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Pinakothek der Moderne & Jugendnetzwerk YouthNet: ‚Meine Identität‘ Werkschau

In der Werkschau im Raum ‚Kunstvermittlung‘ der Pinakothek der Moderne zeigen 20 junge Menschen ihre Werke, die sich  künstlerisch mit ihrer Identität, ihren Wurzeln und ihren Träumen, Wünschen und Ängsten auseinandersetzen. Ein Glücksfall für das Projekt ist dabei die aktuelle Ausstellung der iranischen Künstlerin Shirin Neshat: Ihr Werk wurde zur wichtigen Quelle der Inspiration für die Jugendlichen, denn Identität und Herkunft sind die zentralen Themen in Neshats Schaffen. Unter dem vielsagenden Titel „Living in One Land, Dreaming in Another“ sind sie in imposanten Foto- und Videoinstallationen vor Augen geführt und zugleich zur Debatte gestellt.

Ein Kunstwerk aus der Youth-Net-Jugendnetzwerk-Gemeinschaft. Fotocredit: Eveliene Klink
Ein Kunstwerk aus der Youth-Net-Gemeinschaft. Fotocredit: Eveliene Klink

Für die Jugendlichen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen wurde Shirin Neshat zu einem Vorbild. Ihre Geschichte ermutigte sie, sich mit der eigenen Identität zu beschäftigen. Dies ist auch der Schwerpunkt des diesjährigen Projekts. Zumal sich die Künstlerin gerührt über die Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit zeigte. Deshalb richtete sie auch eine berührende Videobotschaft an die Workshop-Mitwirkenden: „Wenn Ihr überlegt, wie Ihr Euer eigenes Kunstwerk machen wollt, dann denkt darüber nach, was Eure Bindungen und Wurzeln für Eure Identität bedeuten“, sagte Neshat. Das müsse nicht unbedingt die kulturelle Ebene betreffen, sondern ganz grundsätzlich „die Träume im Inneren und das Funktionieren im Äußeren“.

Die aktuelle Ausstellung der iranischen Künstlerin Shirin Neshat ist im ersten Stock der Pinakothek zu finden.
Die aktuelle Ausstellung der iranischen Künstlerin Shirin Neshat ist im ersten Stock der Pinakothek zu finden. Fotocredit: EM

Über Shirin Neshat

Vor über 40 Jahren ist die im damals noch persischen Qazvin geborene Tochter einer weltoffen-liberalen Familie in die USA emigriert. Neshat kennt das Gefühl, zwischen den Welten zu schweben, in der einen zu leben und von der anderen zu träumen. In der alten die Wurzeln zu haben und in der neuen zu wachsen und vielleicht sogar zu blühen. Ausdruck finden diese beiden Sphären etwa in der Serie „Land of Dreams“ (2019), einer faszinierenden Melange aus westlicher Porträtkunst und persischer Kalligrafie.

Jugendnetzwerk Abschlusspräsentation

Und nun ist in der Pinakothek der Moderne, wenige Meter neben Neshats Auftritt, die Abschlusspräsentation der YouthNet-Gemeinschaft zu erleben. In sehr unterschiedlichen Formen und Medien sind die vielen Facetten des eigenen Ich zum Ausdruck gebracht. Das reicht von Fotografien und gefilmten Interviews bis hin zu Texten und Collagen.

Doch wer sind die jungen Kreativen? Fotocredit: Eveliene Klink

Die 14- bis 22-Jährigen wurden in München geboren, sie sind hierhergezogen oder geflüchtet. Sie haben entweder einen christlichen, muslimischen, jüdischen oder jesidischen Hintergrund.

Gemeinsam stehen sie für die Vielfalt von München, und seit die Plattform YouthNet vor fünf Jahren ins Leben gerufen wurde, haben bereits über 100 junge Münchnerinnen und Neu-Münchner Anschluss und ein Forum für ihre individuelle Geschichte gefunden. Dabei lernen die Jugendlichen, mit Vorurteilen umzugehen, die eigenen Grenzen zu überwinden und in einer heterogenen Gruppe im Team zu arbeiten. Sie setzten sich mit Zivilcourage und Toleranz auseinander.

Miteinander beim Jugendnetzwerk YouthNet

Dieses Miteinander endet nicht mit dem Abschluss eines halbjährigen Projekts, vielmehr ist bei YouthNet Kontinuität gefragt: Die Mentoren der aktuellen Programme – in diesem Turnus sind es sieben – waren selbst bei vergangenen Workshops dabei. Sie tragen unter dem Motto „YouthNetIdentität“ mit einem Werk zur Ausstellung bei.

Amelie Fried mit Eva Rapaport vom Jugendnetzwerk YouthNet. Fotocredit: Eveline Klinck
Amelie Fried mit Eva Rapaport vom Jugendnetzwerk YouthNet beim Werkschau-Opening-Abend. Fotocredit: Eveliene Klink

Für die Initiative steht ein engagiertes Trio

Die Unternehmerin und Mediatorin Eva Rapaport hat YouthNet 2017 gegründet und ist für das Konzept und die Gesamtorganisation zuständig. Die Fotografin und Grafikerin Sharon Buck verantwortet als Künstlerische Leiterin die Kunstprogramme und die Dokumentation. Der Historiker und Projektmanager Dr. Oren Osterer, der seit vielen Jahren in der bundesweiten Jugendarbeit aktiv ist. Er betreut die gesellschaftspolitischen Themen und entwickelt digitale und interaktive Formate für Workshops und Diskussionen.

YouthNet geht auf die Lichterkette zurück, die im Dezember 1992 mit ihrem Protest gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalismus für großes Aufsehen im In- und Ausland gesorgt hat. Mehr als 400.000 Menschen gingen alleine in München auf die Straße, damit ist diese friedliche Demonstration bis heute ohne Beispiel. Seit 30 Jahren setzt sich der Verein ‚Lichterkette e.V.‘ mit gemeinnützigen Aktionen für ein offenes, friedliches und respektvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft ein. Bülent Aladag vom Vorstand der Lichterkette ist Mentor von YouthNet.

Pinakothek der Moderne & YouthNet ‚Meine Identität‘ Werkschau Gäste

Drehbuchautor Peter Probst, Susanne Kurz (Kulturpolitische Sprecherin der Landtagsgrünen). Serdar Duran, Mitarbeiter im Wirtschaftsreferat der Stadt München und Experte für Migration und Integration. Judith Csiki, Kuratorin der Ausstellung von Shirin Neshat.

Die Werkschau ist bis 15. Mai 2022 im Raum ‚Kunstvermittlung‘ der Pinakothek der Moderne zu sehen.

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