklasse ?

Stiftungsvorstand Georg Randlkofer hat wenig Verständnis für die „Denkpause“ von Markus Söder. „Wir sind enttäuscht, denn als Partner hätten wir erwartet, dass wir die neueste Entwicklung nicht aus den Medien erfahren müssen. Die Denkpause verbindet der Ministerpräsident ja mit Gesprächsangeboten, die wir sehr gerne annehmen werden und auf die wir sehr hoffen.“

Kulturelles Jahrhundertprojekt!

„Wir erwarten eine stabile und langfristig aufgestellte Kulturpolitik, die nicht plötzlich angesichts weltweiter Krisen jahrelang vorbereitete, sorgsam abgewogene kulturelle Jahrhundertprojekte in Frage stellt. Da setzen wir klar auf Verlässlichkeit und auf mutige Entscheidungen“, so Randlkofer weiter. „Die Planungen laufen ja trotz Denkpause weiter und je schneller wir mit dem Bau beginnen, desto schneller haben wir auch Klarheit über die tatsächlichen Kosten. Die Denkpause kostet schließlich auch Geld. In den Planungsprozess sind bereits viele Millionen geflossen und ich hielte es für einen großen Fehler, das Projekt zu lange zu schieben.“

Wie hoch sind die Baukosten und woher kommt das Geld?

Georg Randlkofer stellt die von Ministerpräsident Söder prognostizierten Baukosten in Höhe von einer Milliarde Euro infrage. „Im Haushaltsausschuss des Landtags war vor einem Jahr die Rede von 580 Millionen Euro Baukosten, die aufgrund erwartbarer Kostensteigerungen auf rund 700 Millionen Euro steigen könnten. Das ist noch weit entfernt von einer Milliarde.“

Vorstandsmitglied Ulrich Wilhelm verspricht sich vor allem von der Arbeit Sir Simon Rattles, der als Dirigent das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks 2023 übernehmen wird, wegweisende Impulse in der Musikvermittlung und eine Strahlkraft weit über Bayern hinaus.

„Es wird im Konzerthaus ein ganzes Stockwerk geben für education und Sir Simon Rattle hat gezeigt, wie es gelingen kann, Musik zu vermitteln in gesellschaftlichen Schichten, die bislang nicht für Musik zugänglich waren. Und er freut sich auf die Arbeit in München unter den Vorzeichen, die er bislang erwarten durfte.“

Das Konzerthaus, so Wilhelm weiter, werde ein Ermöglichungsort für die musikalische Entwicklung der Zukunft sein und das Vermächtnis Münchens als Musikweltstadt neu definieren.

Mit dem Konzerthaus entsteht erstmalig ein „digitales Klassenzimmer“, das ganz Bayern neue Wege für die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen bietet. „Bayern als Kulturstaat darf meiner Meinung nach den Weg in die Zukunft der digitalen Welt nicht verschlafen. Mit dem Konzerthaus rüsten wir uns für kommende mediale Entwicklungen und setzen neue Standards“, so Vorstandsmitglied Anna Kleeblatt.

Als erstklassige Spielstätte werde das Neue Konzerthaus München eine kulturpolitische Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus entwickeln und internationale Spitzenensembles und Musikliebhaber aus aller Welt anziehen. Dabei gehe es nicht um Luxus, sondern um optimale Akustik, bestmögliche Sicht und neueste Bühnentechnik.

Ein Kulturort für alle an jedem Wochentag

„Das neue Konzerthaus wird viel mehr sein als ein dringend benötigter Konzertsaal für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO), das als einziges der Münchner Spitzenorchester von internationalem Rang bislang keinen festen Spielort hat“, so Ulrich Wilhelm.

Es soll ein Kulturort werden, der an sieben Tagen der Woche jeweils 24 Stunden zugänglich ist. Die Stiftung steht hinter dem Gedanken eines Konzerthauses, das offen ist, gerade auch für Menschen, die bislang eher keine klassischen Konzerte besucht haben. Als Begegnungsstätte für Menschen unterschiedlichen Alters, aus unterschiedlichen sozialen Schichten und Kulturen wird sie Maßstäbe setzen in der zeitgemäßen Musikvermittlung. Innovation, Partizipation und Interaktion sind die Kernthemen im Konzerthaus, das zahllose Möglichkeiten bietet, neue Formate abseits der Klassik und spannende neue Spielorte zu entwickeln. Moderne Tonstudios stehen für Musiker*innen aller Genres zur Verfügung.

Kulturelle Angebot in München nicht mit gewachsen?

Der Standort im neuen Werksviertel mit seiner lebendigen Hallenkultur ist ideal, das Konzerthaus wesentlicher Teil einer spannenden Stadtentwicklung und die Anbindung an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr optimal. Anna Kleeblatt: „Kein Kulturbau in Bayern ist besser verkehrlich erschlossen als das Konzerthaus. Das neue Konzerthaus ist durch seine Nutzung und die herausragende Architektur identitätsstiftend für München und ganz Bayern. München als eine der bedeutendsten Musikstädte der Welt braucht Kontinuität, um seine kulturelle Exzellenz zu sichern und damit auch den Tourismusstandort München zu stärken. Die Landeshauptstadt München ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, da muss das kulturelle Angebot im Bereich Musik mitwachsen.“

„Wir machen uns weiter stark für ein erstklassiges Konzerthaus, über das in München schon seit fast 20 Jahren diskutiert wird. Jetzt muss endlich gehandelt werden“, fordert Georg Randlkofer im Namen der Stiftung Neues Konzerthaus München. „Wir werden jede Möglichkeit nutzen, um die Bevölkerung und die Politik zu informieren und davon zu überzeugen, dass München das Konzerthaus braucht. Jetzt.“

Unser Artikel zum Konzerthaus München vom 28. Oktober 2017

München bekommt ein neues Konzerthaus. Entstehen wird es an der Atelierstrasse – in Münchens neuen Viertel ‚Werksviertel Mitte‘. Die Mischung hier aus Kreativen, bildenden Künstlern, Start-up-Unternehmen und Musikern passt perfekt zum neuen Konzerthaus. Dieses ist auch das neue Zuhause des Bayerischen Symphonieorchesters. 

Der Entwurf vom Konzerthaus München kann man in einer Ausstellung in der WhiteBox bis 26. November 2017 selbst erkunden.
Der Entwurf vom Konzerthaus München kann man in einer Ausstellung in der WhiteBox bis 26. November 2017 selbst erkunden.

München verändert sich in einer nie da gewesenen Dimension. Früher als Kunstpark Ost bekannt, entwickelt sich das Werksviertel stetig weiter. Neuzugang Okotber 2021: Adina Hotel.

Neues Konzerthaus München

Insgesamt waren 35 Architekturbüros aus aller Welt zum Wettbewerb zugelassen worden. Mit großem Interesse wird aber nicht nur die Enthüllung der architektonischen Gestalt des Konzerthauses erwartet. Spannend ist auch die Frage, wie sich das neue Konzerthaus in das aufregende Gesamtgefüge im Werksviertel eingliedern wird. Nach zweitägiger Jurysitzung und viel Kritik, da man mit dem Gasteig bereits ein Konzerthaus hat, wurde am 28. Oktober 2017 der Siegerentwurf des Planungswettbewerbs für das neue Konzerthaus präsentiert. Der Entwurf des Architekturbüros Cukrowicz Nachbaur aus Bregenz überzeugte die Preisrichter dabei am meisten.

LESETIPP

Stadt, Land, Rid Stiftung: Stadtpolitik für eine lebendige Innenstadt

Die Stadt München steht vor einer neuen Herausforderung: Was kann man gegen leere Innenstädte tun und dabei die Ethik des Konsums nicht verletzen? Drei Institutionen bündeln Kompetenzen. 8. Juli ist Stichtag für eine Förderinitiative!