Montag , November 30 2020
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Wann kann ich nach einer Covid-Erkrankung wieder Sport treiben?

Lauftreffs in München gibt es einige. Der exklusivste, welcher sogar gratis ist, ist der Lauftreff der BKK Mobil Oil im Englischen Garten. Jeden Dienstag und Donnerstag trifft man sich von Frühjahr bis Sommer am HVB Sportsclub am Englischen Garten. Immer mit dabei: ein interessanter Gast. Oft prominente Sportler, Ärzte, oder Laufexperten! 2020 wäre es in die 16.te Sommersaison gegangen, aber durch Corona findet auch der beliebte Lauftreff jetzt virtuell statt. 

Wann kann ich nach einer Covid-Erkrankung wieder Sport treiben?
Mediziner Dr. Milan Dinic gibt Gesundheits-Tipps über Sport in Zeiten von Corona. Fotocredit: Silvia Beres

Wann kann ich nach einer Covid-Erkrankung wieder Sport treiben?

Dr. Milan Dinic hatte in diesem Jahr schon viele Sportler in der Praxis, bei denen die Covid-19-Infektion zu einer Herzmuskelentzündung geführt hatte. Manche hatten es gar nicht gespürt. Sie sind aber zu ihm gekommen, weil sie beispielsweise bemerkt haben, dass ihre Leistung auch Wochen oder Monate nach der Infektion nicht wieder dieselbe war. Kurzatmigkeit und schnelle Erschöpfung waren die Symtome und Dr. Dinic stellte oft fest, dass viele Sportler sich nach einer Corona-Erkrankung gar nicht richtig erholen. Viele kommen auch nach sechs Monaten noch nicht an ihre vorherige Leistungsfähigkeit heran.

Sporttauglichkeitsuntersuchung wichtiger denn je

‚Wir Mediziner wissen noch so vieles nicht über diese neue Erkrankung. Klar ist aber: Ein milder Verlauf sagt nicht aus, dass nach ein paar Wochen wieder alles vorbei ist. Viele Menschen, die milde Symptome hatten, entwickeln beispielsweise Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen, die sich lange hinziehen. Eine ausreichende Sportpause und eine Sporttauglichkeitsuntersuchung sind daher wirklich wichtig, um möglichst sicher – also mit geringstem Risiko – wieder trainieren zu können‘, empfiehlt der Münchner Mediziner.

Bei welchen Erkältungssymptomen sollte man mit dem Sport pausieren – bei Schnupfen schon oder bei Halskratzen?

Dr. Milan Dinic: „Bei Schnupfen und Halskratzen darf man noch moderat trainieren, also beispielsweise langsam Laufen oder Radfahren. Bei Erkältungssymptomen unterhalb des Genicks, etwa Husten oder Gliederschmerzen, sollte jedoch eine sofortige Sportpause eingelegt werden. Ebenso, wenn Fieber auftritt – 38 Grad oder mehr beziehungsweise wenn die Körpertemperatur 0,5 Grad höher ist als normal. Kein Sport gilt außerdem, wenn der Ruhepuls zehn Schläge höher ist als normal. Messen Sie am besten morgens noch im Bett liegend.“

Wie lange und wie stark nach einem Training fährt das Immunsystem runter?

Dr. Milan Dinic: „Wie lange und wie intensiv der sogenannte Open-Window-Effekt anhält, ist ganz individuell, abhängig vom Zustand des Immunsystems und der Fitness. Das Immunsystem kann nach einer Sporteinheit wenige Stunden geschwächt sein, aber auch bis zu 48 Stunden. Um weniger anfällig für Infekte zu sein, rate ich während der Pandemie, besser moderat als intensiv zu trainieren.“

Muss ich bezüglich des „Open-Window-Effekts“ etwas beachten oder vermeiden nach dem Sport?

Dr. Milan Dinic: „Nach jedem Training gibt es einen Open-Window-Effekt. Achten Sie daher auf die richtige Regeneration: Wenn Sie abends draußen Joggen gehen oder Radfahren, halten Sie sich danach warm – etwa durch eine heiße Dusche oder Badewanne. Nehmen Sie nach dem Training Proteine und Kohlehydrate zu sich und gönnen Sie sich Ruhe und Entspannung.“

Gibt es auch Bewegung, die bei Infekten sogar gut wäre?

Dr. Milan Dinic: „Bei Infekten ohne Fieber empfehle ich Tai chi. Die sanften Bewegungen fördern die Entspannung, stärken das Immunsystem und unterstützen die Regeneration.“

Wann kann ich nach einer Covid-Erkrankung wieder Sport treiben?

Dr. Milan Dinic: „Das Thema „Sport nach Infekt“ wird häufig unterschätzt. Dabei sollte jeder wissen: Durch einen zu frühen Wiedereinstieg ins Training können Infekte verschleppt werden. Es kann unter anderem zu einer Herzmuskelentzündung kommen – die man übrigens meist nicht spürt – , vereinzelt sogar zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod.‘

Zu Sport nach einer Covid-19-Infektion gibt es keine pauschale Antwort. Wann man wieder trainieren darf, ist individuell abhängig von vielen Faktoren: Welche Symptome traten auf, wie war der Verlauf, gab es Komplikationen wie eine Herzmuskel- oder eine Lungenentzündung, wie ist die körperliche Ausgangssituation. Entsprechend der „Return to sports“-Empfehlungen der Fachgesellschaft DGSP sollten Sportler nach einem positiven Covid-19-Test, wenn sie symptomfrei waren, eine mindestens zweiwöchige Sportpause einlegen. Bei Symptomen wie Husten oder Fieber sollten sie zwei bis eher vier Wochen.

Bei einer Lungenentzündung mindestens vier Wochen auf ihr Training verzichten. Tritt eine Herzmuskelentzündung auf, sollte die Sportpause mindestens drei Monate andauern und ein Sportkardiologe sollte den Verlauf kontrollieren. Insgesamt möchte ich ausdrücklich betonen: Die Sportpause alleine gibt keine vollständige Sicherheit.

Da Covid-19 eine systemische Entzündung der Gefäße verursacht, können Organe unbemerkt und nachhaltig geschädigt werden. Um Risiken durch ein zu frühes Training zu vermeiden, sollten daher alle Sportler – selbst wenn sie keine Symptome hatten – vorab unbedingt Rücksprache mit einem Arzt halten und eine internistisch-sportkardiologische Untersuchung durchführen lassen. Je nach Symptomen und Verlauf zählen dazu zum Beispiel ein EKG, ein Herz-Ultraschall, ein Belastungs-EKG, ein Stressecho und eine Lungenfunktion. Außerdem werden verschiedene Blutwerte bestimmt.

Ich selbst hatte in diesem Jahr schon viele Sportler in der Praxis, bei denen die Covid-19-Infektion zu einer Herzmuskelentzündung geführt hat. Manche haben es gar nicht gespürt. Sie sind aber zu mir gekommen, weil sie beispielsweise bemerkt haben, dass sie ihre Leistung auch Wochen oder Monate nach der Infektion nicht wieder „gebracht“ haben. Wir Mediziner wissen noch so vieles nicht über diese neue Erkrankung. Klar ist aber: Ein milder Verlauf sagt nicht aus, dass nach ein paar Wochen wieder alles vorbei ist. Viele Menschen, die milde Symptome hatten, entwickeln beispielsweise Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen, die sich lange hinziehen. Eine ausreichende Sportpause und eine Sporttauglichkeitsuntersuchung sind daher wirklich wichtig, um möglichst sicher – also mit geringstem Risiko – wieder trainieren zu können.“

Bei ersten Anzeichen einer Erkäktung: Was kann ich tun, um gar nicht erst krank zu werden?

Dr. Milan Dinic: „Wichtig sind viel Ruhe und Schlaf. Vermeiden Sie Stress. Lesen Sie ein Buch statt aufs Smartphone zu schauen. Denken Sie an viel Flüssigkeit, durch Hühnersuppe – ein natürliches Antibiotikum – sowie Kräuter- und Ingwertees. Entsprechend der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) empfehle ich, etwas zu schwitzen. Nutzen Sie frischen Ingwer. Schneiden Sie mehrmals täglich ein daumengroßes Stück Ingwer in Scheiben, gießen Sie es mit 100 Milliliter heißem Wasser auf und trinken Sie das Ingwerwasser solange es warm ist. Die scharfe Knolle ist ein bekanntes Heilmittel in der TCM. Sie gilt als erwärmend und kann auf diese Art Weise in den Körper eingedrungene Faktoren wie Wind oder Kälte lösen, sie herauswerfen, den Körper befreien und stärken. Aber Achtung: Da Ingwer innerlich wärmt, sollte er bei Fieber sowie Magenproblemen nicht eingenommen werden.

Um das Immunsystem nicht weiter zu schwächen, sollten Sie bei Anzeichen einer Erkältung auch auf Zucker, Weizen, Milchprodukte und Fleisch möglichst verzichten. Greifen Sie zu leichter, kräftigender Kost wie Hühnersuppe oder frischer Gemüsesuppe mit Reis. Frühstücken Sie zudem warm und mit Getreide – beispielsweise Porridge mit Wasser und gegebenenfalls Trockenfrüchten.

Auch Bewegung an der frischen Luft hilft. Ziehen Sie sich warm und windgeschützt an, gehen Sie spazieren und atmen Sie tief ein und aus. So befeuchten Sie Ihre Atemwege, die in der Heizungsluft getrocknet wurden.

Bürsten der Haut ist ein weiterer Tipp aus der TCM. Indem Sie mehrmals am Tag Ihre Haut für mehrere Minuten bürsten, trainieren Sie Ihre Poren, damit diese sich schnell genug verschließen bevor Wind, Kälte und Feuchtigkeit eindringen. Das Bürsten fördert zudem die Durchblutung der Haut und hilft dem Stoffwechsel bei der Entgiftung und Reinigung.

Bei Fiebersymptomen über 38 Grad empfehle ich in Zeiten der Pandemie, den Hausarzt aufzusuchen.“

Wir hoffen, dass Ihr alle Antworten zu: ‚Wann kann ich nach einer Covid-Erkrankung wieder Sport treiben?‘ beantwortet wurden!

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